Im Schwarzwald drohen wegen der andauernden Trockenheit immer mehr Quelle zu versiegen. Der Seebach zwischen Feldberg und Titisee (Kreis Breisgau-Hochschwarzwald) ist bereits ausgetrocknet. Angesichts dieser Lage werden einige abgelegene Bauernhöfe und ganze Gemeinden schon bald per Tanklaster versorgt werden müssen. In der Gemeinde Feldberg gibt es bereits erste Fälle.
"Viele Höfe, die auf ihre eigenen Quellen zurückgegriffen haben die letzten Jahrzehnte oder gar Jahrhunderte, dort sind die Quellen gerade am Versiegen", sagt Feldbergs Bürgermeister Johannes Albrecht (parteilos). "Wir haben schon einzelne Höfe, die jetzt individuell mit Wasser beliefert werden müssen, also mit Wassertanks."
Es kommt kein Wasser mehr.
Tatjana Sorgato hat schon seit mehr als zehn Tagen kein fließendes Wasser mehr. Normalerweise kommt es aus einer Brunnenstube oberhalb ihres Hauses im Seebachtal. Doch die Quellen tröpfeln nur noch. Als Notlösung bekommt sie nun Wasser per Gartenschlauch von ihren Nachbarn - die sind als Trinkwassernetz angeschlossen. Sorgato wünscht sich aber auch dringend mehr Unterstützung von ihrer Gemeinde.
Trinkwasserlieferung per Tanklaster im Schwarzwald?
Der südbadische Netzbetreiber Badenova Netze bereitet sich bereits auf den Notfall vor. Das Unternehmen ist für die Wasserversorgung von rund 700.000 Menschen zuständig. Sollten Quellen von Gemeinden oder landwirtschaftlichen Betrieben versiegen, könnten Tanklaster zum Einsatz kommen. Die "Badische Zeitung" hatte zuerst über das Thema berichtet.
Wir prüfen, in welchem Umfang Trinkwasser mit einem für Lebensmitteltransporte zugelassenen Sattelschlepper transportiert werden kann.
Schwarzwald-Gemeinden bereiten sich auf Notfall vor
Nach SWR-Informationen bereiten sich bereits mehrere Gemeinden im Versorgungsgebiet von Badenova Netze auf den Fall der Fälle vor. Unter anderem die Gemeinde Bollschweil (Kreis Breisgau-Hochschwarzwald), die derzeit einen Krisenplan erstellt. Auch andere Gemeinden im Hochschwarzwald sind alarmiert.
Zu einzelnen Kommunen wolle man sich nicht äußern, hieß es bei Badenova Netze auf SWR-Anfrage. Dennoch würden einzelne Kommunen technisch und organisatorisch unterstützt werden.
Betroffener Landwirt Wiesler ist besorgt
Landwirt Thomas Wiesler vom Forstlohnbetrieb Gütlehof aus Bollschweil-St. Ulrich hat noch eine funktionierende Quelle auf seinem landwirtschaftlichen Betrieb. Versiegt sei sie noch nicht, erklärte er. Allerdings bereite er gerade einen Plan B für die Trinkwasserversorgung auf seinem Hof vor.
Die Tiere könne er noch etwas länger tränken, erzählt er. Pro Tag komme aktuell rund ein Kubikmeter Wasser aus der Quelle. Normalerweise würde ihm diese Wassermenge pro Stunde zur Verfügung stehen. Wiesler befürchtet jedoch, dass sich die Situation noch weiter verschärft. Vor allem durch zusätzliche finanzielle Belastungen, wenn er Wasser zukaufen müsste.
Wasserlieferung logistisch eine Herausforderung
Schon seit Wochen beschäftigt sich der Wasserversorger mit der Frage, wie Orte im Schwarzwald mit Trinkwasser versorgt werden könnten. Das sagte Simon Herrmann, Leiter für Wasser und Abwasser bei Badenova Netze auf SWR-Anfrage.
Transportiert werden könnte das Wasser mit einem für Lebensmittel zugelassenen Sattelschlepper. An einer sogenannten Füllstation aus dem Wassernetz in Freiburg würde der Tanklaster mit Trinkwasser beladen werden, um es dann zu der Gemeinde zu transportieren, wo es benötigt wird.
30.000 Liter Trinkwasser pro Transport
Rund 30.000 Liter Wasser könnten mit einem Sattelschlepper pro Fahrt transportieren werden, so Herrmann. Solche Transporte würden bestehende Versorgungssysteme gezielt entlasten. Es sei lediglich eine Notfallmaßnahme, die nur im Bedarfsfall eingesetzt würde.
Wie viel Trinkwasser zu den Menschen transportiert werden müsste, sei unklar. Es werde je nach Situation entschieden, heißt in einer Stellungnahme das südbadischen Netzbetreibers.
Wasserversorgung in Freiburg noch nicht kritisch
Während in höheren Lagen des Schwarzwaldes sogenannte Quellschüttungen deutlich zurückgehen, ist die Trinkwasserversorgung in Freiburg nicht betroffen. Freiburg werde über die Wasserwerke Hausen und Ebnet versorgt.
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