Auch die 7.000-Einwohner-Gemeinde Weissach (Kreis Böblingen) ist wie erwartet von den Stellenstreichungen bei Porsche betroffen. Das ist bei der Betriebsversammlung von Porsche in Stuttgart-Zuffenhausen bekannt geworden. So sollen insgesamt am Entwicklungszentrum in Weissach wie im Stammwerk in Zuffenhausen 5.000 weitere Stellen gestrichen werden. In Weissach gehen die Reaktionen weit auseinander, der Bürgermeister ist längst dabei, sich auf andere Zeiten einzustellen.
Reaktionen aus Weissach zum Stellenabbau bei Porsche
Weissach ist Porsche, das merkt man schon wenn man in der Ortsmitte steht, da entspringt die Porsche-Straße, die zur sogenannten Denkfabrik des Stuttgarter Autobauers führt - zum Entwicklungszentrum. Dort arbeiten im Moment noch um die 7.000 Menschen, 600 davon wohnhaft in Weissach. Unter der Bevölkerung war die Porsche-Betriebsversammlung am Montag Thema Nummer 1.
Ein Mann spricht von einer "Not", die neue Nachricht würde sich auf jeden Fall für Weissach negativ auswirken. Eine Frau befürchtet etwa, dass Kindergärten teurer werden oder dass weniger saniert oder gebaut würde. Eine andere spricht generell von "großer Sorge", was die Situation der Automobilbranche in der Region angeht. Ein Mann, der bei der Tochterfirma Porsche Engineering arbeitet, zeigte sich dem SWR gegenüber optimistisch. Die Situation sei zwar angespannt, aber es werde sich wieder was finden. Eine Frau, die als Pflegerin arbeitet, wollte nur "ein bisschen Mitleid" zeigen. Es sei schade für die Menschen, die hier in großen Häusern wohnen und große Autos führen, aber Porsche-Mitarbeitende jammern auf hohem Niveau, meinte sie. Sie habe nie Erfolgsbeteiligungen von 10.000 Euro eingestrichen.
Bürgermeister Millow steuert seit Amtsantritt gegen
In Weissach spürt man an vielen Ecken, dass es finanziell jahrelang gut lief. Man hat gebaut - etwa eine prächtige Veranstaltungshalle, ein Bürger- und Vereinszentrum, und man hat eine Bibliothek in der historischen Zehntscheuer renoviert. Geld war da, im Rekordjahr 2009 gab es 222 Millionen Euro Gewerbesteuer für die Gemeinde. Jetzt müssen diese ganzen Räumlichkeiten unterhalten werden, auch wenn nicht immer auf hohe Gewerbesteuereinnahmen Verlass ist.
Bürgermeister Jens Millow (parteilos) sagt, alle Bürgermeister der Region verfolgten die Entwicklungen in der Automobilbranche mit Sorge. Das brauche man nicht schönreden. Er "bibbert natürlich mit", wenn der Gewinn des größten Gewerbesteuerzahlers einbricht oder hochgeht. Er selbst ist seit vier Jahren im Amt. Seitdem versuche er die Struktur, die manchmal etwas "überbordend" war, auf ein normales Maß zurückzufahren, sagt er. So soll etwa die Strickfabrik, die bislang den Vereinen zur Verfügung stand, zum Ärztehaus entwickelt werden, das auch Einnahmen generiert.
Wir wollen Schritt für Schritt das ganze System umstellen auf die Zukunft, mit etwas weniger hohen Steuereinnahmen.
Was in Weissach Hoffnung macht
Hoffnung macht, dass die Stellen "sozialverträglich" abgebaut werden, also im Rahmen von freiwilligen Aufhebungsverträgen oder indem das Unternehmen die Jobs von Beschäftigten, die in Rente gehen, nicht nachbesetzt. Und: Porsche will insgesamt mehr als zwei Milliarden Euro in die Standorte Weissach und Zuffenhausen investieren.
Und viele Bürgerinnen und Bürger sind zuversichtlich. Die haben schon manchen Rückschlag von Porsche weggesteckt. Ein Anwohner glaubt auch fest an Bürgermeister Millow. Genau dafür habe man ihn gewählt, er werde das schon hinkriegen.