"Sowas hab ich noch nicht erlebt im Sommer"

Kaum Wasser im Altrhein: Rund 1.000 Paddler sitzen auf dem Trockenen

Trockener Altrhein, Boote im Bootshaus, ein Lieblingsort ohne Wasser - für Karlsruhe, das als Hochburg des deutschen Kanusports gilt, ein echtes Problem.

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Von Autor/in Johannes Stier

Der Rhein als Schifffahrtsweg verzeichnet momentan aufgrund der Trockenheit extreme Tiefststände. Noch drastischer ist das Bild in den Altrheinarmen in Karlsruhe: Dort ist fast gar kein Wasser mehr vorhanden. Genau in diesen Gewässern, eingebettet in Auenwälder, trainieren die Freizeitsportler mit ihren Kanus und Kajaks - eigentlich. Doch die Boote liegen derzeit in den Bootshäusern, die Kanuten können nicht paddeln. Statt Wasser gibt es oft nur noch Schlamm und Steine. Ein Anblick, der irritiert und den auch langjährige Kanuten so nicht kennen.

Ich komme seit über 50 Jahren hierher und sowas hab ich noch nicht erlebt im Sommer.

Wassermangel auf dem Altrhein in Karlsruhe lässt Kanuten am Rhein auf dem Trockenen sitzen
Massiver Wassermangel auf dem Altrhein in Karlsruhe lässt die Freizeitsportler der Kanuvereine am Rhein auf dem Trockenen sitzen Johannes Stier

Es fehlt etwas wichtiges im Altrhein: Wasser

Es weht ein leichter Wind, weiße Wolken am blauen Himmel, dazu grüne Bäume, die hier ganz in der Nähe zum Rhein etwas von einem Urwald haben. Dort, wo normalerweise die Kanufahrer ihre Boote zu Wasser lassen, gibt es Stufen, die zu diesem Teil eines Altrheinarmes führen. Eigentlich ein idyllisches Bild, aber es fehlt etwas Wichtiges: Wasser. Aktuell läuft hier nur ein kleines Rinnsaal in der Mitte des Flussbettes, am Rande getrockneter Schlamm, Äste und Steine ragen aus dem Matsch.

Rund 1.000 Sportler sitzen auf dem Trockenen

Die Kanus und Kajaks bleiben in den Bootshäusern. Trainiert wird derzeit nicht, die Paddler sitzen sprichwörtlich auf dem Trockenen. Sechs Kanuvereine sind alleine in Rappenwört in Karlsruhe angesiedelt - in unmittelbarer Nähe zum Rhein, direkt neben den Altrheinarmen. Drei weitere Vereine gibt es noch rund um Karlsruhe, alle zusammengeschlossen im Kanukreis. Vom "nicht paddeln können" dürften insgesamt bei allen Vereinen über 1.000 Freizeitsportler betroffen sein, schätzt Thomas Federmann.

Der Altrhein in Karlsruhe ist fast völlig ausgetrocknet. Die Freizeitsportler der Kanuvereine am Rhein können nicht trainieren, die Kanus bleiben in den Bootshäusern.
Der Altrhein in Karlsruhe ist fast völlig ausgetrocknet. Die Freizeitsportler der Kanuvereine am Rhein können nicht trainieren, die Kanus bleiben in den Bootshäusern. Johannes Stier

Kein Training bei den Freizeitsportlern - zu gefährlich auf dem Rhein

Jan Bechtold von den Rheinbrüdern ist Jugend- und Rennsportwart. Er berichtet, dass seine Vereinskollegen zum Training noch vor zwei Wochen auf den Rhein ausgewichen sind. Aber das war aufwändig, die Boote mussten an den Rhein gefahren werden. Der normale Zugang über den Altrhein ist aktuell versandet. Und dann erklärt der ehemalige Rennsportkanute, dass der Rhein als Kanustrecke aktuell nicht unproblematisch sei, weil natürlich die Schifffahrt auf dem Rhein die Priorität habe.

Und wenn sich da jetzt in der engen Schifffahrtsrinne auch noch all die Kanuten drängen, wirds irgendwo auch problematisch oder sogar gefährlich.

Durch das Niedrigwasser des Bodensees sind vor Langenargen mehrere frei liegende und gut sichtbare Landzungen und Kiesbänke entstanden.

