Verkehrskontrolle aus der Luft

Pilotprojekt in BW: Polizei kontrolliert Lkw-Abstand per Drohne

In einem Pilotprojekt testet die Polizei Drohnen zur Kontrolle von Abständen zwischen Lkw auf Autobahnen. Die Technik soll helfen, schwere Auffahrunfälle zu verhindern.

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Stand

Um schwere Auffahrunfälle auf Autobahnen zu verhindern, setzt die Polizei in Baden-Württemberg erstmals Drohnen zur Überwachung von Lkw-Abständen ein. Seit Mai läuft dazu ein Pilotprojekt der Verkehrspolizeiinspektion Zimmern ob Rottweil. Das Projekt soll zeigen, ob sich die Technik künftig landesweit einsetzen lässt.

Polizei kontrolliert Verkehr per Drohne auf der A81

An der A81 bei Zimmern ob Rottweil hat die Polizei am Dienstag vorgeführt, wie die Kontrollen aus der Luft funktionieren. Ein speziell geschulter "Drohnenführer" steuert das Fluggerät seitlich neben der Autobahn, erklärt Polizeipräsident Jürgen von Massenbach-Bardt vom Polizeipräsidium Konstanz.

Die Drohne fliegt in rund 70 bis 80 Metern Höhe und filmt den Verkehr von oben. Erkennt die Polizei einen zu geringen Abstand, hält sie den Verstoß mit Videoaufnahmen und Screenshots fest. Direkt hinter der Messstelle wartet ein Motorradpolizist. Er zieht den betroffenen Lastwagen aus dem Verkehr und begleitet ihn zur Kontrollstation.

Zwei Polizeibeamte kontrollieren nach einem per Drohne festgestellten Abstandsverstoß einen Lastwagenfahrer und sein Fahrzeug.
Zwei Polizeibeamte kontrollieren nach einem per Drohne festgestellten Abstandsverstoß einen Lastwagenfahrer und sein Fahrzeug. Hardy Faißt

Kontrollen per Drohne zeigen Wirkung

Die ersten Erfahrungen der Polizei zeigen, dass das Verfahren Wirkung hat. "Wenn die Kolleginnen und Kollegen etwa zwei Stunden kontrollieren, registrieren sie zwischen 15 und 20 Verstöße", sagt von Massenbach-Bardt. Dabei kontrolliert die Polizei auch die Ladungssicherung, mögliche technische Mängel sowie die Einhaltung der Lenk- und Ruhezeiten.

Die Drohne ist ein Dokumentationsmittel, kein Messinstrument wie eine Geschwindigkeitsmessanlage.

Ein Vorteil aus Sicht der Polizei: Die Drohne ist zugleich Kontroll- und Beweismittel. "Über die aus der Flughöhe aufgenommenen Bilder ist der Verstoß sehr überzeugend darstellbar", so von Massenbach-Bardt. Nach Angaben des Polizeipräsidenten sind die Aufnahmen sehr überzeugend: "Bei den bislang festgestellten Verstößen hat es keine Widersprüche der Fahrerinnen und Fahrer gegeben."

Häufige Unfallursache: ein zu geringer Abstand zwischen Lkw

Nach Angaben der Polizei gehört ein zu geringer Sicherheitsabstand zu den häufigsten Gründen für schwere Auffahrunfälle mit Lastwagen. Eine Studie des Statistischen Bundesamtes zeigt: Im Jahr 2020 waren Abstandsfehler von Güterfahrzeugen die häufigste Ursache für Unfälle.

Der Bußgeldkatalog schreibt vor, dass Lastwagen ab 50 Kilometern pro Stunde mindestens 50 Meter Abstand zum vorausfahrenden Fahrzeug halten müssen. Genau diese Regel nutzt die Polizei bei der Drohnenkontrolle: Ist auf den Aufnahmen erkennbar, dass der Abstand kleiner ist, wertet die Polizei das als Verstoß.

Eine Drohne der Verkehrspolizei überwacht auf der A81 bei Rottweil aus rund 70 bis 80 Metern Höhe die Abstände zwischen Lastwagen.
Eine Drohne der Verkehrspolizei überwacht auf der A81 bei Rottweil aus rund 70 bis 80 Metern Höhe die Abstände zwischen Lastwagen. Hardy Faißt

Bislang einmaliges Projekt im Südwesten

Das Projekt ist nach Angaben der Polizei in Baden-Württemberg bislang einmalig. In anderen Bundesländern, etwa in Sachsen-Anhalt, wurde die Technik bereits erprobt. Innenminister Manuel Hagel (CDU) sieht darin auch ein strategisch wichtiges Vorhaben: Baden-Württemberg soll "Drohnen-Leitregion" werden.

Drohnen könnten nicht nur zur Abwehr von Gefahren eingesetzt werden, sondern auch in innovativen Projekten, die der Polizei die Arbeit erleichtern und die Verkehrssicherheit erhöhen. Gerade dort, wo das Unfallrisiko hoch ist und herkömmliche Abstandskontrollen schwierig sind.

Nach Abschluss der Pilotphase will die Polizei auswerten, wie effektiv und praxistauglich die Abstandskontrolle aus der Luft ist. Fällt die Bilanz positiv aus, könnte das Verfahren auf alle Verkehrspolizeiinspektionen im Südwesten ausgeweitet werden - und so für mehr Sicherheit auf den Autobahnen sorgen.

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