In ganz Baden-Württemberg drängen eingeschleppte Flusskrebse die heimischen Arten immer weiter zurück. Laut Christoph Chucholl ist auch die Bodenseeregion stark betroffen. Er arbeitet in Langenargen (Bodenseekreis) bei der Fischereiforschungsstelle Baden-Württemberg im Bereich des aquatischen Artenschutzes.
Die ursprünglich in der Region heimischen Edel- und Steinkrebse seien schon seit über zehn Jahren aus dem Bodensee verschwunden. In seinen nördlichen Zuflüssen hätten die Arten bislang noch überlebt, aber auch dort sterben sie immer weiter aus.
Warum invasive Arten für heimische Krebse so gefährlich sind
Aber warum sterben die heimischen Krebse? Das liegt vor allem an invasiven Flusskrebsen aus Nordamerika, heißt es von Chucholl. Besonders problematisch seien die Signal- und Kamberkrebse. Sie wurden unter anderem per Schiff eingeschleppt. Mittlerweile hätten sie sich in großen Teilen des Bodensees und auch in Zuflüssen wie der Rotach, Schussen und Argen ausgebreitet.
Mit sich bringen sie die sogenannte Krebspest - eine tierische Seuche, gegen die die einheimischen Arten chancenlos sind. Laut Chucholl bedeutet die Krankheit den sicheren Tod. Alle Gebiete, in denen sich die invasiven Arten ausbreiten, seien deshalb für die heimischen Edel- und Steinkrebse unwiederbringlich verloren.
Diese invasiven Krebsarten kann man aus natürlichen Gewässern praktisch nicht mehr entfernen, wenn sie einmal hier sind.
Die Entwicklung sei äußerst besorgniserregend - aber nicht aussichtslos.
Wie können die heimischen Krebsarten gerettet werden?
Laut Chucholl gibt es aber auch eine gute Nachricht: In einigen Nebenflüssen leben die heimischen Krebspopulationen noch weiter. Dazu zählen unter anderem die Seefelder Aach oder die Zuflüsse der Rotach, beide im Bodenseekreis. Diese Bestände müssten jetzt vor einer weiteren Ausbreitung der invasiven Arten geschützt werden.
Eine vielversprechende Methode seien sogenannte Krebssperren. Die künstlichen Wasserfälle aus Beton sind mit Edelstahl beschichtet und damit so glatt, dass die invasiven Signal- und Kamberkrebse sie nicht überwinden können. So bleibt der Bereich oberhalb der Sperre flussaufwärts eine sichere Schutzzone für die heimischen Bestände. Auf diese Weise konnten etwa die restlichen Bestände im Bereich der Rotach gesichert werden.
Doch die physischen Barrieren alleine reichen nicht aus, heißt es von Chucholl. Ebenso wichtig sei es, die Menschen in der Region über die große Gefahr durch invasive Arten zu informieren. Man müsse "die Aufklärung vorantreiben, so dass keine invasiven Krebsarten aus Unkenntnis ausgesetzt werden". Somit könnten auch die Menschen aus der Region dazu beitragen, dass die Edel- und Steinkrebse weiter in ihren natürlichen Lebensräumen vorkommen.