Abkühlung kommt langsam, Zahlreiche Einsätze nach Badeunfällen, In einigen Regionen "Außergewöhnliche Einsatzlage" ausgerufen, Neuer bundesweiter Temperaturrekord
Baden-Württemberg schwitzt - nach hohen Temperaturen auch am Sonntag soll die Hitzewelle enden. Alle Entwicklungen rund um die aktuelle Wetter-Lage gab es in unserem Liveblog.
Wegen der Hitzewelle: Holocaust-Überlebende sagt Stuttgart-Besuch ab
Die 91-jährige Holocaust-Überlebende Eva Weyl hat eine für Ende Juni geplante Vortragsreise an Stuttgarter Schulen abgesagt. Weyl habe mitgeteilt, dass sie "wegen der momentanen Hitzewelle leider nicht nach Stuttgart kommen wird", teilten die Veranstalter mit. Weyl wollte wie 2025 auf Einladung der Stuttgarter "Stolperstein"-Initiativen in die Landeshauptstadt kommen und fünf Schulen besuchen. Die Vorträge sollen nun online stattfinden.
Eva Weyl und ihre Eltern wurden 1942 vom NS-Regime im niederländischen Lager Westerbork interniert. Die Familie konnte mit Glück mehreren Deportationen in NS-Vernichtungslager entgehen und wurde im April 1945 befreit.
Das Schwitzen geht erst einmal weiter: Für die Menschen im Land ist in den nächsten Tagen nach Prognose des Deutschen Wetterdienstes (DWD) vorerst keine wirkliche Abkühlung in Sicht. Der Mittwoch startet demnach im ganzen Land sonnig, über den Bergen können sich auch Quellwolken bilden. Die Temperaturen klettern auf 31 Grad in den Bergen und bis auf 38 Grad am Rhein. Das Gewitterrisiko ist laut DWD eher gering.
Nach der Hitze am Tag kühlt es auch nachts nur wenig ab. In der Nacht zu Donnerstag wird es mancherorts nicht kühler als 20 Grad, im Allgäu gibt es dagegen angenehme 14 Grad. Noch heißer soll es dann am Donnerstag und Freitag werden. Gerade am Freitag sind den Meteorologen zufolge von Karlsruhe bis Mannheim lokal bis zu 40 Grad möglich. Dann könnte auch der Temperaturrekord für Juni fallen. Der bisherige Höchststand in Baden-Württemberg für einen Juni liegt bei 38,9 Grad, gemessen am 30. Juni 2019 in Mannheim. Am Samstag soll laut Angaben des DWD die Spitze der Hitzewelle erreicht werden, mit Höchsttemperaturen von 34 Grad im Bergland und bis zu lokalen 41 Grad in der Kurpfalz.
Die Landesärztekammer Baden-Württemberg warnt vor den gesundheitlichen Folgen der Hitzewelle. Besonders ältere Menschen, Schwangere, chronisch Kranke, Obdachlose und Beschäftigte im Freien seien gefährdet, teilte die Kammer heute mit. Bei Hitze könne das körpereigene Kühlsystem überlastet werden, sagte deren Präsident Wolfgang Miller. Das könne zu Kreislaufproblemen führen und im Extremfall Herzinfakt und Schlaganfall begünstigen. Auch für Kinder könne die Hitze schnell gefährlich werden, da ihre körperlichen Schutzmechanismen noch nicht voll entwickelt seien. Die Ärztekammer empfiehlt, direkte Sonne zu meiden, körperliche Anstrengung in die kühleren Morgen- und Abendstunden zu verlegen und ausreichend zu trinken.
