Weinlese in den Steillagen

Erntehelfer werden teurer: Mindestlohn bedroht Moselweinbau

Die Moselwinzer brauchen zur Lese viele Erntehelfer, weil die Trauben in den Steillagen nicht mit Maschinen gelesen werden können. Doch der steigende Mindestlohn wird zum Problem.

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Von Autor/in Lara Dudek

Noch hängen die Reben von Constantin Richter in den Steillagen bei Mühlheim voller Trauben. Das wird sich in den kommenden Wochen ändern, denn die Rieslinglese hat begonnen. Und das so früh im Jahr wie noch nie in der Geschichte des Weingut Max Ferd. Richter.

Im Weingut von Constantin Richter in Mühlheim sind die Erntehelfer bei der Rieslinglese in den Steillagen unterwegs
Constantin Richter ist Winzer in der zehnten Generation und vor Jahren ins Weingut seines Vaters mit eingestiegen. Auch er möchte das Weingut irgendwann mal weitergeben. Dann an die elfte Generation.

Alles Handlese - etwas anderes bleibt uns in den steilen Hängen nicht übrig.

Um die Lese in den nächsten Wochen zu stemmen, hat Constantin 15 Erntehelfer. Sie laufen dann durch die Weinbergsreihen, lesen die Trauben. Ohne die Erntehelfer würde die Lese nicht funktionieren. "Alles Handlese - etwas anderes bleibt uns nicht übrig", sagt Constantin Richter.

Im Weingut von Constantin Richter in Mühlheim sind die Erntehelfer bei der Rieslinglese in den Steillagen unterwegs
Handlese in der Steillage: Eine Arbeit, die heute kaum noch jemand machen möchte. Für vier Wochen Lese braucht Constantin Richter etwa zwanzig Leute, die mit arbeiten. Seine Erntehelfer kommen schon seit Jahren aus Polen.

Die Reben stehen eng beieinander und die Hänge sind steil - zu steil für Maschinen. Mit einem Vollernter habe er hier keine Chance, sagt er.

Bewirtschaftung von Steillagen teuer

So sehr der Winzer die sonnigen Steillagen, für die das Anbaugebiet Mosel so bekannt ist, schätzt, so sieht er auch die Schattenseiten. Denn für die Arbeit in den steilen Hängen muss er viermal so viel Geld in die Hand nehmen als im flachen Weinberg.

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Etwa vier Wochen dauert es, bis die Trauben gelesen sind. Bei einer Größe von 21 Hektar, die das Weingut Max Ferd. Richter bewirtschaftet, fallen allein Lohnkosten von bis zu 120.000 Euro für die Hauptlese an - also für ein paar Wochen. Die Lohnkosten sind für ihn mit Abstand die höchsten Kosten, die anfallen.

Einen Lohn, den Richter gerne zahlt, denn die Arbeit in den Steillagen kann bei Hitze und Regen sehr anstrengend sein. Aber der Mindestlohn steigt immer weiter. Das macht ihm Sorgen.

Steigender Mindestlohn bei sinkenden Preisen für Wein

Aktuell liegt der Mindestlohn bei 12,82 Euro pro Stunde. Dazu kommen noch die Kosten für die gesetzliche Kranken-, Pflege-, Renten-, und Arbeitslosenversicherung. Am Ende zahlt Constantin Richter 15 Euro Stundenlohn. Und es wird noch mehr: Ab 2026 soll der Mindestlohn dann bei 13,90 die Stunde liegen. Eine Steigerung von fast 15 Prozent, die Constantin zwei Euro mehr die Stunde kostet.

Betriebe geben auf, Flächen liegen brach

Die Folge der steigenden Lohnkosten: Immer mehr Betriebe geben auf oder versuchen Fläche abzugeben, da es sich für sie nicht mehr lohnt. So haben auch mehrere Kollegen Constantin Richter im letzten Herbst schon Flächen angeboten. "Kleine Flächen, die neben meinen liegen, nehme ich dann mal an. Aber für größere reichen auch meine Kapazitäten nicht aus."

Im Weingut von Constantin Richter in Mühlheim sind die Erntehelfer bei der Rieslinglese in den Steillagen unterwegs
Wo Flächen in den Weinbergen brach liegen: Immer wieder fallen in den Weinbergen entlang der Mosel kahle Stellen auf, wie hier bei Pölich an der Mosel. Sie wirken verwildert. Dass passiert, wenn Winzer Flächen aufgeben und sie dann nicht mehr bewirtschaftet werden.

Im schlimmsten Fall liegen die Flächen dann brach und verwildern. Dass in den nächsten Jahren etwa 20 Prozent der Flächen nicht mehr genutzt werden können und brach liegen, hält Constantin Richter für realistisch.

Weinbaupräsident: Sozialabgabe teilweise streichen

Weinbaupräsident Walter Clüsserath kennt die Probleme. Er sieht darin eine Gefahr für die Kulturlandschaft Mosel, wenn sich Stück für Stück das Landschaftsbild dadurch verändert, weil die Flächen nicht mehr bewirtschaftet werden können.

Er fordert deswegen, teilweise die Sozialabgaben für Erntehelfer zu streichen. Seiner Ansicht nach, bringe es den Menschen nichts, in ein System einzuzahlen, von dem sie nach der Saison nichts mehr hätten, weil sie in ihre Heimat zurückkehrten. Die Winzer würden aber davon profitieren, weil die Lohnkosten sinken.

Erntehelfer schwer zu finden

Constantin Richter ist froh, dass er trotz hoher Lohnkosten ohne Weiteres in die Lese starten konnte. Denn manchen Kollegen fehlt es aktuell an Erntehelfern. Sie wollen anfangen, können aber nicht. Auch Constantin haben ein paar Leute abgesagt.

Erntehelferin hilft bei der Lese im Weinberg mit.
Die 66-Jährige Barbara hilft seit sieben Jahren im Weingut Richter bei der Lese. Ihr gefällt die Arbeit.

Aus seinem Team kommen die meisten schon seit Jahren. So auch Barbara. Ihre macht die Arbeit in den steilen Hängen nichts aus. Sie kennt aber auch Leute aus der Heimat, die nicht mehr kommen, da sie genügend Arbeit in Polen finden.

Richter noch ohne Existenzängste

Constantin Richter hat keine Existenzängste - zumindest noch nicht. Anders würde es bei Kollegen aussehen, die eine kleinere Fläche bewirtschaften und vor allem Fasswein machen. "Die bekommen 60 Cent oder weniger für den Liter Wein und müssen dann drauflegen", sagt der Winzer stirnrunzelnd. Auch Weingüter in der Pfalz und Rheinhessen treffe es hart.

Richter erhöht Flaschenpreis

Um die steigenden Kosten, die vor allem durch den Lohn anfallen, abzufangen, erhöht Richter den Preis für die Flasche Wein, der aus der Steillagen-Trauben hergestellt wird. Ob sein Plan bei dem aktuell sinkenden Weinkonsum, steigenden Betriebskosten und Preisdruck aufgehen wird, bleibe abzuwarten.

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Constantin Richter hofft es. Er ist nun die zehnte Generation und möchte das Weingut auch ohne Sorgen an die elfte übergeben können.

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