Das Hohenloher Krankenhaus in Öhringen (Hohenlohekreis) hat das gesamte Team der ehemals freiberuflichen Hebammen als feste Angestellte übernommen. Der Wechsel kam aufgrund von Änderungen am Hebammenhilfevertrag im November zustande. Für die freiberuflichen Hebammen in Öhringen hätte das zu Umsatzverlusten von bis zu 30 Prozent führen können. Das Hohenloher Krankenhaus hat damit nach eigenen Angaben als eines der ersten Krankenhäuser in Baden-Württemberg die unsichere Situation der freiberuflichen Hebammen einvernehmlich geregelt.
Krankenhaus reagiert und bietet Hebammen Anstellung an
Das Haus sei den zwölf Frauen sehr entgegengekommen, bestätigt Hebamme Rita Müller im SWR-Interview. Sie ist seit 30 Jahren in dem Beruf tätig. Die Selbstständigkeit aufzugeben, sei kein leichter Schritt gewesen. Ohne den finanziellen Druck durch die neue gesetzliche Regelung hätte sie diese auch nie aufgegeben.
Ein Großteil hätte, glaube ich, die komplette Hebammentätigkeit eingestellt.
Kliniken und Landesverband bestürzt über Entscheidung Weniger Geld für freiberufliche Hebammen: Welche Folgen hat das für werdende Mütter?
Freiberufliche Hebammen bekommen in Zukunft weniger Geld, trotz selber Arbeit. Das könnte vielerorts schwere Konsequenzen haben.
Dennoch habe man eine gute Lösung für beide Seiten gefunden, so Müller weiter. Mit der Übernahme sei jetzt auch die Geburtshilfe gesichert, heißt es in einer entsprechenden Mitteilung der Klinik. Rund um die Uhr sei gewährleistet, dass immer mindestens zwei Hebammen vor Ort sind. Das war auch den angestellten Frauen selbst wichtig: "Wir sind so ein gutes Team, dass wir das nicht kaputt gehen lassen wollten. Das war uns wichtig, diese Geburtshilfe nicht aufzugeben."
Kritik an Hebammenhilfevertrag: Geburtsstationen könnten schließen
Somit scheint man in Öhringen eine gute Lösung gefunden zu haben. Die Änderungen am Hebammenhilfevertrag stoßen aber auch weiterhin auf Kritik. Denn freiberuflich arbeitende Hebammen sind oft ein wichtiger Bestandteil der Geburtshilfe an verschiedenen Kliniken in Baden-Württemberg. So gab es auch vom Hebammenverband BW die Befürchtung, dass sich Hebammen von den Kliniken abwenden und Geburtsstationen schließen müssten.
Am Dienstagabend gab es dann auch eine Mitteilung des Diak Klinikums in Schwäbisch Hall. Auch dort seien demnach alle Beleghebammen in ein Angestelltenverhältnis übernommen worden. In Hall geht es um 19 Beschäftigte.