Hitzeglocke beschert Frankreich heißesten Tag seit Beginn der Messung
Wie hoch die Temperaturen durch das Hochdruckgebiet ausfallen können, zeigt sich aktuell in Frankreich und Spanien. Dort liegt aktuell das Zentrum der bereits erwähnten Hitzeglocke, die zum Wochenende hin nach Mitteleuropa zieht. Frankreich hat laut dem staatlichen Wetterdienst Météo France den heißesten Tag seit Beginn der Messungen 1947 erlebt. Die Durchschnittstemperatur kletterte laut vorläufigen Werten von 17 Uhr auf 29,8 Grad. Wegen der Hitze schließen Sehenswürdigkeiten wie der Eiffelturm und der Louvre in Paris bereits ab Mittag. In Spanien registrierten gestern 101 der 828 Wetterstationen der Wetterbehörde Aemet Temperaturen von über 40 Grad. Bei etwa 30 Stationen sank die Temperatur in der vergangenen Nacht nicht unter 25 Grad.
Am Mittwoch wird es noch heißer - Höhepunkt steht noch aus
Auch morgen hält die Hitzewelle an - es wird sogar noch heißer. Den ganzen Tag über dominiert die Sonne das Wetter über Baden-Württemberg. Lediglich im Süden kann es über den Bergen Gewitter geben. Die Temperaturen liegen zwischen 33 bis 38 Grad.
In den kommenden Tagen steigen die Temperaturen weiter an. Am Freitag sind erstmals zwischen Mannheim und Karlsruhe 40 Grad möglich. Der Samstag könnte noch heißer werden. Überall am Oberrhein und am Main sind dann 40 Grad möglich. Solche Temperaturen hat es in Baden-Württemberg im Juni noch nicht gegeben. Auch Ganzjahresrekordwerte sind dann möglich. Grund ist das Hochdruckgebiet, das die heiße Luft derzeit über Frankreich festhält. Doch der "Heat Dome", im Deutschen auch Hitzeglocke genannt, zieht in den kommenden Tagen in Richtung Mitteleuropa weiter.
Städte Stuttgart und Freiburg erlassen Grillverbot
Wegen der hohen Gefahr eines Wald- und Vegetationsbrandes erlassen die Städte Stuttgart und Freiburg jetzt Grillverbote. In Stuttgart sperrt das zuständige Gartenamt bis auf Weiteres alle öffentlichen Grillstellen sowie die Grillzone am May-Eyth-See. Außerdem wies das Amt darauf hin, dass das Entzünden von Feuer im Wald und in Grünanlagen verboten ist. Im Wald gelte ein generelles Rauchverbot von März bis einschließlich Oktober. In Freiburg sind Feuermachen und Grillen an den Grillzonen und Feuerstellen bei einer Waldbrand- oder Graslandfeuergefahr von Stufe 4 ebenfalls verboten. Für Freiburg sprach der Deutsche Wetterdienst (DWD) sogar die höchste Stufe 5 aus - das entspricht einer sehr hohen Brandgefahr.
Sicherheitskräfte sollen an heißen Tagen in Heidelberger Freibad für Ordnung sorgen
Die Hitze kann auch auf die Gemüter schlagen - auch bei Menschen, die sich im Schwimmbad eine Abkühlung erhoffen. In Heidelberg zieht das Tiergartenbad jetzt Konsequenzen: Weil am Freitag und Samstag mehrere Gruppen von Jugendlichen für Chaos und Lärm gesorgt haben und das Bad vorübergehend geschlossen werden musste, engagieren die zuständigen Stadtwerke nun Sicherheitskräfte. Sie sollen an besonders heißen Tagen und an den Wochenenden am Eingang und im Beckenbereich für Ordnung sorgen. Außerdem sollen die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter jetzt konsequenter gegen Gäste vorgehen, die Regeln oder Anweisungen missachten.
Nicht nur Waldbrände: Feuerwehren rüsten sich für Hitze-Einsätze
Die Hitzewelle betrifft auch die Feuerwehren im Land. Durch die Trockenheit steigt die Gefahr von Vegetations- und Waldbränden. Der Deutsche Wetterdienst (DWD) stuft das Risiko dafür hoch ein. Der Katastrophenschutz und die Feuerwehr im Biberacher Landratsamt warnen deshalb vor dem Einsatz von Flammenwerfern bei der Unkrautbekämpfung. Dieser sei hochgefährlich. Durch schweres Gerät bei der Getreideernte könnten auch Flächenbrände Thema werden, so die Erwartung der Einsatzkräfte. Dazu rechnen die Feuerwehren vermehrt mit Einsätzen wegen Fehlalarmen durch überhitzte Brandmelder und technische Defekte, etwa an Photovoltaikanlagen.
