In Heilbronn und Umgebung läuft gerade ein besonderer Test: Leere Flaschen von Shampoo, Duschgel und Co. können in acht ausgewählten Kaufland-Filialen abgegeben werden. Das Heilbronner Start-up Reo testet hier ein Pfandsystem für Kosmetikverpackungen. Dazu nutzen sie die Pfandautomaten, mit denen eigentlich Getränkeflaschen zurückgegeben werden.
So funktioniert das Pfandsystem für Kosmetikverpackungen
In den teilnehmenden Läden kaufen die Kundinnen und Kunden ganz normal ihre Kosmetikprodukte. Aktuell nehmen nur ausgewählte Marken am Pfandsystem teil. Sobald die Produkte leer sind, können die Verpackungen zurückgegeben werden.
Die Besonderheit: Die Verpackungen werden einfach in die Pfandautomaten geworfen, in die sonst auch leere Getränkeflaschen kommen. Für jede Verpackung gibt es dann 29 Cent Pfand zurück. Die Verpackungen werden dann gereinigt und können wieder befüllt werden.
Pfand auf Kosmetikverpackungen: Idee wird gut angenommen
Bei den Kundinnen und Kunden kommt die Idee gut an. Viele in der Heilbronner Innenstadt können sich vorstellen, dabei mitzumachen. Sabine findet es eine sehr gute Idee, weil es nachhaltig ist. "Es bringt etwas für die Umwelt", sagt zum Beispiel Nils. Und Oliver erwähnt, dass es hilft, die Verpackung etwas besser zu recyceln.
Aber auch die Gründerin von Reo, Steffanie Rainer, ist bisher zufrieden mit dem Test in Heilbronn. "Am Anfang denkst du, es macht keiner mit, und dann machen sie es einfach. Du siehst: Es funktioniert."
Das Pfandsystem hilft auch der Umwelt, das zeige die Testphase in Heilbronn. "Wir sehen, dass es schon nach einmaligem Wiederverwenden besser ist, als neu zu produzieren", so Rainer. Nach ihren Angaben könnten 61 Tonnen CO2 eingespart werden, wenn eine Millionen Verpackungen fünf Mal wiederverwendet werden.
Entstehung von Reo: Von Nachfüllstationen zum Pfandsystem
Eigentlich hat Steffanie Rainer mit einer anderen Idee angefangen: Nachfüllstationen für Kosmetikprodukte. Die kam ihr in der Elternzeit mit ihrem zweiten Kind. Doch das Konzept kam bei den Kundinnen und Kunden nicht so gut an wie erhofft. "Ich habe erstmal alles falsch gemacht", erinnert sie sich. "Ich habe gemerkt, der Kunde hat Angst, seine Verpackung zu vergessen und der Handel will den Platz für die Station nicht hergeben."
Ich habe erstmal alles falsch gemacht.
Also musste sie ihre Idee überarbeiten. So entstand Stück für Stück der Gedanke, das zu nutzen, was schon im Laden steht: die Pfandautomaten. Aber auch die Idee musste sich erst bei den Marken durchsetzen. "Du läufst gegen unfassbar viele verschlossene Türen", erzählt Rainer. "Am Anfang heißt es, das geht nicht, das haben wir immer schon so gemacht."
Unterstützung für Pfandsystem-Start-up aus Heilbronn
Um ihr Start-up aufzubauen, hat Steffanie Rainer wertvolle Unterstützung von den Campus Founders in Heilbronn bekommen. Der Geschäftsführer Oliver Hanisch entdeckte sie bei einem Pitch bei der Industrie- und Handelskammer und lud sie zu den Campus Founders ein.
Ohne die Campus Founders sei Rainer heute nicht da, wo sie jetzt ist, sagt sie. Besonders wertvoll sei für sie das Netzwerk und der Austausch mit anderen Start-ups. Reo hat ein Büro im Gravity, dem Gebäude der Campus Founders. "Das ganze Ökosystem, das hier ist, hilft einem, Ideen und Impulse zu validieren", erklärt die Gründerin.
Durch die vielen Seminare der Campus Founders habe Steffanie Rainer gelernt, ein Start-up zu führen und an Investoren zu kommen. So sei zum Beispiel auch der Kontakt zu Kaufland zustande gekommen, für den aktuellen Test in ihren Filialen.
Reo will sein Pfandsystem deutschlandweit ausbauen
Steffanie Rainer will im nächsten Schritt Reo und ihr Pfandsystem auf ganz Deutschland ausweiten. "Klar wollen wir alle Geld verdienen, aber es ist doch geil, wenn danach noch was anderes großes entsteht", sagt sie. Sie wolle gesellschaftlich etwas verändern und einen großen Einfluss haben, um ein ganzes System zu ändern.