Wenn es um Sportwagen mit besonders viel PS geht, dann braucht manchmal auch ein Autobauer wie Audi mit einem Werk in Neckarsulm (Kreis Heilbronn) etwas Hilfe. Die kommt dann aus Italien, genauer gesagt: von Lamborghini. Seit mehreren Jahrzehnten arbeiten die beiden Marken zusammen. Ein Überblick, wie es dazu kam - und was als nächstes kommt.
Der Gallardo führt zum Audi R8
Los ging es 1998: Da geriet Lamborghini in eine finanzielle Schieflage. Der Autohersteller war zu dem Zeitpunkt auf der Suche nach einem Motor für einen neuen Prototypen und fragte dafür unter anderem bei Audi an. Dadurch erfuhr man dort, dass Lamborghini zum Verkauf stand - und schlug zu, so erzählt Volkswagen die Geschichte.
Die Zusammenarbeit startete dann mit dem Gallardo. Den stellte Lamborghini 2003 vor, pünktlich zum 40-jährigen Bestehen. Da waren die Konstrukteure von Audi bereits voll involviert, bei der Karosserie und dem V10-Motor. Das Modell sorgte für einen Nachfrageschub, der Lamborghini wieder profitabel machte.
Und auch Audi profitierte wiederum davon: Denn die technische Plattform wurde die Grundlage für den R8, der ab 2007 in Neckarsulm produziert wurde. Eine zweite Generation des R8 basierte dann ab 2015 wiederum auf dem Nachfolger des Gallardo, dem Huracan, und rollte im Heilbronner Werk in den Böllinger Höfen vom Band. Insgesamt wurden vom R8 knapp 46.000 Stück produziert, der letzte im März 2024. Aktuell teilen sich noch Audi Q8 und Lamborghini Urus eine Plattform.
Lamborghini als Vorzeigekonzern - wenn es um die VW-Bilanz geht
Nicht nur technisch stehen Audi und Lamborghini Seite an Seite, sondern auch, wenn es um die jährliche Bilanz von VW als Mutterkonzern geht. Die Wolfsburger fassen beide zur Markengruppe "Progressive" zusammen, zusammen mit Bentley und Ducati. Letztere Marke könnte allerdings bald nicht mehr dazugehören: VW prüft laut Medienberichten aktuell den Verkauf von Ducati.
Lamborghini mausert sich dabei immer mehr zum Musterschüler in der VW-Bilanz: 2025 erzielten die Italiener den höchsten Umsatz ihrer Unternehmensgeschichte, deutlich über 10.000 Fahrzeuge wurden verkauft und damit erneut mehr als im Vorjahr. Die Gewinnmarge lag bei satten 24 Prozent - ein Wert, von dem man in der VW-Vorstandsetage nur träumen kann. Denn zum Vergleich: Bei VW lag sie für 2025 bei 2,8 Prozent.
Doch auch wenn Lamborghini sich von Jahr zu Jahr steigert: Wenn man bedenkt, dass in der gesamten Markengruppe "Progressive" im vergangenen Jahr insgesamt über 1,6 Millionen Fahrzeuge ausgeliefert wurden, dann reicht der Erfolg von Lamborghini alleine nicht aus, die Situation bei VW zu verbessern.
Kein R8 mehr - aber ein neuer Supersportwagen
Das Einstiegsmodell bei Lamborghini heißt mittlerweile Temerario und ist damit der Nachfolger des Huracan. Auch hier sind wieder Ingenieure aus Neckarsulm und Ingolstadt an der Karosserie beteiligt, eine eigene Audi-Variante wie beim R8 gibt es allerdings nicht.
Dessen Nachfolger geht stattdessen andere Wege: Concept C wird ein rein elektrischer Sportwagen - etwas, gegen das man sich bei Lamborghini noch sträubt. Vor Mitte der 2030er ist von dort wohl kein reiner Elektro-Sportwagen zu erwarten. Concept C ist damit laut Audi eine reine Eigenentwicklung.
Dafür wildert Audi wiederum in Lamborghinis Gebiet der Supersportwagen: Mit dem Nuvolari steht erneut eine Zusammenarbeit in den Startlöchern. Der Wagen ist von vornherein auf 499 Exemplare beschränkt. Für eine so kleine Serie wäre es nicht wirtschaftlich, eine eigene Inhouse-Fertigung aufzubauen, heißt es von Audi auf SWR-Anfrage.
Stattdessen soll ein Produktionsnetzwerk zwischen Audi, Lamborghini und weiteren Entwicklungspartnern dafür sorgen, effizient zu arbeiten und den Wagen möglichst schnell zu den Kundinnen und Kunden zu bringen, betont Audi. Genauer heißt das: Die Rohkarosserie des Nuvolari entsteht in Neckarsulm, Chassis und Motor bei Lamborghini. Im ersten Halbjahr 2027 sollen die ersten Exemplare an die Kunden gehen.