BUND: Wasserentnahme aus Bächen gefährdet Lebensräume
Auch der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) fordert, kein Wasser mehr aus Bächen zu entnehmen. Fische, Insektenlarven, Steinkrebse und Vögel wie Wasseramseln oder Eisvögel seien auf lebendige Gewässer angewiesen, sagte die Regionalgeschäftsführerin im Raum Neckar-Alb, Barbara Lupp, dem SWR. Wenn die Gewässer nicht mehr da seien, breche das Ökosystem zusammen, das sich nicht mehr so schnell wieder erhole. Alternativ zum Wasser aus Bächen könnte Regenwasser von Dachflächen in Regentonnen oder Zisternen gespeichert und zum Bewässern von Gärten oder landwirtschaftlichen Flächen genutzt werden. Das Gespräch mit Barbara Lupp hier zum Nachhören:
Pegel sinken: Wasserentnahme per Gießkanne im Kreis Karlsruhe eingeschränkt
Die Trockenheit wirkt sich auf Flüsse und Bäche im Land sowie die Tiere aus, die von ihnen abhängen. Das zeigt etwa ein Blick in den Kreis Karlsruhe: Die Pegelstände an Alb, Pfinz, Saalbach und Kraichbach sind laut Landratsamt Karlsruhe nahe dem Mittelwert der niedrigsten jährlichen Wasserstände und sie sinken weiter. Dazu seien die Wassertemperaturen überdurchschnittlich hoch. Dadurch seien Lebensräume von Fischen, Kleinstlebewesen und Pflanzen bedroht. Das Landratsamt fordert, die Wasserentnahme auch per Gießkanne einzustellen. Mit Motorpumpen ist sie ohnehin verboten. Auch im Enzkreis beobachtet das Umweltamt sinkende Wasserstände. Eine Entnahme-Beschränkung werde hier geprüft, heißt es in einer Mitteilung.
Auch jeder Einzelne von uns sollte bei diesen Temperaturen auf sich achten. Wer sich zu lange in der Sonne aufhält, läuft Gefahr, einen Hitzschlag zu erleiden. Dieser kann auch lebensbedrohlich werden. Daher haben wir hier ein paar Hilfestellungen, was im Notfall zu beachten ist:
Im grenznahen Schweizer Atomkraftwerk Beznau im Kanton Aargau wird die Leistung gedrosselt. Weil das Kühlwasser für die beiden Reaktoren aus der Aare stammt und nach der Kühlung dorthin zurückfließt, gibt es für den Betrieb des AKWs eine Obergrenze bei der Wassertemperatur. Liegen die Werte höher, muss der Betreiber die Leistung um die Hälfte reduzieren. Passiert das mehrere Tage hintereinander, muss das Kraftwerk ganz abgestellt werden. Da sich die Temperatur des Kühlwasssers dieser Obergrenze genähert habe, werde die Stromproduktion schrittweise zurückgefahren, so die Betreiber. Bereits im Juni 2025 musste Beznau die Stromproduktion wegen Hitze einschränken.
Strengeres Tempolimit im Elsass - Kostenloser ÖPNV in Straßburg und Mulhouse
Unsere französischen Nachbarn greifen angesichts der Hitze zu drastischen Maßnahmen. So wurde in der Region Grand Est, zu der auch das Elsass gehört, das Tempolimit auf Autobahnen um 20 Kilometer pro Stunde gesenkt. Langsamer als 70 km/h soll aber niemand fahren. Dieser Wert ist als Mindestgeschwindigkeit festgelegt. Außerdem appellieren die Behörden wegen der hohen Luftverschmutzung - wenn möglich - aufs Autofahren zu verzichten. In Straßbourg und Mulhouse ist der öffentliche Nahverkehr heute deshalb kostenlos. Und auch Park & Ride-Parkplätze sind gratis.