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Aktuell werden in manchen der Vereinen auch keine Boote mehr an die Mitglieder ausgeliehen. Denn das Material leidet, wenn es bei zu wenig Wasser über Kies gezogen wird, sagt Jan Bechtold. Auch einzelne Steine oder große Äste, die jetzt aus dem ausgetrockneten Flussbett ragen, seien eine Gefahr für die Bootshaut.

Thomas Federmann vom Kanuclub Maxau betreut die inklusive Kanusportgruppe, mit denen er gerade nicht trainieren kann, Jugend-und Rennsportwart von den Rheinbrüdern berichtet auch bei Ihnen müssen die Freizeitsportler auf dem Trocken üben.
Thomas Federmann vom Kanuclub Maxau betreut die inklusive Kanusportgruppe, mit denen er gerade nicht trainieren kann, Jugend-und Rennsportwart von den Rheinbrüdern berichtet auch bei Ihnen müssen die Freizeitsportler auf dem Trocken üben. Johannes Stier

Kein Training möglich: Ist der Kanusport in Gefahr?

Sollten in Zukunft aufgrund von Wassermangel häufiger nicht trainiert werden können und dadurch der Kanu-Freizeitsport nach und nach wegbrechen, wäre das fatal für den Kanusport allgemein, meint Jan Bechtold. Immerhin dürfen die Leistungssportler aus der Abteilung Kanurennsport im Rheinhafen trainieren. Aber die Erlaubnis gilt eben nur für diese Gruppe. Viele andere Vereine haben so eine Möglichkeit gar nicht, erwähnt der ehemalige Kanurennsportler. Immerhin gebe es ein Kanu-Ergometer, ähnlich einem Rudergerät, mit dem Sportler auch ohne Wasser die Paddelbewegungen nachahmen könnten.

Inklusive Kanugruppe kann auch nicht mehr trainieren

Um die Athleten der inklusiven Kanugruppe kümmert sich Thomas Federmann. Die Sportler trainieren eigentlich auch auf dem Altrhein für ihre Wettbewerbe. Für die Sportler mit geistiger Beeinträchtigung sei das Training am Donnerstag immer das Highlight der Woche, und das falle jetzt aus, bedauert er. Deswegen gibt es auch hier Trockenübungen.

Wir haben letzte Woche Technikschulungen gemacht auf dem Trockenen. Wir versuchen, mit Spielen die Truppe zusammenzuhalten, damit wir dieses Gemeinschaftsgefühl weiterleben können, was bei uns sehr wichtig ist.

Wassermangel auf dem Altrhein in Karlsruhe lässt Kanuten am Rhein auf dem Trockenen trainieren
Massiver Wassermangel auf dem Altrhein in Karlsruhe lässt die Kanusportler der Kanuvereine am Rhein auf dem Trockenen trainieren Johannes Stier

Zu wenig Wasser: Überall am Rhein die gleiche Situation

Auch allen anderen Kanuten an anderen Orten am Rhein fehlt aktuell das Wasser unterm Kiel fehlt, weiß Silke Kosian. Sie paddelt von Kindesbeinen an und ist inzwischen sowohl Vorsitzende beim Kanusportkreis Bruchsal, als auch Pressesprecherin beim Badischen Sportbund. Sie erklärt aus eigener Erfahrung, dass man aktuell auf keinem einzigen der Altrheinarme zwischen Karlsruhe und Philippsburg paddeln kann.

Man muss quasi aus dem Boot aussteigen und durchwandern. Aber das geht nicht, weil sich alles in einen Sumpf verwandelt hat. Das ist alles sehr traurig.

Und dann kommt ein älterer Mann auf dem Fahrrad vorbei. Er erklärt, er wolle mal schauen, was seine Altrheinarme und die Rheinauen so machen. Clemens heiße er, erklärt er freundlich, er sei 66 Jahr und paddle seit fast 60 Jahren. Die Rheinauen faszinieren ihn seit Jahrzehnten. Das sei immer wieder wie ein Traum und unvergleichlich schön, auf dem Wasser unterwegs zu sein.

An einem Sommermorgen, wenn der Himmel blau ist: Man lässt sich gleiten, es ist ruhig, das ist wie im Urwald, und wenn man das jetzt so sieht, das macht einen schon betroffen.

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Johannes Stier
Johannes Stier schaut in die Kamera

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