Wer derzeit an flachen Ufern des Bodensees baden möchte, braucht manchmal gute Nerven. Wegen des außergewöhnlich niedrigen Wasserstands müssen Badegäste teilweise erst durch dunklen, teils übel riechenden Schlamm laufen. Besonders auf der Halbinsel Höri (Kreis Konstanz) berichten Menschen von einem starken Geruch und fragen sich: Ist das Baden im Bodensee überhaupt noch gesundheitlich unbedenklich?
Nach Recherchen des SWR lautet die kurze Antwort: Ja - zumindest an den offiziell überwachten Badestellen gibt es derzeit keine Hinweise auf zusätzliche Gesundheitsrisiken durch das Niedrigwasser.
- Warum stinkt es teilweise am Bodensee? Ursachen für den fauligen Geruch
- Gibt es durch das Niedrigwasser ein erhöhtes Gesundheitsrisiko?
- Gibt es mehr Fälle von Entenbadedermatitis?
- Warum fragen trotzdem so viele Menschen nach?
- Worauf sollten Badegäste jetzt achten?
- Warum ist der Wasserstand überhaupt so niedrig?
Warum stinkt es teilweise am Bodensee? Ursachen für den fauligen Geruch
Nach Angaben des Instituts für Seenforschung der Landesanstalt für Umwelt Baden-Württemberg (LUBW) hat der Geruch mehrere Ursachen. Durch das Niedrigwasser liegen Bereiche des Seegrunds frei, die normalerweise dauerhaft unter Wasser stehen.
Dort bauen winzige Lebewesen abgestorbene Pflanzenreste und andere organische Stoffe ab. Dabei entstehen Gase wie Schwefelwasserstoff. Er riecht nach faulen Eiern. Hinzu kommen verrottende Wasserpflanzen, Algen und an manchen Stellen sogar abgestorbene Quaggamuscheln. Zusammen entsteht ein unangenehmer Geruch, der besonders an heißen Tagen deutlich wahrnehmbar ist.
Gibt es durch das Niedrigwasser ein erhöhtes Gesundheitsrisiko?
Nach Angaben des Gesundheitsamts Konstanz lautet die Antwort: Nein.
Die Behörde überwacht regelmäßig die offiziellen EU-Badestellen im Landkreis. Dabei wird unter anderem untersucht, ob sich Keime im Wasser befinden, die krank machen können.
Das Ergebnis: An den überwachten Badestellen im Kreis Konstanz gibt es derzeit keine Hinweise auf gesundheitliche Risiken durch das Niedrigwasser.
Gibt es mehr Fälle von Entenbadedermatitis?
Viele Badegäste sorgen sich wegen der sogenannten Entenbadedermatitis. Dabei handelt es sich um einen juckenden Hautausschlag, der durch Parasiten verursacht werden kann.
Nach Angaben des Gesundheitsamts Konstanz wurden in dieser Saison bislang nur vereinzelt Fälle gemeldet. Eine Häufung sei derzeit nicht bekannt. Auch andere gesundheitliche Beschwerden nach dem Baden im Bodensee würden nicht häufiger gemeldet als sonst. Allerdings gibt es dafür keine Meldepflicht. Deshalb können die Behörden nicht jede Erkrankung erfassen.
Warum fragen trotzdem so viele Menschen nach?
Das Gesundheitsamt Konstanz beobachtet in diesem Sommer deutlich mehr Anfragen zur Wasserqualität als in den vergangenen Jahren. Das dürfte vor allem am ungewöhnlich niedrigen Wasserstand liegen. Hinzu kommen das starke Wachstum von Algen - allerdings nicht von giftigen Blaualgen - und der auffällige Geruch an manchen Uferbereichen.
Worauf sollten Badegäste jetzt achten?
Wer im Bodensee baden möchte, sollte möglichst die offiziellen Badestellen nutzen. Diese werden regelmäßig kontrolliert. Menschen mit größeren oder schlecht heilenden offenen Wunden sollten vorsichtig sein. Ob baden sinnvoll ist, hängt laut Gesundheitsamt Konstanz vom Einzelfall ab.
Außerdem gilt: Gibt es Warnungen vor Blaualgen, sollten Menschen und Hunde dort nicht baden. Dies ist derzeit im Kleinen See bei Lindau der Fall.
Warum ist der Wasserstand überhaupt so niedrig?
Der Bodensee führt derzeit so wenig Wasser wie selten zuvor um diese Jahreszeit. Nach Angaben der LUBW liegt der Wasserstand aktuell sogar unter dem bisherigen Tiefstwert für Ende Juli seit Beginn der Messungen im Jahr 1850.
Langfristig verändere der Klimawandel den natürlichen Jahresverlauf des Bodensees, so die LUBW. Fachleute erwarten dadurch künftig tendenziell niedrigere Wasserstände im Sommer und höhere Wasserstände im Winter.