Mit bereits 19 Hitzetagen bis Mitte Juli ist das laufende Jahr in Baden-Württemberg außergewöhnlich heiß. Die hohen Temperaturen und die anhaltende Trockenheit setzen der Landwirtschaft stark zu: Ernteerträge sinken, neue Schädlinge breiten sich aus und der Wasserbedarf steigt. Das geht aus einer am Dienstag veröffentlichten Stellungnahme des Landwirtschaftsministeriums auf einen Antrag der CDU-Landtagsfraktion hervor.
Ernteeinbußen, Ausfälle und verminderte Qualität
Bei Ackerbaukulturen wie Getreide oder Raps seien Erträge "maximal nur noch abzusichern, aber nicht mehr zu steigern", heißt es vom baden-württembergischen Landwirtschaftsministerium. Ertragseinbußen und Totalausfälle nähmen zu. Zudem leide die Qualität, etwa beim Proteingehalt von Weizen oder beim Gewicht von Hafer. Sommerkulturen wie Braugerste oder Sojabohnen - in manchen Jahren auch Mais - seien in manchen Regionen kaum noch rentabel anzubauen.
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Mehr zu bewässern und schnellere Verbreitung von Schädlingen
Die bewässerte Fläche in Baden-Württemberg stieg zwischen 2019 und 2022 infolge zunehmender Trockenheit um 3.500 Hektar auf 22.800 Hektar. Durch höhere Temperaturen und mildere Winter breiten sich nach Angaben des Ministeriums zudem Schädlinge und Krankheiten besonders aus - in Regionen und auf Pflanzen, wo sie zuvor nicht waren. Dazu gehören beispielsweise die Maiskolbenfäule, die Ypsilon-Raupe und die Kleinasiatische Weizenwurzelschildlaus. Gerade beim Raps sei zu beobachten, dass der Zuflug von Schädlingen sehr rasch und massiv erfolgt, teilweise innerhalb weniger Stunden, so das Ministerium.
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Auch Nutztieren macht die Hitze zu schaffen. Laut Ministerium sinkt bei Rindern die Milchleistung, Schweine wachsen langsamer und Hühner legen kleinere Eier.
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Das Land will deshalb die Anpassung an den Klimawandel weiter vorantreiben. Kommunen sind seit vergangenem Jahr gesetzlich dazu verpflichtet, eigene Klimaanpassungskonzepte zu erstellen, und erhalten dafür finanzielle Unterstützung vom Land. Grün- und Wasserflächen sollen dabei helfen, die Widerstandsfähigkeit gegen Hitze- und Trockenperioden zu stärken.
Wiederholt Brände auf Feldern und Wiesen
Immer wieder kommt es wegen der anhaltenden Trockenheit auch zu Flächenbränden auf Feldern und Wiesen. So brannten beispielsweise am zweiten Juliwochenende gleich mehrere - teils bereits abgeerntete - Felder unter anderem in der Umgebung von Karlsruhe. "Wir sind praktisch von einem Brand zum nächsten gefahren", berichtet Edgar Geißler, Pressesprecher Kreisfeuerwehrverband Karlsruhe. Auch in einem Getreidelager hatte es ein Feuer gegeben. Am selben Wochenende gab es rund um Heilbronn sieben Brände in sieben Stunden - alle auf Feldern.
Zunahme an Hitzetagen - und es sollen noch mehr werden
In den vergangenen zehn Jahren gab es laut Ministerium durchschnittlich 14 Hitzetage pro Jahr. Dieses Jahr sind es bereits 19 Hitzetage (Stand 15. Juli 2026). Im Zeitraum von 1961 bis 1990 waren es dagegen nur 3,5. Ein Tag gilt als Hitzetag, wenn die Temperatur von 30 Grad Celsius erreicht beziehungsweise überschritten wird.
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Prognosen zufolge könnte aufgrund des Klimawandels die Zahl der Hitzetage bis 2050 pro Jahr um weitere drei bis acht Tage steigen. Besonders betroffen sind laut Ministerium der Oberrheingraben sowie die Regionen um Karlsruhe, Mannheim und Heilbronn.