Eröffnung nach den Sommerferien

Stadt baut Riesenrutschen: "Schüler sollen heim rutschen können"

In vielen Städten rutschen die Bürger im Freibad, in Calw rutschen die Leute bald durch den Stadtgarten vom Wimberg in die Kernstadt. Das Projekt ist eine Rarität in Deutschland.

Teilen

Stand

Von Autor/in Simon Hartmann

Die Stadt Calw im Nordschwarzwald baut zwei Riesenrutschen - durch den Stadtgarten vom am Hang gelegenen Ortsteil Wimberg in die Innenstadt. Die erste Hürde ist geschafft, die Rutschen stehen. Eine ist 43 Meter lang, die andere 17 Meter. Beide Rutschen sind in den Hang des sieben Hektar großen Stadtgarten hineingebaut. Eine enorme Herausforderung war das, betont Architekt Patrick Humpert. "Man kommt hier an das Gelände nur ganz schwer dran, mit kleinem Gerät", erklärt der Planer. Aber: Der Hang habe auch seine positiven Eigenschaften.

Der Vorteil ist, dass wir einen gescheiten Berg haben, den ich runterrutschen kann und ich keinen Turm bauen muss für eine Rutsche.

Architekt Patrick Humpert steht vor der Baustelle der Riesenrutsche in Calw
Patrick Humpert ist der Architekt der Riesenrutsche in Calw. Simon Hartmann

Rutschenbau in Calw: schwere Röhren passgenau zusammensetzen

Vergangene Woche waren die Bauteams am Werk. Für Baggerfahrer Michael Bugart sind Rutschen nicht das tägliche Business. "Man muss aufpassen, dass der Bagger nicht umkippt, hier sind viele lose Steine", sagte er.

Mit viel Gefühl steuerte Bugart den Bagger, denn jede Röhre muss millimetergenau passen. Jede Röhre wiegt rund 300 Kilo. Die Installateure banden sie vorne am Arm des Baggers fest.

Mit dem Bagger bewegen die Handwerker die 300 Kilo schweren Röhren
Mit dem Bagger bewegen die Handwerker die 300 Kilo schweren Röhren. Simon Hartmann Bild in Detailansicht öffnen
Bau der Riesenrutsche in Calw-Wimberg
Bau der Riesenrutsche in Calw-Wimberg. Punktgenau müssen die Röhren angesetzt werden. Simon Hartmann Bild in Detailansicht öffnen
Die Riesenrutsche von ihrem Start an der Einstiegskanzel aus
Die Riesenrutsche in Calw soll den Weg vom Ortsteil Wimberg hinunter erleichtern. Simon Hartmann Bild in Detailansicht öffnen
Mit dem Bagger heben die Bauarbeiter eine der 300 Kilo schweren Röhren an
Die Röhren müssen in die ausgebaggerte Spurrinne gehievt werden. Simon Hartmann Bild in Detailansicht öffnen

Nach wenigen Tagen war die erste Rutsche bereits vollständig installiert. Bei der zweiten gab es dann Schwierigkeiten, so Melanie Gentzel vom Calwer Tiefbauamt. Der Verbindungsring zwischen zwei Röhren sei defekt gewesen, so Gentzel. Über Nacht habe dann eine Spedition eine neue Röhre geliefert. "Ärgerlich, dass das gerade beim letzten Röhrenabschnitt passiert ist", sagte die Projektleiterin.

Für die Röhren wurde vorab der Hang teilweise abgegraben. Die Rutschenteile liegen nicht auf der Erde ab, sondern werden von Metallpfeilern abgestützt. Die Bauarbeiter freuen sich über ihr Werk, das sie in wenigen Tagen geschaffen haben: "Natürlich ist man stolz, wenn man sowas hinbekommt. Machen wir auch nicht jeden Tag".

Rutsche in Calw: Nur Spaß oder auch Sicherheitsrisiko?

