Die Stadt Calw im Nordschwarzwald baut zwei Riesenrutschen - durch den Stadtgarten vom am Hang gelegenen Ortsteil Wimberg in die Innenstadt. Die erste Hürde ist geschafft, die Rutschen stehen. Eine ist 43 Meter lang, die andere 17 Meter. Beide Rutschen sind in den Hang des sieben Hektar großen Stadtgarten hineingebaut. Eine enorme Herausforderung war das, betont Architekt Patrick Humpert. "Man kommt hier an das Gelände nur ganz schwer dran, mit kleinem Gerät", erklärt der Planer. Aber: Der Hang habe auch seine positiven Eigenschaften.
Der Vorteil ist, dass wir einen gescheiten Berg haben, den ich runterrutschen kann und ich keinen Turm bauen muss für eine Rutsche.
Rutschenbau in Calw: schwere Röhren passgenau zusammensetzen
Vergangene Woche waren die Bauteams am Werk. Für Baggerfahrer Michael Bugart sind Rutschen nicht das tägliche Business. "Man muss aufpassen, dass der Bagger nicht umkippt, hier sind viele lose Steine", sagte er.
Mit viel Gefühl steuerte Bugart den Bagger, denn jede Röhre muss millimetergenau passen. Jede Röhre wiegt rund 300 Kilo. Die Installateure banden sie vorne am Arm des Baggers fest.
Nach wenigen Tagen war die erste Rutsche bereits vollständig installiert. Bei der zweiten gab es dann Schwierigkeiten, so Melanie Gentzel vom Calwer Tiefbauamt. Der Verbindungsring zwischen zwei Röhren sei defekt gewesen, so Gentzel. Über Nacht habe dann eine Spedition eine neue Röhre geliefert. "Ärgerlich, dass das gerade beim letzten Röhrenabschnitt passiert ist", sagte die Projektleiterin.
Für die Röhren wurde vorab der Hang teilweise abgegraben. Die Rutschenteile liegen nicht auf der Erde ab, sondern werden von Metallpfeilern abgestützt. Die Bauarbeiter freuen sich über ihr Werk, das sie in wenigen Tagen geschaffen haben: "Natürlich ist man stolz, wenn man sowas hinbekommt. Machen wir auch nicht jeden Tag".
Rutsche in Calw: Nur Spaß oder auch Sicherheitsrisiko?
Die Rutschen sollen Freude machen, findet Architekt Humpert. Er möchte, dass die Schüler vom angrenzenden Hermann-Hesse-Gymnasium oder der Realschule Calw Spaß und einen kurzen Heimweg haben. "Die Schüler sollen nachhause rutschen können", so der Architekt. Ein schöner Gedanke, dennoch seien die Rutschen aber mit Vorsicht zu genießen, sagt Lehrer Michael Rotter von der Realschule Calw.
Wenn ich sehe wie steil die Rutsche wird, mache ich mir große Sorgen um unsere Schüler.
"Wie wird das dann sein? Schulranzen zuerst oder Schüler zuerst?", fragt sich Rotter. Er ist sich sicher, dass die Rutschen stark genutzt werden von den Schülern, aber die Sicherheit sehe er kritisch.
Architekt Humpert macht sich hingegen keine Sorgen und betont: "Wir reden hier nicht von einem Eigenbau, sondern von einer DIN-Norm angepassten Rutsche. Später wird sie auch noch vom TÜV abgenommen."
Eröffnung der Riesenrutschen im September
Bis die ersten Schüler, Bürger und Touristen die Rutsche runter rauschen können, dauert es allerdings noch. Am 18. September weiht die Stadt Calw den neu gestalteten Stadtgarten ein - samt den beiden Rutschen. Bisher war der Stadtgarten eher verwildert und soll jetzt attraktiver gemacht werden.
Riesenrutschen Teil eines Klimakonzepts
Dass Calw so ein Projekt bekommt, verdankt die Stadt einem Wettbewerb, erklärt Melanie Gentzel vom Tiefbauamt. Bei dem bundesweiten Wettbewerb ging es darum, ein möglichst gutes Klimakonzept für den neuen Stadtgarten zu entwerfen. Den Wettbewerb hat Architekt Humpert gewonnen und der wollte dann seine Ideen im Calwer Stadtgarten umsetzen. Ein Glück, für die Schwarzwaldstadt. Ein wichtiger Teil des Projektes sind auch Bepflanzungen im Stadtgarten - die kommen noch.
Aber auch Ressourcenschonung stehe im Vordergrund, so Humpert. Fast alle Steine, die bei den Bauarbeiten im Stadtgarten eingesetzt werden, sind recycelt. Viele kommen aus dem Alten Badener Hof in Calw. Im Stadtgarten bekommen die Steine ein zweites Leben. "Die Rutschen sind dazu dann die Kirsche auf der Torte", sagt Humpert.
Der Umbau des sieben Hektar großen Stadtgartens kostet rund 1,5 Millionen Euro - die Rutschen inklusive. Calw muss die Kosten allerdings nicht alleine tragen - es gebe Zuschüsse vom Bund, so Gentzel.