Woche der Wiederbelebung

Dr. Dirk Nauheimer: "Bei der Ersten Hilfe kann man nichts falsch machen!"

Wir haben mit Dr. Dirk Nauheimer vom Trierer Brüderkrankenhaus über das Thema Erste Hilfe zur "Woche der Wiederbelebung" gesprochen.

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Stand

Nur 50 Prozent der Deutschen leisten im Notfall Erste Hilfe. In Nachbarländern sind es bis zu 80 Prozent. Und zur Woche der Wiederbelebung schauen wir uns mal genauer an, woran das liegen könnte.

Dirk Nauheimer zur Ersten Hilfe: Wir holen auf!

SWR1: Wir sehen, dass in anderen Ländern viel schneller Erste Hilfe geleistet werden kann als bei uns. Was läuft schief?

Dr. Dirk Nauheimer: Ich sehe das exakt genauso, wir haben da ein generelles Problem. Aber der Trend ist, dass wir uns verbessern.

Wir waren noch vor zehn, zwölf Jahren nur bei 20 Prozent einer stattfindenden Laien-Reanimation. So nennen wir das, wenn ein ungeschulter Ersthelfer in solchen Situationen Erste Hilfe leistet und mit der Wiederbelebung beginnt.

Aktuell sind wir bei 51 Prozent. Der Trend ist also schon mal der richtige. Es braucht eben wahnsinnig viel Zeit und andere Länder sind uns da deutlich voraus. Denn da hat das teilweise schon sehr viel früher in Schulen Einzug gehalten […], es wurden Hemmungen abgebaut und da hinken wir noch ein kleines bisschen hinterher.

SWR1: Einen Reanimationsunterricht, wie er jetzt in Rheinland-Pfalz zum nächsten Schuljahr verpflichtend für die siebten, achten und neunten Klassen kommt, das finden Sie gut?

Nauheimer: Absolut. Wir haben mit einem Projekt 2016 bereits begonnen, eben auch diese Schulungen an die Schulen heranzutragen und hatten damals dann auch für die siebten Klassen entschieden, wo das beginnen kann. Da macht das dann schon sehr gut Sinn und die Schüler können das auch aufnehmen, verstehen und entsprechend auch handeln.

Und wir haben das auch damals schon versucht, hier in der Region an die Schulen heranzutragen. Das ist herzlich aufgenommen worden und wir haben daraus einen Verein entwickelt, das ist der "Hand aufs Herz e.V." geworden. Dieser Verein hat es sich eben zur Aufgabe gemacht, diese Schulungen an die Schule zu bringen.

Erste Hilfe: Auffrischung sinnvoll

SWR1: Für viele war das Erste-Hilfe-Training zum Führerschein das letzte Mal. Was empfehlen Sie für Erwachsene, wie oft sollte man das auffrischen?

Nauheimer: Das ist ganz häufig so, dass man mit 17 oder 18 Jahren vielleicht mal einen Kurs besucht und dann natürlich gar nicht mehr. Es gibt Erste-Hilfe-Kurse, die kann man zum Beispiel beim Deutschen Roten Kreuz auffrischen. Das ist auch nur ein drei bis vier Stunden Kurs oder mal ein Wochenende. Das liegt natürlich bei jedem Einzelnen. Das ist nicht verpflichtend.

SWR1: Was halten Sie von Online-Kursen zur Auffrischung, ist das besser als gar nichts?

Nauheimer: Das ist nicht so gut […], denn Hands-On ist gerade bei der Herz-Lungen-Wiederbelebung sehr gut. Man bekommt die Hilfestellung, den richtigen Druckpunkt und die richtige Drucktiefe zu finden. Das kann man […] schlecht online vermitteln. Das sollte man im Präsenzunterricht üben.

SWR1: Haben Sie erlebt, dass jemand, der versucht hat, Erste Hilfe zu leisten, etwas falsch gemacht hat?

Nauheimer: Man kann nichts falsch machen! Man muss sich ständig vermitteln, dass, sofern man da jetzt gar nichts macht, der Mensch vor einem stirbt oder er bereits tot ist. Das heißt, im Grunde kann ich nur verlieren, wenn ich nichts mache.

Dr. Dirk Nauheimer zu "Region der Lebensretter": Es braucht jemanden, der sich aktiv bemüht!

SWR1: Was sind das für Menschen, die sich da als Ersthelfer angemeldet haben für die App "Region der Lebensretter"?

Nauheimer: Die App greift da ein, dass registrierte qualifizierte Ersthelfer geortet werden können, wenn sie in der Nähe eines solchen Ereignisses sind und dann vom Leitstellendisponent eingesetzt werden können. So könnten diese Ersthelfer nach zwei bis drei Minuten eintreffen und deutlich früher als der Rettungsdienst Hilfe leisten.

SWR1: Wenn Sie jetzt zum Beispiel beim Abendessen in einem Restaurant sitzen und dann werden Sie alarmiert. Dann kann es sein, dass Sie Messer und Gabel fallen lassen, um Erste Hilfe zu leisten?

Nauheimer: Dafür ist es gedacht. Man wird da nicht ewig lang aufgehalten. Das sind nur wenige Minuten. Das dient jetzt nur der Überbrückung, bis der Rettungsdienst eintrifft. […]

SWR1: Aber es gibt doch bereits das "First-Responder-System". Das wird schon in einigen Städten eingesetzt. Was ist der Unterschied zu Ihrer Erfindung?

Nauheimer: Zunächst muss ich festhalten, dass die First-Responder, die wir haben, einen wahnsinnig tollen und ganz wichtigen Job erledigen!

Wir sind stolz, dass wir sie haben und ohne die wäre es gar nicht möglich, gerade in Gemeinden, die etwas weiter von den Rettungswachen weg gelegen sind.

Der Vorteil von einem App-basierten System ist, dass es dies noch aufwertet. Zusätzlich können qualifizierte Ersthelfer, die in der Nähe sind, mit alarmiert werden. Maximal sind für das System vier vorgesehen. Es fällt unfassbar viel leichter, mit einem Team zu reanimieren, als wenn ich eine einzelne Person bin.

Lebensretter-App sollte auf Länderebene unterstützt werden

SWR1: Aber warum haben dann nicht alle, die App "Region der Lebensretter"?

Nauheimer: Es braucht jemanden, der sich da aktiv darum bemüht und darum kümmert, weil es von Bundesebene auf Länderebene und von Länderebene auf die Gemeinden verteilt ist.

Wenn es jemanden gibt, der sich damit befasst, der sich darum kümmert, dass man eines bekommen kann, ist das sehr, sehr aufwendig. Wir haben da einiges zu tun …

SWR1: Wenn ich Sie an der Stelle kurz unterbrechen darf.  Würden Sie sich ein flächendeckendes, einheitliches System wünschen?

Nauheimer: Absolut, das ist sinnvoll. Und nicht nur das, sondern selbst die Kostenträger sind in Teilen Deutschlands dazu übergegangen, dieses System finanziell zu unterstützen. Weil es im Endeffekt die Kassen entlastet. Wir brauchen ein solches System und es wäre toll und wäre nur von Vorteil, wenn es auf Länderebene eine klare Regulierung gibt.

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