Noch vor zwei Jahren hatte man große Pläne: die Tiefengeothermie in Graben-Neudorf (Kreis Karlsruhe) sollte die regionale Energiewende voranbringen. Nun wird das Projekt zum Jahresende beerdigt. Die Beteiligten nennen wirtschaftliche Gründe und verweisen auf die Karlsruher Firma Deutsche Erdwärme (DEW).
Regionaler Wärmeverbund löst sich zum Jahresende auf
Die Firma könne in Graben-Neudorf eine ursprünglich zugesagte Wärmeleistung aus ihrer Tiefengeothermiebohrung für das geplante regionale Fernwärmenetz nicht mehr verbindlich zusichern. So steht es zum Beispiel in einer Bruchsaler Gemeinderatsvorlage, die das Ausscheiden aus der gemeinsamen Projektentwicklungsgesellschaft zum Inhalt hatte. Die geplante Stromversorgung von Graben-Neudorf aus dem Kraftwerk sei davon nicht betroffen.
Solche Vorlagen werden derzeit in allen zehn Gemeinderäten von Bruchsal, Bretten, Stutensee, Graben-Neudorf, Dettenheim, Ubstadt-Weiher, Karlsdorf-Neuthard, Forst, Hambrücken und Gondelsheim (alle Kreis Karlsruhe) verhandelt. Das Projekt regionale Fernwärme ist, so scheint es, zumindest vorerst gescheitert.
Graben-Neudorf hat das heißeste Bohrloch Deutschlands Wärme aus dem Boden für tausende Menschen - Härtetest für Geothermie
Auf dem Geothermiegelände in Graben-Neudorf im Landkreis Karlsruhe startet am Montagnachmittag ein Langzeittest. Die Deutsche Erdwärme will so reelle Produktionsbedingungen simulieren.
Am Pranger steht die Firma Deutsche Erdwärme
Die Geothermiebetreiberin Deutsche Erdwärme (DEW) aus Karlsruhe muss sich aber noch mehr Vorwürfe gefallen lassen: Die zuletzt angebotenen Wärmepreise lägen deutlich über einem wirtschaftlich tragbaren Niveau, heißt es in der Bruchsaler Ratsvorlage.
Dem widerspricht Sebastian Homuth von der Deutschen Erdwärme: "Wir haben sehr marktübliche und konkurrenzfähige Preise", sagt der Leiter des Testbetriebs in Graben-Neudorf. Man habe die Preisstrukturen mit anderen Anbietern verglichen. Dabei seien keine überzogenen Abweichungen festgestellt worden.
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Deutsche Erdwärme widerspricht Vorwürfen der Kommunen
Auch das Argument, die Bohrung in Graben-Neudorf sei nicht ergiebig genug, um ein regionale Fernwärmenetz zu speisen, weist Homuth zurück. "Wir haben jetzt gerade sehr positive Ergebnisse mit einem Langzeitinjektionstest nachgewiesen." Die Anlage in Graben-Neudorf sei sehr wohl in der Lage, ein regionales Fernwärmenetz zu versorgen, betont der DEW-Vertreter.
Nach jüngsten Schätzungen der Firma könne die Leistung bei 20 bis 30 Megawatt für die Fernwärmeerzeugung liegen. Heißt, damit könnten bis zu 20.000 Haushalte versorgt werden. Das sind zwar nicht mehr die ursprünglich von der Firma genannten 40 Megawatt Leistung, aber völlig ausreichend, um die Region zu versorgen, betont Homuth.
Waren die Pläne der Kommunen wirtschaftlich überhaupt tragbar?
Der Leiter des Graben-Neudorfer Testbetriebs weist ausdrücklich darauf hin, das das Thema Fernwärme nicht gestorben sei. Die Firma könne die Gründe für einen Rückzug der Regionalen Wärmeverbundgesellschaft jedenfalls nicht nachvollziehen. Homuth vermutet das Problem vielmehr bei den Kommunen. "Man kann natürlich schon die Frage stellen, ob die ambitionierte Planung, Transportleitungen bis nach Bretten zu legen, wirtschaftlich tragbar ist."