Die DLRG Rheinhessen warnte im SWR vor dem Schwimmen im Rhein. Die Strömung sei gefährlich. Auch Müll und dicke Baumstämme seien im Wasser. Selbst ein geübter Schwimmer gehe unter, wenn er davon getroffen werde, so ein Sprecher. Zwar darf laut einer Verordnung der Wasser- und Schifffahrtverwaltung des Bundes an bestimmten Stellen wie Hafeneinfahrten, Fähranlegern, Schiffsanlegestellen und Altrheinmündungen nicht geschwommen werden. An anderen Stellen gebe es jedoch keine Regeln. Dabei sei alles ab Knietiefe problematisch, sagte der DLRG-Sprecher.
Auch die Straßen leiden mittlerweile unter der Hitze. So musste die Verbindungsstraße zwischen Hilsbach (Rhein-Neckar-Kreis) und Elsenz (Kreis Heilbronn) wegen hitzebedingter Fahrbahnschäden bis auf Weiteres gesperrt werden. Das hat das Straßenwege-Bauamt des Rhein-Neckar-Kreises heute mitgeteilt. Ein Teil der Fahrbahnoberfläche sei durch die hohen Temperaturen unter der Last der Fahrzeuge weich geworden. Dadurch hätten sich Teile der Fahrbahndecke gelöst. Eine Umleitung ist eingerichtet.
Der Wasserpegel des Bodensee hat einen historischen Tiefstand erreicht. Der Pegel Konstanz zeigt derzeit 3,32 Meter an. So niedrig war er am 23. Juni noch nie. Der historische Minimalwert zu diesem Zeitpunkt im Sommer lag bislang bei 3,37 Meter. Zum langjährigen Mittelwert fehlen aktuell sogar 99 Zentimeter, dieser liegt bei 4,31 Meter. Wegen der anhaltenden Trockenheit gilt bei Seen, Flüssen, Bächen und Weihern im Bodenseekreis und im Kreis Konstanz ein Wasserentnahmeverbot. Aus dem Bodensee darf aber weiter Wasser entnommen werden.
Der Deutsche Wetterdienst (DWD) hat eine Unwetterwarnung für den Regierungsbezirk Freiburg herausgegeben. Am Nachmittag bestehe die Gefahr von schweren Gewittern. Diese könnten etwa zu herabfallenden Ästen und Dachziegeln sowie Überflutungen von Unterführungen und Kellern führen, so der DWD. Auch Hagel ist demnach möglich.
Schulen in Region Heilbronn machen Hitzefrei oder verkürzen Schulstunden
Für Schulen in der Region Heilbronn ist Hitzefrei offensichtlich ein gutes Instrument. So haben die Staufenberggrundschule in Heilbronn und das Schlossgymnasium in Künzelsau heute Hitzefrei gegeben. Ab dem Mittag gibt es nur noch Unterricht für die Oberstufe, da sich die Schülerinnen und Schüler hier teilweise auf das mündliche Abitur in der kommenden Woche vorbereiten. Jüngere Kinder werden weiterhin aber auch beaufsichtigt - wenn die Eltern die Betreuung nicht übernehmen können. Einen anderen Weg geht das Elly-Heuss-Knapp-Gymnasium in Heilbronn. Es hat jede Schulstunde auf 30 Minuten gekürzt, sodass der Schultag für die meisten Kinder um 12:30 Uhr endet.
Vermehrt Kreislaufprobleme und Hitzschläge in Oberschwaben
Das Deutsche Rote Kreuz im Kreis Biberach bemerkt seit einer Woche eine Zunahme von Kreislaufproblemen, Hitzschlägen, Sonnenstichen und allergischen Reaktionen nach Insektenstichen. Der Medizin-Campus-Bodensee spricht von vereinzelten Notfällen wegen Flüssigkeitsmangel. Deutlich mehr Patienten hätten sich draußen zu viel zugemutet und seien zum Beispiel vom Rad gestützt. Mediziner und Rettungsdienste verweisen auf die bekannten Vorsichtsmaßnahmen: genügend trinken, Anstrengungen vermeiden, Schatten suchen und nicht alkoholisiert baden gehen. Denn Alkohol erweitere die Gefäße, fallender Blutdruck könne bewusstlos machen.
