20 Jahre nach der Katastrophe im Indischen Ozean

Gerhard Trabert und der Tsunami: "Diese Bilder bleiben im Gedächtnis"

Am 26. Dezember 2004 verlieren durch einen Tsunami im Indischen Ozean über 230.000 Menschen ihr Leben. Nach der Katastrophe war auch der Mainzer Arzt Gerhard Trabert vor Ort.

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Stand

Besonders betroffen waren Länder wie Indonesien, Sri Lanka, Indien und Thailand. In diesem Jahr jährt sich diese Katastrophe zum 20. Mal. Einer der Helfer dort war der Mainzer Notarzt Gerhard Trabert. Er hat inmitten der Zerstörung medizinische Hilfe geleistet.

 

SWR1: Haben Sie noch die Bilder im Kopf?

Gerhard Trabert: Oh ja, ich habe noch sehr viele Bilder im Kopf. Das war so beeindruckend. Auf der einen Seite hat man wieder die Schönheit des Meeres, des Sandstrands und der Palmen gesehen. Wenn man sich umdrehte, sah man eine völlig zerstörte Stätte, wo Boote in das Landesinnere hinein katapultiert wurden. Also das ist mir in Erinnerung geblieben.

Und die Fassungslosigkeit der Menschen, dass dieses geliebte Meer, was Spender von Leben und Nahrung war, ihnen so zugesetzt und Leben zerstört hat.

Gerhard Trabert nach der Katastrophe: "Diese Bilder trage ich immer mit mir!"

SWR1: Die schlimmen Bilder dieser Katastrophe sind um die Welt gegangen. Wie hat Sie dieses Erleben im Katastrophengebiet geprägt?

Trabert: Das eine ist im Fernsehen so etwas zu sehen. Das andere ist es wirklich vor Ort zu sehen und es zu riechen. Dort wurden die Toten verbrannt. Man hat sofort einen ganz typischen, süßlichen Geruch in der Nase gehabt. Und man wusste sofort, das sind Menschen, die gestorben sind, die verbrannt wurden.

Oder wir waren in einer Stadt, die vollkommen zerstört war. Dann sehen sie auf einmal in einer noch rudimentär vorhandenen Hütte. Auf dem Boden ein Fotoalbum oder eine Milchflasche. Auf einmal wird das so abstrakte Geschehen ganz hautnah. Da war eine Familie. Leben die Menschen auf diesen Fotos noch? Lebt dieses Baby noch? Diese Bilder bleiben einfach im Gedächtnis und die trage ich immer mit mir.

Und gerade jetzt an so einem Jahrestag, wird das alles wieder ein sehr aktuell und bewusst. Das macht einfach traurig und betroffen.

Eine Frau bedeckt ihre Nase mit einem Tuch; im Hintergrund eine Moschee. In den Straßen ist der Müll zu sehen, der sich nach dem Erdbeben und Tsunami in Banda Aceh auf der indonesischen Insel Sumatra im Dezember 2004 angesammelt hat.

27.12.2004 Tsunami im Indischen Ozean – 200.000 Tote von Indonesien bis Afrika

27.12.2004 | Um die Jahrtausendwende konnte man den Eindruck gewinnen, nach Weihnachten kommen immer die großen Katastrophen: 1999 der Orkan Lothar, 2003 das große Erdbeben im Iran, 2004 schließlich die Tsunami-Katastrophe im Indischen Ozean.
Viele Deutsche haben damals das Wort "Tsunami" überhaupt erst gelernt. Der Tsunami ist verheerend: Mehr als 200.000 Menschen, darunter viele internationale Urlauber, kommen an den Küsten des Indischen Ozeans ums Leben, weil sie sich nicht rechtzeitig retten können.
Besonders betroffen ist die indonesische Insel Sumatra. Aber die Wellen, die das Seebeben im indischen Ozean ausgelöst haben, erreichen auch Thailand, Sri Lanka, Indien und nach sechs Stunden schließlich auch das ostafrikanische Somalia, wo ebenfalls 300 Menschen sterben.
Schon am ersten Tag wird diskutiert: Hätte sich diese Katastrophe nicht verhindern lassen? SWR1 sendet am Abend des 27.12.2004 die folgende Schwerpunktsendung.

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Erstmals publiziert am
Stand
Das Interview führte
Michael Lueg
Michael Lueg
Interview mit
Dr. Gerhard Trabert
Onlinefassung
SWR1