Die Rutschen sollen Freude machen, findet Architekt Humpert. Er möchte, dass die Schüler vom angrenzenden Hermann-Hesse-Gymnasium oder der Realschule Calw Spaß und einen kurzen Heimweg haben. "Die Schüler sollen nachhause rutschen können", so der Architekt. Ein schöner Gedanke, dennoch seien die Rutschen aber mit Vorsicht zu genießen, sagt Lehrer Michael Rotter von der Realschule Calw.

Wenn ich sehe wie steil die Rutsche wird, mache ich mir große Sorgen um unsere Schüler.

"Wie wird das dann sein? Schulranzen zuerst oder Schüler zuerst?", fragt sich Rotter. Er ist sich sicher, dass die Rutschen stark genutzt werden von den Schülern, aber die Sicherheit sehe er kritisch.

Architekt Humpert macht sich hingegen keine Sorgen und betont: "Wir reden hier nicht von einem Eigenbau, sondern von einer DIN-Norm angepassten Rutsche. Später wird sie auch noch vom TÜV abgenommen."

Eröffnung der Riesenrutschen im September

Bis die ersten Schüler, Bürger und Touristen die Rutsche runter rauschen können, dauert es allerdings noch. Am 18. September weiht die Stadt Calw den neu gestalteten Stadtgarten ein - samt den beiden Rutschen. Bisher war der Stadtgarten eher verwildert und soll jetzt attraktiver gemacht werden.

Melanie Gentzel steht vor der Baustelle der Riesenrutsche in Calw, die sie mitbetreut als Leiterin des Tiefbauamtes.
Melanie Gentzel betreut das Projekt von Seiten der Stadt Calw mit. Simon Hartmann

Riesenrutschen Teil eines Klimakonzepts

Dass Calw so ein Projekt bekommt, verdankt die Stadt einem Wettbewerb, erklärt Melanie Gentzel vom Tiefbauamt. Bei dem bundesweiten Wettbewerb ging es darum, ein möglichst gutes Klimakonzept für den neuen Stadtgarten zu entwerfen. Den Wettbewerb hat Architekt Humpert gewonnen und der wollte dann seine Ideen im Calwer Stadtgarten umsetzen. Ein Glück, für die Schwarzwaldstadt. Ein wichtiger Teil des Projektes sind auch Bepflanzungen im Stadtgarten - die kommen noch.

Aber auch Ressourcenschonung stehe im Vordergrund, so Humpert. Fast alle Steine, die bei den Bauarbeiten im Stadtgarten eingesetzt werden, sind recycelt. Viele kommen aus dem Alten Badener Hof in Calw. Im Stadtgarten bekommen die Steine ein zweites Leben. "Die Rutschen sind dazu dann die Kirsche auf der Torte", sagt Humpert.

Der Blick über den grünen Stadtgarten von Calw aus der Vogelperspektive
Der Blick über den grünen Stadtgarten von Calw, der bis Mitte September umgestaltet wird. Marcus Simon

Der Umbau des sieben Hektar großen Stadtgartens kostet rund 1,5 Millionen Euro - die Rutschen inklusive. Calw muss die Kosten allerdings nicht alleine tragen - es gebe Zuschüsse vom Bund, so Gentzel.

Bad Wildbad

"Strecken teilweise gar gefährlich zu befahren" Endgültige Entscheidung im Gemeinderat: Aus für Bikepark Bad Wildbad ist beschlossen

Der Bikepark in Bad Wildbad bleibt gesperrt. Das hat der Gemeinderat beschlossen. Der Fahrradtourismus soll trotzdem breiter aufgestellt werden.

Erstmals publiziert am
Stand
Autor/in
Simon Hartmann
SWR-Reporter Simon Hartmann bei einer Live-Schalte für SWR Aktuell

Unsere Quellen

Transparenz ist uns wichtig! Hier sagen wir Ihnen, woher wir unsere Infos haben!