Fußball-Meisterschaftsspiele bei Hitze laut Verband "alternativlos"
Am Wochenende standen im Kinder-und Jugendfußball am Wochenende Meisterschaftsspiele an - bei bis zu erwarteten 37 Grad. Trotz der Hitze haben die Verbände den Betrieb nicht eingestellt oder abgesagt. Bei Bedarf könnten die Spiele in die Vormittag- oder Abendstunden verlegt werden, teilte der Württembergische Fußballverband mit. Der Spieltag selbst sei alternativlos. Dazu verwies der Verband auf die bestehenden Hitzeschutzregeln.
SWR Sport-Redakteur Claus Hoffmann hat das Verhalten der Verbände kommentiert:
Wegen Hitze: Zwei Heidelberger Straßenbahnlinien konnten nicht fahren
Die Hitze sorgt auch für Probleme im Nahverkehr. In Heidelberg mussten gestern die Straßenbahn-Linien 23 und 24 zwischen Heidelberg und dem Stadtteil Rohrbach sowie nach Leimen den Betrieb einstellen. Seit heute Morgen fahren sie laut RNV wieder nach Plan. Die Unterbrechung sei eine Maßnahme, um Verschmutzungen und Schäden an den Bahnen sowie an privaten Fahrzeugen durch geschmolzenes Bitumen zu vermeiden. Der Stoff dient als Abdichtung zwischen den Straßenbahngleisen und dem Asphalt. Doch bei Hitze und der Belastung durch Fahrzeuge wird das Bitumen weich und klebrig. Wenn es auf den Schienen verteilt wird, können die Bahnen im schlimmsten Fall nicht weiterfahren. Nach Reinigungsarbeiten am Morgen war der Betrieb wieder möglich. "Wir sind jetzt aktuell dabei, das Problem ganz intensiv zu beobachten und, wo immer nötig, nachzuarbeiten und zu reinigen", sagte ein RNV-Sprecher dem SWR.
431 Millionen Euro pro Tag: Hitze schadet der deutschen Wirtschaft
Hitze macht schlapp - das kennen wir alle. Aber sie kostet auch richtig Geld. Das Analyse-Unternehmen Prognos hat für das Bundesarbeitsministerium ausgerechnet: Ein einziger Hitzetag mit mehr als 30 Grad kostet die deutsche Wirtschaft rund 431 Millionen Euro - vor allem, weil Beschäftigte weniger arbeiten, aber auch, weil es mehr gesundheitsbedingte Ausfälle oder sogar Unfälle gibt. Was das konkret bedeutet - für die Gesamtwirtschaft, aber auch auf den Feldern in Filderstadt bei Stuttgart - hat meine Kollegin Hanna Spanhel zusammengefasst:
Und noch eine Absage: Weil am Samstag in Bopfingen (Ostalbkreis) 36 Grad erwartet werden, sagt die Stadt das Rutenfest ab. "Erstmals in der jüngeren Geschichte der Stadt Bopfingen kann das traditionsreiche Kinderfest aufgrund zu guten Wetters nicht stattfinden", heißt es von der Verwaltung. Bopfingens Bürgermeister Gunter Bühler (CDU) bedauert die Absage, man habe "aber eine Verantwortung für die zahlreichen Helfer, vor allem für die vielen Kinder und Jugendlichen. Überall ist aus gutem Grund Hitzefrei, da können wir nicht bei Rekordtemperaturen so tun, als ob uns das nichts angeht." Einen Ersatztermin soll es aus "organisatorischen Gründen" und wegen der "engen Terminsituation" nicht geben.
