Am Dienstag vergangener Woche hatte Landwirtschaftsminister Peter Hauk (CDU) im Rahmen der Herbstpressekonferenz des Badischen Weinbauverbands in Müllheim (Kreis Breisgau-Hochschwarzwald) noch erklärt, schon im nächsten Jahr eine solche Pflichtabgabe einführen zu wollen. Doch nun rudert er zurück. Man wolle mit einer kurzfristigen Einführung nicht bestehende Strukturen zusätzlich gefährden, so Hauk in einer gemeinsamen Pressemitteilung des Ministeriums und der Weinbauverbände Baden und Württemberg.
Man brauche zuerst ein Gesamtkonzept, erklärte Hauk. "Wie wir am Ende dieses solidarisch finanzieren, werden wir gemeinsam besprechen." Voraussetzung ist eine Einigung mit der Weinwirtschaft in Baden und Württemberg.
Trotz Rückzieher: Badische Winzer bleiben zuversichtlich
Die Ankündigung der Verzögerung habe für "ein bisschen Unruhe gesorgt", sagte der Präsident des Badischen Weinbauverbands, Rainer Zeller, im SWR-Interview. Dennoch sei er überzeugt, dass man etwas Positives für die Winzer schaffen könne, so Zeller. Er sei sehr zuversichtlich, gemeinsam mit dem Ministerium und den Kollegen aus Württemberg eine Lösung zu finden, um Marktanteile zurückzugewinnen.
Lösungen nach der Weinlese
Nach Abschluss der diesjährigen Weinlese wollen sich Landwirtschaftsminister Hauk und die Weinbauverbände von Baden und Württemberg zu intensiven Gesprächen zusammensetzten und bis Frühjahr 2026 ein gemeinsames Konzept erarbeiten, kündigten sie an. Der Badische Weinbauverband befasse sich schon seit einiger Zeit damit, ein solidarisch organisiertes und tragfähiges Modell für die Kommunikation und Bewerbung zu schaffen, so Rainer Zeller. Der Verband werde sich intensiv in diesen Austausch einbringen.
An anderen Weinregionen orientieren
Hauk hatte die in der vergangenen Woche angekündigte Abgabe damit begründet, dass Modelle auf freiwilliger Basis nicht funktionierten. Deshalb sei in der Branche nun "Zwangssolidarität" nötig. Die Rede war von einer möglichen Abgabe pro Hektar Anbaufläche, die dann für Marketing an eine staatliche Organisation gehen sollte.
Eine solche Pflichtabgabe gibt es etwa in Rheinland-Pfalz und in fränkischen Weinanbauregionen. Rainer Zeller, der Präsident des Badischen Weinbauverbands sagte im Gespräch mit dem SWR, dass man sich die dortigen Konzepte anschauen werde. Ziel sei es, dass sich ein Mehrwert für die heimischen Winzer ergibt, so Zeller weiter.