Nach seinem schweren Autounfall und den anschließenden Ermittlungen ist CDU-Bundestagsabgeordneter Thomas Bareiß erstmals wieder öffentlich bei einem CDU-Termin in seinem Wahlkreis aufgetreten. Beim Festakt zum Tag der Deutschen Einheit im Stauffenberg-Schloss in Albstadt-Lautlingen (Zollernalbkreis) nahm der CDU-Bundestagsabgeordnete am Samstag gemeinsam mit seiner Frau Andrea Verpoorten in der ersten Reihe Platz.
Bareiß sagte dem SWR, er wolle den Termin nutzen, um wieder mit der Basis ins Gespräch zu kommen und Fragen der Menschen zu beantworten.
Drogen-Verdacht nach Verkehrsunfall
Bareiß steht seit seinem Unfall Mitte Juli politisch unter Druck. Die Staatsanwaltschaft Hechingen ermittelt gegen den 51-Jährigen wegen des Verdachts der fahrlässigen Straßenverkehrsgefährdung und der fahrlässigen Körperverletzung. Nach Angaben der Staatsanwaltschaft soll Bareiß zum Zeitpunkt des Unfalls unter dem Einfluss synthetischer Betäubungsmittel gestanden haben. Die Ermittlungen dauern an.
Beim Festakt saß Bareiß neben weiteren prominenten Gästen, darunter der frühere baden-württembergische Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) und Sachsen-Anhalts ehemaliger Ministerpräsident Reiner Haseloff (CDU). Mit-Gastgeberin der Feier war in diesem Jahr Wirtschaftsministerin Nicole Hoffmeister-Kraut (CDU). In den vergangenen Jahren hatte Bareiß diese Rolle selbst übernommen.
OB Tralmer unterstützt Bareiß
Albstadts Oberbürgermeister Roland Tralmer (CDU) begrüßte Bareiß beim Festakt "herzlich". Der CDU-Abgeordnete sei stets ein verlässlicher Partner für die Kommunen und die Bürger gewesen, sagte Tralmer. Mit Blick auf die Kritik an Bareiß zitierte er aus dem Johannesevangelium: "Wer ohne Sünde ist, der werfe den ersten Stein". Aus Politik und Medien würden derzeit zu viele Steine auf den Abgeordneten geworfen, so Tralmer. Bareiß reagierte daraufhin mit einer zustimmenden Geste.
Im Gespräch mit dem SWR ging Tralmer noch weiter - und sagte wörtlich:
Was ja auch von ihm eingeräumt wird: Bareiß mag Schuld auf sich geladen haben. Aber wie jede andere Suchterkrankung auch, handelt es sich um eine Erkrankung. Ich bin froh, dass er heute so weit ist, im guten Gesundheitszustand zu erscheinen. Das ist das erste - für die Unfallopfer und den Unfallverursacher.
Aus den Reihen der Jungen Union kommt Kritik
Von der Jungen Union kommt dagegen weiterhin deutliche Kritik. Sie hatte öffentlich gefordert, dass Bareiß sein Bundestagsmandat niederlegt. Statt Konsequenzen zu ziehen, wolle er sich politisch rehabilitieren, heißt es in einer Mitteilung der JU. Sie wirft dem 51-Jährigen zudem "gnadenlose Egozentrik" vor. Paul Haigis, Kreisvorsitzender der Jungen Union Zollernalb, sagte dem SWR beim Festakt: "Ich nehme die Stimmungslage so wahr, dass er hier unerwünscht war - von den Mitgliedern und der Parteibasis". Bareiß habe sich nicht glaubhaft von den Vorwürfen distanzieren können und seine Glaubwürdigkeit verspielt.
Nach Unfall und Ermittlungen Nach Drogen-Verdacht: Thomas Bareiß zurück im Bundestag
Nach Unfall und Auszeit meldet sich der CDU-Politiker Thomas Bareiß mit einem persönlichen Brief bei seinen Unterstützern. Er entschuldigt sich, schweigt aber zu den Ermittlungen.
In der CDU-Basis gehen die Meinungen auseinander
Auch die Basis sei aufgewühlt, sagt eine CDUlerin des Nachbarkreises, die anonym bleiben möchte. Viele hätten kein Verständnis dafür, dass Bareiß an seinem Bundestagsmandat für den Wahlkreis Zollernalb - Sigmaringen festhält. Er solle endlich Verantwortung übernehmen - "damit das alles bald ein Ende hat".
Die 80-jährige Ingeborg Heuser aus dem Vorstand der Frauenunion im Kreisverband Zollernalb ist anderer Meinung. "Jeder macht mal einen Fehler. Ihn im Fernsehen so bloßzustellen, finde ich nicht in Ordnung", sagte sie. Und zu der Rücktrittsforderung der Jungen Union: "Das sind junge Schnösel, die von Tuten und Blasen keine Ahnung haben".
Diese Konsequenzen hat Bareiß gezogen
Bareiß selbst hatte im August eine politische Auszeit angekündigt und sich für die Folgen des Unfalls entschuldigt. Er trat vom Vorsitz des CDU-Bezirksverbands Württemberg-Hohenzollern zurück und kündigte an, nicht erneut zu kandidieren. Zudem hat er den Haushaltsausschuss des Bundestags verlassen. Welche neue Aufgabe er innerhalb der CDU/CSU-Bundestagsfraktion übernehmen wird, ist bislang offen.