Arbeitsmarktforscher Prof. Enzo Weber

Ausbildungsstart: Was Arbeitgeber tun müssen, um Bewerber zu erreichen

Viele Ausbildungsstellen bleiben unbesetzt – viele Jugendliche wollen lieber direkt in den Beruf starten. Was müssen Arbeitgeber tun, damit sie potenzielle Bewerber erreichen können?

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Stand

Am 1. August hat das neue Ausbildungsjahr begonnen – und viele Lehrstellen bleiben immer noch unbesetzt. Junge Leute, die die Schule abschließen, haben die Qual der Wahl und wollen oft direkt in den Beruf starten, statt eine Ausbildung abzuschließen.

Wie kommen Berufseinsteiger und Arbeitgeber zusammen? Mehr Kommunikation seitens der Arbeitgeber ist nötig, sagt Professor Enzo Weber vom Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung Nürnberg.

Ausbildungsstart: Viele Stellen unbesetzt

SWR1: Laut einer Bertelsmann-Studie will jeder fünfte Jugendliche nach der Schule lieber direkt arbeiten, statt eine Ausbildung zu machen. Für den Arbeitsmarkt ist das langfristig eine Katastrophe, oder? 

Prof. Enzo Weber: Die Zahl der jungen Erwerbspersonen ohne Berufsausbildung, die steigt seit Jahren. Mittlerweile liegt sie bei 13 Prozent. Das muss wirklich dringend anders werden, denn die Arbeitslosenquote von Menschen ohne Ausbildung, die liegt über 20 Prozent und vier von fünf offenen Stellen fordern eine Ausbildung. Also der Trend muss wirklich in die andere Richtung gehen.

Jugendliche fehlt Übersicht zu Möglichkeiten in Job und Ausbildung

SWR1: Liegt das an den Ausbildungen selbst oder muss man denen einfach nur mehr Geld geben?

Weber: Es sind ein paar Faktoren. Wir müssen wirklich ganz stark auf Berufsausbildung und vor allem Berufsberatung setzen. Wir sehen: Viele junge Menschen, die haben vor allem die ganz bekannten Berufe im Blick, aber ansonsten haben die oft nicht so eine Übersicht, gerade wenn sie gerade erst aus der Schule kommen.

Viele junge Menschen, die haben vor allem die ganz bekannten Berufe im Blick, aber ansonsten haben die oft nicht so eine Übersicht.

Dann sehen wir auch: Die Löhne in Helferjobs, die steigen doch jetzt seit Jahren wirklich deutlich, auch mit dem Mindestlohn. Und wir sehen: Zugewanderte passen oft einfach nicht in unser Bildungssystem rein, weil sie aus einem anderen System kommen, mit einem anderen Bildungshintergrund. Also da Kompetenzen anerkennen und dann auch berufsbegleitend qualifizieren, damit am Ende wirklich der Abschluss steht.

Arbeitgeber müssen für Jugendliche präsent sein

SWR1: Die Arbeitgeber müssen natürlich die Jugendlichen heute auch anders ansprechen. Zeitungsannonce war früher.

Weber: Man muss wirklich auf allen Kanälen kommunizieren. Man sieht allerdings durchaus, das Analoge, Herkömmliche, das zieht auch noch. Damit ist nicht unbedingt die Zeitungsannonce gemeint, aber die Firmenkontakte, die Schulbesuche zum Beispiel, die Messen, die Praktika – all das ist enorm wichtig.

Aber genauso eben auch wirklich online, Social Media. Da muss man auch die richtigen haben. Auf allen Kanälen kommunizieren – das ist ganz wichtig, damit man Menschen, gerade junge Menschen, dann auch rechtzeitig erreicht.

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Gute Voraussetzungen für Generation Z

SWR1: Wie beurteilen Sie die Zukunftsaussichten für die Generation, die jetzt ins Berufsleben startet?

Weber: Also grundsätzlich hat sich der Arbeitsmarkt gewandelt. In den 2000er-Jahren war Massenarbeitslosigkeit, man konnte froh sein, wenn man eine Ausbildungsstelle bekommen hat.

Diese ganzen Gerüchte, die Generation Z sei faul, die wollen nicht mehr arbeiten und so weiter, die sind alle völlig falsch.

Heute gibt es mehr Stellen als Bewerbende, da hat sich schon grundsätzlich was geändert. Dennoch jetzt haben wir seit drei Jahren allerdings Wirtschaftsabschwung, Industriekrise, das hinterlässt mittlerweile auch seine Spuren. Aber wenn wir da durchkommen, wenn wir es schaffen wirklich wieder auf einen starken Erneuerungstrend in der Wirtschaft zu kommen, dann glaube ich, haben die jungen Leute auch wirklich gute Chancen im Arbeitsmarkt.

Zwei junge Frauen unterhalten sich in einer Hängematte in einem modernen Büro: Viele der um die Jahrtausendwende Geborenen würden gerne gleich mit einem Teilzeitjob starten. Studien zeigen auch, dass junge Menschen der sogenannten Gen Z Arbeit und Freizeit voneinander trennen und lieber im Büro als im Homeoffice arbeiten möchten.

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Die Gen Z achtet auf Work-Life-Balance, Sinnhaftigkeit im Job und ihre mentale Gesundheit. Angesichts von Fachkräftemangel kann sie viel fordern.

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Die gute Nachricht ist auch: Diese ganzen Gerüchte, die Generation Z sei faul, die wollen nicht mehr arbeiten und so weiter, die sind alle völlig falsch. Also die Generation Z beteiligt sich heute am Arbeitsmarkt so stark wie eine junge Generation seit Jahrzehnten nicht mehr.

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Erstmals publiziert am
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Das Interview führte
Steffi Vitt
Interview mit
Prof. Enzo Weber
Onlinefassung
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