Vergangene Woche gab es neue Sparpläne beim Mutterkonzern VW. 50.000 Stellen sollen wegfallen. Und in Neckarsulm sind Ängste und Sorgen groß: Bis zum kommenden Jahr braucht Neckarsulm ein nachhaltiges Produktionskonzept, das Werk muss wettbewerbsfähiger werden. Sonst muss es schließen. Aber es gibt auch Hoffnung bei den Mitarbeitenden. Ist das Konzept eine Chance? Und wie könnte die Umsetzung am hiesigen Standort gelingen?
Kann Audi in Neckarsulm anders sparen?
Bei einer SWR-Umfage dazu aus dem Studio Heilbronn vor dem Werk in Neckarsulm wollen die meisten Befragten anonym bleiben. Ideen und Meinungen aber gibt es einige: Neue Modelle müssten her. Diese dürften aber nicht zu teuer sein, sodass sich wieder mehr Menschen den Audi vor der Tür leisten könnten, findet ein Mitarbeiter. Die Abläufe könnten noch weiter verbessert werden, um Fehler zu vermeiden, erzählt ein anderer. Ein weiterer ist der Meinung, es sei nicht die Aufgabe der Angestellten am Band, dem Werk Einsparpotenziale aufzuzeigen: "Das müssen die da oben machen."
Oder ist Stellenabbau doch der einzige Weg?
Tasso arbeitet seit 36 Jahren bei Audi in Neckarsulm in der Produktion. Er findet, dass an Stellenabbau kein Weg vorbeiführt. Doch man dürfe nicht in der Produktion sparen. "Wir verdienen das Geld", sagt er dem SWR. Seiner Meinung nach könnte zum Beispiel in der Qualitätssicherung gespart werden.
Einer seiner jüngeren Kollegen findet es schwierig, Ideen zu entwickeln. Dafür sei aus seiner Sicht die Kommunikation über all das, was gerade diskutiert wird, zu schlecht. "Man weiß als Mitarbeiter häufig nicht genug, um das Große und Ganze einschätzen zu können", sagt er.
HHN-Professor: Vom Standort und nicht vom Produkt aus denken
Laut Daniel Nill, Perspektivprofessor an der Fakultät Wirtschaft der Hochschule Heilbronn (HHN), hat der Standort Neckarsulm viele Stärken. Transformation sei das Stichwort. Man müsse vom Standort aus denken, nicht vom heutigen Produkt, schreibt er in einer Mitteilung.
Das Werk habe es von Strickmaschinen über Fahr- und Motorräder bis zum Auto geschafft. Diese Offenheit brauche es heute erneut, so der Professor, etwa für Robotik, Automatisierung, Künstliche Intelligenz, intelligente Produktionssysteme oder auch ganz andere Formen industrieller Wertschöpfung.