Es ist ein Jammer! Alle Reden über die Energiewende, aber zumindest in der Region Karlsruhe ist sie gerade mal wieder auf Eis gelegt worden. Angeblich waren es wirtschaftliche Gründe, die dazu geführt haben, dass das große regionale Fernwärmenetzt im Landkreis Karlsruhe nicht umgesetzt wird.
Angeblich, weil sich die Firma Deutsche Erdwärme aus Karlsruhe nicht an Preisabsprachen gehalten habe und weil sie die erforderlichen Mengen Erdwärme nicht liefern könne. Sagen jedenfalls die Verantwortlichen der Regionalen Wärmeverbundgesellschaft, in der die zehn Kommunen von Bretten über Bruchsal bis nach Hambrücken und Forst organisiert sind.
Rückschlag für die Energiewende Geothermie in Graben-Neudorf: Projekt für regionale Fernwärme gescheitert
Das geplante Projekt regionale Fernwärme aus Tiefengeothermie in Graben-Neudorf ist gescheitert. Die Gesellschaft mit zehn beteiligten Kommunen löst sich zum Jahresende auf.
Deutsche Erdwärme widerspricht
Dem widerspricht die Deutsche Erdwärme. Sie könne die gewünschten Mengen Fernwärme liefern, vielleicht nicht die ursprünglich genannten 40 Megawatt Leistung, aber auf jeden Fall ausreichend für den regionalen Fernwärmebetrieb. Auch die Preise dafür seien durchaus marktüblich.
Gegensätzlicher könnten die Aussagen nicht sein. Woher nimmt die Regionale Gesellschaft ihre Informationen, wenn die Deutsche Erdwärme sie dementiert? Stecken womöglich ganz andere Gründe hinter der Entscheidung?
"Man hat manchmal aneinander vorbei geredet"
Beide Seiten bestätigen Kommunikationsprobleme. Öffentliche und privatwirtschaftliche Interessen lassen sich nicht immer ganz geschmeidig unter einen Hut bringen. Da habe man schon mal aneinander vorbei geredet, bestätigt der Brettener Stadtwerkechef Stefan Kleck. Aber ist das ein Grund für das Scheitern der Fernwärme im Landkreis Karlsruhe. Wohl kaum. Es wäre ein Armutszeugnis für alle Beteiligten.
Graben-Neudorf hat das heißeste Bohrloch Deutschlands Wärme aus dem Boden für tausende Menschen - Härtetest für Geothermie
Auf dem Geothermiegelände in Graben-Neudorf im Landkreis Karlsruhe startet am Montagnachmittag ein Langzeittest. Die Deutsche Erdwärme will so reelle Produktionsbedingungen simulieren.
Ist die Idee wirtschaftlich tragbar für die Kommunen?
Dass die Fernwärme nicht kommt, hat womöglich einen anderen Grund: Ist die ambitionierte Idee überhaupt wirtschaftlich tragbar, merkt die Deutsche Erdwärme an.
Man könnte auch fragen: haben sich die Kommunen mit ihrer an sich guten Idee vielleicht finanziell verhoben und ziehen jetzt, in Zeiten knapper Kassen, noch schnell die Reißleine? Zahlen werden keine genannt. Aber es gibt unbestätigte Schätzungen, nach denen der Bau einer Fernwärmeleitung Graben-Neudorf- Bretten allein rund hundert Millionen Euro kosten könnte. Nur eine Modellrechnung. Aber sie macht eines deutlich:
Die Energiewende gibt’s eben nicht zum Nulltarif und auch Co2 neutrale Fernwärme kostet viel Geld. Die Kommunen haben gerade keines. Ist das der Grund für den Rückzieher?
Sind die wahren Gründe genannt worden?
Ein bisschen mehr Ehrlichkeit würde der Diskussion helfen, meine ich. Vielleicht wäre es auch hilfreich, erstmal klein anzufangen und dann, wenn es funktioniert, nachzulegen. Ich habe großes Verständnis für die von der Energiewende getriebenen kommunalen Entscheider. Sie stehen unter Erfolgsdruck.
Aber ich habe kein Verständnis dafür, dass sie eine solche Chance vergeben und sich klammheimlich aus der Verantwortung zurückziehen. Ganz schlechter Stil ist dann am Ende, mit dem Finger auf den Anbieter zeigen. Die Öffentlichkeit mag es glauben, oder nicht. Aber so schaffen wir keine Energiewende.