Das Shirt vom ersten Festivalbesuch oder auch das Abiballkleid. An solchen Kleidungsstücken hängen oft tolle Erinnerungen, auch wenn sie vielleicht nur selten getragen werden.
Wem es besonders schwer fällt, sich von einem geliebten Kleidungsstück zu trennen, kann seine Geschichte daran heften und es dann verschicken. Markus Böck ist Pressesprecher der Deutschen Kleiderstiftung und stellt die Aktion vor.
Darum gibt es die Aktion "Kleidergeschichten"
SWR1: Weshalb machen Sie überhaupt diese Aktion mit diesen Kleidergeschichten?
Markus Böck: Die Deutsche Kleiderstiftung ist eine Hilfsorganisation. Wir sind darauf angewiesen, wirklich gute und weiter tragbare Kleidung für unsere Hilfsprojekte zu erhalten. Nun schlummern in Deutschlands Kleiderschränken Millionen von Kleidungsstücken, von denen man sich noch nicht trennen mag.
Oftmals hängt das mit sehr emotionalen Geschichten zusammen, die man damit verbindet. Wir möchten es den Menschen leichter machen, sich auch von solchen Kleidungsstücken zu trennen, indem sie die Geschichte, die damit verbunden ist, zu Papier bringen.
Der Zettel soll an das Kleidungsstück vorsichtig angeheftet oder angebunden werden, damit es nicht zerstört wird. Und das Ganze wird dann gemeinsam an uns geschickt.
Das passiert mit den "Kleidergeschichten"
SWR1: So, dass die Geschichte nicht ganz verloren geht…
Böck: Genau. Denn wir haben uns vorgenommen, ausgewählte Geschichten auf unseren Social-Media-Kanälen, im Newsletter oder auf der Homepage zu veröffentlichen, um den Menschen ein Gefühl davon zu geben, was für Kleidung gespendet wird und was damit verbunden ist. Zum anderen möchten wir das auch in die Projekte weitergeben, damit die Empfänger der Kleidungsstücke auch die entsprechende Wertschätzung dem entgegenbringen können.
Böck: Wir haben zahlreiche Projekte innerhalb Deutschlands. Wir kooperieren mit Kleiderkammern oder sozialen Einrichtungen. Aber wir haben auch international viel zu tun, wie man sich in den letzten Jahren vorstellen kann. Vor allen Dingen in der Ukraine.
Wir haben weitere Projekte überwiegend in Osteuropa, zum Beispiel in Albanien, Kirgisien oder Kirgistan. Dort werden Kleider an bedürftige Menschen weitergegeben, die sich keine Kleidung leisten können oder aufgrund von schlimmen Notsituationen sozusagen ohne Bekleidung dastehen. Und denen möchten wir helfen.
Die "Kleidergeschichten" sind international
SWR1: Das ist auf der einen Seite natürlich sehr ehrenwert. Auf der anderen Seite kann das in Kirgistan kein Mensch mehr lesen…
Böck: Das ist sicher richtig. In dem Fall, dass es in die internationalen Projekte geht, bemühen wir uns auf jeden Fall um eine möglichst genaue Übersetzung der Geschichten, denn wir möchten, dass auch dort das Kleidungsstück mit dieser Geschichte weitergegeben wird. Der Aufwand ist es uns auf jeden Fall wert.
SWR1: Hat jedes Kleidungsstück, was bei ihnen ankommt, automatisch auch eine Geschichte draufstehen?
Böck: Nein. Bisher haben wir zum Glück schon große Unterstützung erfahren. Die Menschen schicken uns große Umzugskartons mit vielen Kleidungsstücken, aber auch mit Heimtextilien wie Bettwäsche oder Handtüchern. Die sind natürlich nicht jedes Mal mit einer Geschichte versehen. […] Es geht nicht nur um diese Kleidergeschichten, sondern man kann sie – zusammen mit weiteren Kleidungsstücken, Schuhen und Heimtextilien – in einen großen Karton packen und an uns senden.
Weitere Informationen zur Aktion der Deutschen Kleiderstiftung: "Kleidergeschichten"