Schutzraum für Hirschkäfer & Co

Mini-Biotop im Boden: Käferkeller im Garten anlegen und Käfer schützen

Ein Käferkeller ist leicht gebaut und bietet Hirschkäfer & Co. einen geschützten Lebensraum. SWR4 Gartenexpertin Heike Boomgaarden erklärt, wie jeder ihn im Garten anlegen kann.

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Stand

Von Autor/in Heike Boomgaarden

Was ist ein Käferkeller?
Der richtige Standort: halbschattig, kühl und feucht  
Innenleben im Käferkeller: Holz, Laub und Erde  
Pflegeleichtes Biotop: Den Käferkeller in Ruhe lassen  
Aktiven Artenschutz für Nützlinge betreiben  
Tipps für Familien: Käferkeller als Naturprojekt für Kinder  

Was ist ein Käferkeller?

Ein Käferkeller ist im Grunde genommen ein kleines, im Boden eingelassenes Biotop. Es handelt sich um eine "Wohnung" für Käfer aller Art, gefüllt mit Holz, Laub und Erde. In diesem Mini-Biotop entsteht ein natürlicher, kühler und feuchter Rückzugsort für Laufkäfer, Rosenkäfer, Schnellkäfer – und sogar für den seltenen Hirschkäfer.  

Gerade für Hirschkäfer ist der Käferkeller besonders wichtig. Diese Großkäfer entwickeln sich sehr langsam über viele Jahre. In "ordentlichen" Gärten haben sie meist kaum eine Chance, ihre Entwicklung erfolgreich zu durchlaufen. Ein Käferkeller schafft den nötigen geschützten Raum, den viele Käferarten heute verloren haben.  

Eine Steinmauer umrandet einen schattigen Bereicht eines Gartens mit Rasen und Bäumen. Ungenutzte, schattige Plätze im Garten eigenen sich wunderbar, um einen Käferkeller anzulegen.
Um den Käferkeller anzulegen, braucht man ein schattiges Plätzchen im Garten. Picture Alliance

Der richtige Standort: halbschattig, kühl und feucht  

Die Bauanleitung für einen Käferkeller ist einfach und schnell umgesetzt. Zunächst sucht man im Garten einen halbschattigen bis schattigen Standort unter Sträuchern, Bäumen oder entlang einer Hecke. Ideal ist eine Ecke, für die man sonst keinen Nutzen hat. Wichtig: Der Platz sollte kühl und eher feucht sein.  

Eine Schaufel gräbt ein Loch in die Erde vom Garten. So entsteht ein Käferkeller.
Für einen Käferkeller benötigt man ein Loch in der Erde. Picture Alliance

An diesem Standort hebt man eine etwa einen Quadratmeter große Grube mit ungefähr 50 Zentimetern Tiefe aus. Der spätere "Wohnraum" im Käferkeller umfasst damit ungefähr einen halben Kubikmeter. Entscheidend ist weniger das exakte Maß als die Struktur: Es soll ein bodennaher, geschützter Raum entstehen, der über Jahre bestehen bleibt.  

Innenleben im Käferkeller: Holz, Laub und Erde  

Das ausgehobene Loch wird nun mit möglichst unterschiedlichem Holz gefüllt. Gut geeignet sind Laubholz und Nadelholz, frische und morsche Stücke, dünne Zweige und kräftige Äste. Diese Vielfalt schafft unterschiedliche Nischen und Feuchtigkeitsbereiche, in denen sich verschiedene Arten wohlfühlen.  

Mehrere Äste und Zweige liegen auf einem Haufen. Man braucht sie, um einen Käferkeller im Garten anzulegen.
Verschiedene Äste und Zweige schaffen für unterschiedliche Käferarten im Käferkeller einen Lebensraum. Picture Alliance

Einige Holzstücke oder stärkere Äste werden auf Abstand senkrecht in die Grube gestellt – sie fungieren als "Stützpfeiler". Die Hohlräume rund um diese Pfeiler werden mit den übrigen Materialien aufgefüllt. Zwischendurch sollte man das Füllmaterial immer wieder mit den Füßen leicht festtreten, damit alles gut verdichtet ist und stabil wird.  

Zum Abschluss kommen die kleinsten Äste, eine Schicht Laub und etwas Erde als Abdeckung obenauf.

Pflegeleichtes Biotop: Den Käferkeller in Ruhe lassen  

Das Besondere am Käferkeller: Er braucht keine Pflege. Im Gegenteil – er lebt davon, in Ruhe gelassen zu werden. Nur so können sich die Käfer, ihre Larven und die übrigen Bewohner ungestört entwickeln.

Gelegentlich kann man vorsichtig kontrollieren, ob das Holz abgesackt ist. In diesem Fall wird der Käferkeller einfach mit neuem Material aufgefüllt. Das Holz dient nämlich nicht nur als Lebensraum, sondern teilweise auch als Nahrung für die Insekten im Inneren. Einen "Zugang" muss man den Käfern nicht bauen: Sie finden den Weg in ihren Käferkeller von ganz allein.  

Aktiven Artenschutz für Nützlinge betreiben 

Der Bestand vieler Käferarten nimmt von Jahr zu Jahr ab. Besonders Großkäfer wie Hirschkäfer, Nashornkäfer, Riesen- oder Rosenkäfer werden immer seltener.  

Eine weiße Käferlarve, die des Rosenkäfers, liegt in der Erde. Ein Käferkeller im Garten bietet ihr einen perfekten Lebensraum.
Käferlarven wie die des Rosenkäfers lieben organische Substanzen. Picture Alliance

Diese Tiere sind keine Schädlinge, sondern Nützlinge. Viele Käferlarven ernähren sich von Holzbestandteilen und anderen organischen Substanzen. Ihre Nahrung enthält viel Zellulose, die wenig Kalorien liefert. Dadurch verläuft ihre Entwicklung ungewöhnlich langsam und kann mehrere Jahre dauern.  

Im Käferkeller schaffen wir also ein ruhiges, dauerhaftes Mini-Biotop für Großkäfer und betreiben damit aktiven Artenschutz.

Tipps für Familien: Käferkeller als Naturprojekt für Kinder  

Der Käferkeller sollte möglichst an einem stillen Ort im Garten liegen – weit weg vom Haus, vom Spielrasen oder der Terrasse. So wird verhindert, dass die Tiere durch häufige Nutzung der Fläche gestört werden.  

Vor allem für Kinder oder Enkel kann er ein interessantes Naturprojekt sein. Man kann gelegentlich vorsichtig Laub oder einige Äste beiseiteschieben, um einen Blick auf die Bewohner zu werfen. Alternativ setzt man sich einfach einmal in Ruhe in die Nähe des Käferkellers und beobachtet, welche Käfer dort ein- und ausgehen. Wichtig ist, den Käferkeller nicht mehr wegzuräumen, denn das stört die Entwicklung der Larven.

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Erstmals publiziert am
Stand
Autor/in
Heike Boomgaarden
Porträt von SWR4 Expertin Heike Boomgaarden im blauen Jackett
Das Interview führte
Matthias Methner
Onlinefassung
Isabel Karpenkiel
Portraitfoto von Isabel Karpenkiel von SWR4 mit rosa Pulli.