Das Projekt "Babylotsin" am Hohenloher Krankenhaus in Öhringen (Hohenlohekreis) endet zum April. Hintergrund sind Probleme bei der Finanzierung, heißt es auf SWR-Nachfrage. Die Babylotsin hat Eltern nach der Geburt ihres Kindes beraten. Das Aus ist aber erstmal nur vorläufig. Es gibt Hoffnung, dass es in Zukunft doch noch weitergehen könnte. Denn die Beratungen werden gebraucht.
Babylotsin - Hilfe für Eltern nach der Geburt
Catharina Kochendörfer ist die Babylotsin am Öhringer Krankenhaus. Ihre Aufgabe ist es, die Eltern kurz nach der Geburt zu beraten. Die Themen reichen dabei von alltäglichen Sorgen bis zu Anträgen. Außerdem kann sie den Eltern helfen, an weiterführende Hilfsangebote zu kommen. Zum Beispiel eine Hebamme für das Wochenbett oder Unterstützung für den neuen Alltag.
Finanzierung nicht gesichert: Babylotsin muss in Öhringen pausieren
Bisher wurde das Projekt Babylotsin in Öhringen aus vielen verschiedenen Quellen finanziert. Beteiligt haben sich die Bundesstiftung Frühe Hilfen und Kommunen. Dazu kommt ein Eigenanteil, der laut Caritas Heilbronn-Hohenlohe in den vergangenen Jahren immer größer geworden ist. Das Geld der Kommunen fehlt jetzt, vom Hohenlohekreis gab es keine Zusage für eine Finanzspritze.
Andere Quellen, um das Projekt zu finanzieren, konnten zumindest für das Jahr 2026 nicht gefunden werden. Die Caritas Heilbronn-Hohenlohe bemühe sich aber um weitere Möglichkeiten, heißt es. Für 2027 ist schon eine weitere Geldquelle in Aussicht. Dann könnte es also weitergehen.
Reaktion auf neuen Tarif-Vertrag Geburtshilfe gesichert: Hohenloher Krankenhaus übernimmt gesamtes Hebammen-Team
Wie geht es weiter? Diese Frage stellen sich viele Hebammen in Baden-Württemberg, nachdem der Hebammenhilfevertrag geändert wurde. In Öhringen wurde das gesamte Team übernommen.
Am Caritas-Krankenhaus in Bad Mergentheim gibt es ebenfalls eine Babylotsin. Hier kann das Projekt aber ohne Pause weiterlaufen. Der Main-Tauber-Kreis hat dem Projekt seine finanzielle Unterstützung zugesagt.
Trauer um Ende des Babylotsin-Projekts in Öhringen
Die Babylotsin selbst ist sehr traurig, dass das Projekt in Öhringen jetzt erstmal enden muss. Die Frauen und Familien haben das Angebot gut angenommen, erzählt Catharina Kochendörfer. Sie selbst habe es geliebt, die Geschichten der Menschen zu hören.
Mich macht es schon traurig, dass es enden muss, weil ich einfach sehe, dass die Frauen und die Familien das einfach total gern angenommen haben.
Eine Begegnung sei ihr da besonders im Gedächtnis geblieben. Einer Frau wurde von mehreren Ärzten bestätigt, sie könne keine Kinder bekommen. Dann wurde sie aber auf natürlichem Wege schwanger. Die Frau habe sich nie getraut sich zu freuen, habe Ängste gehabt, dass sie das Kind wieder verlieren könnte. Deshalb habe sie sich nie eine Hebamme gesucht. Catharina Kochendörfer konnte ihr dann nach der Geburt eine Hebamme vermitteln. "Da habe ich Freudentränen mitgeweint", erinnert sie sich.
Hoher Bedarf an Beratung nach der Geburt
Der Beratungsbedarf ist laut Catharina Kochendörfer da. Und das zeigen auch die Zahlen. 2024 hatten etwa 40 Prozent der Neu-Mamas im Öhringer Krankenhaus Kontakt mit der Babylotsin. Insgesamt wurde fast jede fünfte Mutter von ihr aktiv beraten. Eine Beratung ermögliche die gute Entwicklung von Kindern, so die Caritas. Die Kosten für die Babylotsin seien deutlich geringer als die Kosten für die Folgen von Vernachlässigung oder Misshandlung.
Da ist eine große Lücke, die entsteht.
Deshalb hat sich der Deutsche Caritasverband schon an die Bundesregierung gewendet. Gefordert wird eine gesetzliche Grundlage, um solche Lotsendienste zu finanzieren. Vor der Landtagswahl in Baden-Württemberg hat sich die Caritas Heilbronn-Hohenlohe schon mit mehreren Kandidatinnen und Kandidaten ausgetauscht. Jetzt hofft man, dass die neue Landesregierung für eine verlässliche Finanzierung sorgen wird.