600.000 Euro Lehrgeld für die Energiewende?
Annähernd 600.000 Euro hatte die regionale Projektentwicklungsgesellschaft in den vergangenen zweieinhalb Jahren für eine Machbarkeitsstudie, für Businesspläne und für eine Wirtschaftlichkeitsberechnung ausgegeben. Sogar Trassenpläne für die Fernwärmeversorgung von Graben-Neudorf bis nach Bretten waren gezeichnet worden. Am Ende war alles nichts. Aus Sicht der Kommunen war eine Notbremsung unvermeidlich. Das gemeinsame Projekt wird zum 31. Dezember eingestellt.
Die Deutsche Erdwärme setzt ihr Projekt in Graben-Neudorf also fort. Man habe umplanen müssen, sagt Geschäftsführer Herbert Pohl. Die Firma werde das Tiefengeothermieprojekt vor Ort aber fortsetzen und zu Ende bringen. Die zweite Bohrung soll Ende 2026 oder Anfang 2027 folgen.
Wir planen das Projekt jetzt erstmal ohne Wärmeversorgung der Region.
Dabei mag der Erdwärmechef nicht ausschließen, dass es zu einem späteren Zeitpunkt vielleicht doch noch Lösungen für ein regionales Fernwärmeprojekt geben könnte. Zumindest lokal bis zur benachbarten Firma SEW und bis nach Graben-Neudorf werde die Erdwärmeleitung aber sicher reichen, heißt es bei der Deutschen Erdwärme.
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Kommunen erhalten nur Bruchteile ihrer Einlagen zurück
Die Machbarkeitsstudie und die Businesspläne der kommunalen Projektentwickler landen zum Jahresende erst einmal in den Verwaltungsschubladen. Die zehn Kommunen erhalten nur Bruchteile ihrer Einlagen zurück.
Die Stadt Bruchsal zum Beispiel hatte sich mit rund 62.000 Euro an der Projektentwicklungsgesellschaft beteiligt. Nach der Vorlage im Gemeinderat erhält sie davon am Ende rund 10.000 Euro zurück. Die restlichen 51.419 Euro würden außerordentlich abgeschrieben und belasteten das Budget der Stadtwerke im Jahr 2025.
Kommunen haben eine halbe Million Euro investiert
Über eine halbe Million Euro haben die Kommunen im nördlichen Landkreis Karlsruhe am Ende gemeinsam in den Sand gesetzt. Lehrgeld für die Energiewende? Stefan Kleck, Geschäftsführer der Brettener Stadtwerke, sagt nein.
"Das wäre ein super Projekt gewesen, wenn die Deutsche Erdwärme ihre Zusagen eingehalten hätte", so der Stadtwerkegeschäftsführer, der gleichzeitig auch als Geschäftsführer der regionalen Wärmeverbundgesellschaft fungierte. Aber Kleck sagt auch:
Wir glauben nicht mehr an das Erdwärmepotential in Graben-Neudorf.
Laut Stefan Kleck wäre es einfacher, ein solches Projekt mit einem kommunalen Unternehmen als mit einem Unternehmen aus der Privatwirtschaft umzusetzen. Der Grund dafür seien unterschiedliche Vorstellungen, was beispielsweise zeitliche Abläufe, Fianzierungsstrukturen und Renditeerwartungen betrifft. Das führte laut Stefan Kleck wahrscheinlich dazu, dass die Deutsche Erdwärme nicht auf ein Niveau heruntergehen ging, das für die Stadtwerke Bretten attraktiv wäre.
Da müssten wir am Ende des Tages wahrscheinlich schon selber anfangen zu bohren. Und das ist natürlich auch mit Risiken verbunden.