Missverständnisse sind vorprogrammiert

Fexting: Warum wir uns über Textnachrichten schneller streiten

Immer mehr Leute "fexten", geraten also in Konflikte, die sie über Textnachrichten austragen, anstatt zu reden. Oft streiten wir uns dann wegen Missverständnissen.

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Stand

"Fexting" ist eine Mischung aus "fighten" – also streiten – und "texten". Warum ein Streit über Kurznachrichten so leicht zustande kommen kann, erklärt uns Julia Nestlen aus der SWR Wissenschaftsredaktion.

Fexting: streiten und schreiben

SWR1: Was steckt hinter dem Phänomen Fexting?

Julia Nestlen: Da gibt es tatsächlich eine ganze Reihe an Forschung, die erklärt, warum denn überhaupt Konflikte über Textnachrichten besonders knifflig sind, sag ich mal.

Ein wichtiger Punkt ist bestimmt die Zeit; beim Chatten ist so niemand gezwungen, sofort zu antworten. Das klingt erstmal praktisch, aber Studien zeigen dieses Warten, das kann verdammt nervös machen. Und schon nach einer halben Stunde ohne Antwort fühlen sich halt viele ungeduldig, einsam oder sogar zurückgewiesen.

In Textnachrichten fehlen Zwischentöne

SWR1: Das Problem ist ja noch, man weiß oft nicht, wie meint es denn die andere Person überhaupt?

Nestlen: Total. Also Linguisten haben da auch ihren Spaß. Das große Problem ist der fehlende Tonfall, sowas wie Ironie, Sarkasmus auch etwas wie Zwischentöne - das fällt alles weg. Ein "toll gemacht", das kann herzlich oder bitterböse sein.

Auch Satzzeichen können plötzlich eine Rolle spielen. Ein Punkt am Ende wirkt für manche wie ein Schlussstrich oder mehrere Ausrufezeichen klingen vielleicht auch aggressiver, als sie gemeint sind.

Emojis helfen bei der Kommunikation

SWR1: Man sieht auch den Gesichtsausdruck nicht. Können Emojis ersatzweise bei der Kommunikation helfen?

Nestlen: Emojis nenn man auch nonverbale Signale. Studien zeigen auch da: Ein Smiley oder auch ein Sternchen, das muss nicht mal ein Gesicht sein, das kann einen Text freundlicher machen und Missverständnisse auch abfedern.

Aber Vorsicht, da verstehen auch nicht alle die Symbole gleich. Zum Beispiel der Zwinker-Smiley: Von manchen ist der total nett gemeint, von Jüngeren wird er aber laut Umfragen oft als überheblich wahrgenommen. Da gibt es also vielleicht Generationenkonflikte.

Das könnt ihr gegen Streits per Chat tun

SWR1: Wenn ich merke, ich verheddere mich gerade mit jemandem so richtig in einem Chat, was kann ich dann tun?

Nestlen: Die Konfliktforschung hat da ein paar Tipps, also erstmal atmen, durchatmen, nicht direkt aus der Emotion heraus tippen. Dann kommt der Klassiker "Ich-Botschaften". Also sagen, wie es mir geht, statt Vorwürfe zu machen, die mit "Du" anfangen.

Hilfreich ist, auch wenn wir, eigentlich bevor wir in einen Chat gehen, vielleicht mal klare Erwartungen besprechen in der Freundschaft. Zum Beispiel, wie schnell antworte ich normalerweise? Was heißt es, wenn es mal länger dauert?

Und natürlich am besten wichtige Konflikte nicht im Chat austragen, sondern im Gespräch von Gesicht zu Gesicht. Es gibt ja auch noch Telefon- und Videoanrufe.

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