Sabine Schwiemann aus Hillesheim in der Eifel hat vor einiger Zeit ihre Brustkrebs-Therapie erfolgreich beendet und hilft durch die Gründung einer Selbsthilfegruppe für Brustkrebspatientinnen auch anderen betroffenen Frauen, mit dem Thema umzugehen. Wir sprechen regelmäßig mit Frau Schwiemann, um zu erfahren, wie sich das Leben nach der Krebstherapie verändert hat.
SWR1: Wie geht es Ihnen?
Sabine Schwiemann: Im Großen und Ganzen geht es mir ganz gut.
SWR1: Prinzessin Kate soll in London gesagt haben. "The hardest part comes after", also der schlimmste Teil kommt danach. Sie meint die eigentliche Therapie und dann das Leben sozusagen nach der Therapie. Fühlen sie auch so?
Schwiemann: Ja, sie hat mir absolut aus der Seele gesprochen. Und ich bin sehr dankbar, dass sie dieses Thema adressiert hat. Wir reden viel zu wenig darüber, wie das Leben von Krebspatienten eigentlich nach Abschluss der Therapie ist.
Nach der Brustkrebs-Therapie: "Es ist gar nicht alles toll"
Dieses Ziel, alles überstanden zu haben, wirkt in dieser Zeit paradiesisch. Und dann stellt sich der Moment ein und ich stelle fest: "Es ist jetzt gar nicht alles ganz toll." Natürlich muss erstmal verarbeitet werden, was ist denn da eigentlich wie ein Tsunami durch mein Leben geschossen.
SWR1: Aber jetzt, wo es vorbei ist - was ist nicht toll in Ihrem Leben?
Schwiemann: Es ist einfach so, dass die Therapien Folgen hatten – natürlich auch körperliche. Ich habe nicht mehr so viel Energie wie früher, was natürlich für jemanden, der so ein Temperament hat wie ich, besonders schwierig ist.
Ich organisiere Konzerte und bin gerne mit Freunden zusammen. Jetzt teile ich mir meine Energie deutlich bewusster ein. Das musste ich früher nicht. Damals konnte ich einfach spontan sagen: Das mache ich jetzt! Das ist heute nicht mehr so.
Das Leben nach der Brustkrebs-Therapie ist "so viel wichtiger geworden als das davor"
Aber das birgt auch eine große Chance, nämlich zu sagen: Wie sind denn vielleicht meine neuen Prioritäten? Dass ich jetzt wieder Dinge mache, die ich vielleicht ein bisschen habe Verschütt gehen lassen, dass ich mich mehr um Kunst und Kultur und um mein Klavierspiel kümmere. Und ich bin mir auch klarer darüber geworden, wem ich meine Zeit schenke. Oder welche Kämpfe fechte ich aus und welche gar nicht?
Meine Lebenszeit ist sehr, sehr kostbar!
Meine Lebenszeit ist sehr, sehr kostbar. Mir hat eine Psycho-Onkologin in dieser Zeit gesagt: "Frau Schwiemann, Sie wissen ja nicht, wie viel Zeit sie haben". Das sind natürlich auch Aussagen, die sehr tief gehen, aber letztlich stimmt es. Wir wissen im Prinzip alle, dass unser Leben endlich ist. Aber es ist natürlich ein abstraktes Wissen für uns alle.
Das dritte Jahr danach Nach der Brustkrebs-Behandlung: So geht es Sabine Schwiemann heute
2022 wurde bei Sabine Schwiemann aus der Eifel Brustkrebs diagnostiziert. Nach der abgeschlossenen Therapie sprechen wir immer wieder mit ihr über ihr Leben nach der Erkrankung.
SWR1: Und in Ihrem Fall ein besonderes Wissen, dass möglicherweise auch die Gefahr besteht, dass die Krebserkrankung wiederkehrt. Das spielt ja auch eine Rolle.
Schwiemann: Natürlich. Es ist so, dass ich für ein paar Jahre alle drei Monate zur Kontrolle gehe. Natürlich tue ich, was ich kann, um gesund zu bleiben. Und natürlich ist das Leben, was noch kommt, nach der Begegnung mit dieser Krankheit, so viel wichtiger geworden als das, was war.
Ich schaue definitiv bewusster in die Zukunft und überlege mir, was ich machen will und ich schiebe weniger auf. Also zu behaupten, ich lebe jeden Tag, als wäre es der Letzte, das wäre übertrieben. Aber es ist schon so, dass ich, wenn ich etwas machen will, dann mache ich es. Das ist auf jeden Fall etwas Positives, was ich mitnehme aus den Geschehnissen.