Streit um Rauchverbot im Freibad eskaliert und führt zu größerem Polizeieinsatz
Handgemenge wegen Rauchverbots in einem Schwimmbad in Obersulm (Kreis Heilbronn): Ein 47-Jähriger, der trotz des Verbots nicht mit dem Rauchen aufhören wollte und deshalb des Freibades verwiesen werden sollte, hat einen größeren Polizeieinsatz ausgelöst. Er bedrohte und beleidigte eine Bademeisterin, die Beamten legten dem aggressiven Badegast Handschellen an. Laut Polizei kam es daraufhin zu einem Handgemenge zwischen den Beamten und mehreren weiteren Personen. Dabei seien eine Polizistin und ein 23-Jähriger leicht verletzt worden. Einem 24-Jährigen, der trotz Warnung immer wieder auf die Einsatzkräfte zuging, wurden ebenfalls Handschellen angelegt.
Kerzen auf Friedhof in Kornwestheim verboten - Aufruf zum Wasser sparen in Filderstadt
Mehrere Städte in der Region Stuttgart wollen angesichts der derzeitigen Hitze und Trockenheit Bränden und Wasserknappheit vorbeugen. So ist in Kornwestheim ab sofort bis auf Weiteres das Anzünden von Kerzen auf Friedhöfen verboten. Die Stadt Filderstadt ruft ihre Einwohnerinnen und Einwohner dazu auf, Wasser zu sparen.
Aufklärung bereits für die Kleinsten: "Wetter-Kids" in Kita gegen die Hitze
Die Sonne knallt erbarmungslos vom Himmel - gerade für Kinder kann das heiße Wetter schnell gefährlich werden. Im Kindergarten St. Marien in Oberhausen-Rheinhausen (Kreis Karlsruhe) gibt es deshalb ein besonderes Konzept, um den Kindern "Hitzeschutz" beizubringen. Die Einrichtung hat dafür eine eigene Wetterstation. Diese übermittelt verschiedene Daten an ein Tablet, das die Kindergartenkinder bedienen und auslesen können. Die Werte werden entsprechend besprochen und konkrete Handlungen in die Tat umgesetzt. "Die Kinder mögen es, wenn man ihnen wichtige Aufgaben anvertraut", so Erzieher Simon Born. Dementsprechend würden sie ihren Job als Wetter-Kids auch alle sehr ernst nehmen.
Auch in Fellbach (Rems-Murr-Kreis) gibt es eine Absage wegen der Hitze. Die Stadt hat das Kinderkulturfest, das eigentlich am Samstag hätte stattfinden sollen, wegen Temperaturen von mehr als 35 Grad abgesagt. Die Entscheidung sei nicht leichtgefallen, heißt es vom Kulturamt der Stadt. Aber eine Außenveranstaltung zwischen 14 und 17 Uhr - also in der heißesten Phase des Tages - könne insbesondere für Familien mit kleinen Kindern eine erhebliche Belastung darstellen und gesundheitliche Risiken mit sich bringen.
Wegen der anhaltenden Hitze sind die Blutreserven in Baden-Württemberg und Hessen auf ein kritisches Niveau gesunken. So teilt der Blutspendedienst des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) mit, dass die Vorräte derzeit deutlich kürzer reichen als die benötigten vier bis fünf Tage. Gleichzeitig sinke bei hohen Temperaturen erfahrungsgemäß die Spendenbereitschaft. Allein in Baden-Württemberg und Hessen brauche es täglich rund 3.000 Blutspenden. Daher ruft das DRK gesunde Erwachsene zur Spende auf. Auch bei Hitze sei Blutspenden möglich, man müsse nur ausreichend trinken und körperliche Anstrengung vermeiden.
Mit dem ausbleibenden Regen und den heißen Temperaturen steigt im Land auch die Waldbrandgefahr an. Für die kommenden Tage sagt der Deutsche Wetterdienst eine hohe Gefahr voraus. Der Waldbrandgefahrenindex des Wetterdienstes liegt dann an vielen Messstellen auf Stufe 4 von 5. Wie schnell die aktuellen Bedingungen zu einem Brand führen können, zeigt ein Beispiel zwischen Stuttgart-Weilimdorf und Korntal-Münchingen (Kreis Ludwigsburg). Unterhalb des Windrads am Grünen Heiner kam es gestern laut der Feuerwehr zu einem Vegetationsbrand.