Noch hängen die Reben von Constantin Richter in den Steillagen bei Mühlheim voller Trauben. Das wird sich in den kommenden Wochen ändern, denn die Rieslinglese hat begonnen. Und das so früh im Jahr wie noch nie in der Geschichte des Weingut Max Ferd. Richter.
Alles Handlese - etwas anderes bleibt uns in den steilen Hängen nicht übrig.
Um die Lese in den nächsten Wochen zu stemmen, hat Constantin 15 Erntehelfer. Sie laufen dann durch die Weinbergsreihen, lesen die Trauben. Ohne die Erntehelfer würde die Lese nicht funktionieren. "Alles Handlese - etwas anderes bleibt uns nicht übrig", sagt Constantin Richter.
Die Reben stehen eng beieinander und die Hänge sind steil - zu steil für Maschinen. Mit einem Vollernter habe er hier keine Chance, sagt er.
Bewirtschaftung von Steillagen teuer
So sehr der Winzer die sonnigen Steillagen, für die das Anbaugebiet Mosel so bekannt ist, schätzt, so sieht er auch die Schattenseiten. Denn für die Arbeit in den steilen Hängen muss er viermal so viel Geld in die Hand nehmen als im flachen Weinberg.
Heimische Landwirtschaft Obstbauer aus Ingelheim leidet unter Mindestlohn
In Rheinhessen läuft die Apfelernte auf Hochtouren. Für viele Obstbauern spitzt sich die Lage immer mehr zu: sie brauchen Saisonarbeitskräfte, aber die werden immer teurer.
Etwa vier Wochen dauert es, bis die Trauben gelesen sind. Bei einer Größe von 21 Hektar, die das Weingut Max Ferd. Richter bewirtschaftet, fallen allein Lohnkosten von bis zu 120.000 Euro für die Hauptlese an - also für ein paar Wochen. Die Lohnkosten sind für ihn mit Abstand die höchsten Kosten, die anfallen.
Einen Lohn, den Richter gerne zahlt, denn die Arbeit in den Steillagen kann bei Hitze und Regen sehr anstrengend sein. Aber der Mindestlohn steigt immer weiter. Das macht ihm Sorgen.
Steigender Mindestlohn bei sinkenden Preisen für Wein
Aktuell liegt der Mindestlohn bei 12,82 Euro pro Stunde. Dazu kommen noch die Kosten für die gesetzliche Kranken-, Pflege-, Renten-, und Arbeitslosenversicherung. Am Ende zahlt Constantin Richter 15 Euro Stundenlohn. Und es wird noch mehr: Ab 2026 soll der Mindestlohn dann bei 13,90 die Stunde liegen. Eine Steigerung von fast 15 Prozent, die Constantin zwei Euro mehr die Stunde kostet.
Betriebe geben auf, Flächen liegen brach
Die Folge der steigenden Lohnkosten: Immer mehr Betriebe geben auf oder versuchen Fläche abzugeben, da es sich für sie nicht mehr lohnt. So haben auch mehrere Kollegen Constantin Richter im letzten Herbst schon Flächen angeboten. "Kleine Flächen, die neben meinen liegen, nehme ich dann mal an. Aber für größere reichen auch meine Kapazitäten nicht aus."
Im schlimmsten Fall liegen die Flächen dann brach und verwildern. Dass in den nächsten Jahren etwa 20 Prozent der Flächen nicht mehr genutzt werden können und brach liegen, hält Constantin Richter für realistisch.
Weinbaupräsident: Sozialabgabe teilweise streichen
Weinbaupräsident Walter Clüsserath kennt die Probleme. Er sieht darin eine Gefahr für die Kulturlandschaft Mosel, wenn sich Stück für Stück das Landschaftsbild dadurch verändert, weil die Flächen nicht mehr bewirtschaftet werden können.
Er fordert deswegen, teilweise die Sozialabgaben für Erntehelfer zu streichen. Seiner Ansicht nach, bringe es den Menschen nichts, in ein System einzuzahlen, von dem sie nach der Saison nichts mehr hätten, weil sie in ihre Heimat zurückkehrten. Die Winzer würden aber davon profitieren, weil die Lohnkosten sinken.
Erntehelfer schwer zu finden
Constantin Richter ist froh, dass er trotz hoher Lohnkosten ohne Weiteres in die Lese starten konnte. Denn manchen Kollegen fehlt es aktuell an Erntehelfern. Sie wollen anfangen, können aber nicht. Auch Constantin haben ein paar Leute abgesagt.
Aus seinem Team kommen die meisten schon seit Jahren. So auch Barbara. Ihre macht die Arbeit in den steilen Hängen nichts aus. Sie kennt aber auch Leute aus der Heimat, die nicht mehr kommen, da sie genügend Arbeit in Polen finden.
Richter noch ohne Existenzängste
Constantin Richter hat keine Existenzängste - zumindest noch nicht. Anders würde es bei Kollegen aussehen, die eine kleinere Fläche bewirtschaften und vor allem Fasswein machen. "Die bekommen 60 Cent oder weniger für den Liter Wein und müssen dann drauflegen", sagt der Winzer stirnrunzelnd. Auch Weingüter in der Pfalz und Rheinhessen treffe es hart.
Richter erhöht Flaschenpreis
Um die steigenden Kosten, die vor allem durch den Lohn anfallen, abzufangen, erhöht Richter den Preis für die Flasche Wein, der aus der Steillagen-Trauben hergestellt wird. Ob sein Plan bei dem aktuell sinkenden Weinkonsum, steigenden Betriebskosten und Preisdruck aufgehen wird, bleibe abzuwarten.
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Constantin Richter hofft es. Er ist nun die zehnte Generation und möchte das Weingut auch ohne Sorgen an die elfte übergeben können.