Ein Blick zum Pfahlbau-Museum in Unteruhldingen (Bodenseekreis) zeigt: Auch hier hat das Niedrigwasser des Bodensees Auswirkungen. Fast alle Pfahlbauten stehen aktuell im Trockenen. Was für die Nachbauten unproblematisch ist, kann für die Original-Pfähle gefährlich werden.
Museumsdirektor Gunter Schöbel erklärt, was den prähistorischen Pfählen zusetzen könnte: "Wenn hier Niederwasserstände auftreten, dann kommen sie an die Luft. Das ist schlecht, weil dann zersetzen sie sich. Dann setzt der ganz normale Zersetzungsprozess ein. Und der ist natürlich schädlich für die Originale." Noch liegen diese Holzpfähle aus der Bronzezeit allerdings geschützt unter Wasser.
Menschen bauten damals extra auf Pfählen
Dass der Pegel im Sommer so tief fällt, ist ungewöhnlich. Denn normalerweise ist der Wasserstand im Winter am niedrigsten. Schwankungen des Bodenseepegels kannten schon die Menschen in der Stein- und Bronzezeit, sagt Schöbel. Sie hätten in der Pfahlbauweise gebaut, um eben diesen Schwankungen auch einen Ausgleich geben zu können.
Weniger Wasser als im Winter Historisches Ereignis: Bodensee erreicht niedrigsten Wasserstand des Jahres
Der Bodensee ist im August erstmals unter seinen eigenen Wintertiefstand gefallen. Dass der See im Sommer niedriger ist als im Winter, ist besonders ungewöhnlich.
Noch keine Panik wegen Pegelschwankungen
Noch mache er sich keine Sorgen um die Original-Holzpfähle, sagt Gunter Schöbel. Für ihn sei der Bodensee eine "Diva", die mit Hoch- und Tiefwasser ziemlich gut allein zurechtkomme: "Für die Pfahlbauten ist es nicht problematisch, weil wir auf die jährlichen Wasserspiegelschwankungen eingerichtet sind, die um die zwei Meter betragen. Ich denke, es besteht kein Anlass zur Panik." Er rechne damit, dass der Bodensee wieder steigen werde. Sollte es sich bis in vier Wochen nicht ändern, sehe es wieder ganz anders aus.