Rodney Smith gehört zu den großen amerikanischen Fotografen des 20. Jahrhunderts, in Deutschland ist sein Werk allerdings noch weitgehend unbekannt. Das könnte sich nun ändern: Die Kunsthalle Vogelmann in Heilbronn zeigt die erste umfassende Ausstellung des 2016 verstorbenen New Yorkers.
Leslie Smolan, Rodney Smiths Ehefrau, verwaltet heute seinen Nachlass. Für die Ausstellung in Heilbronn ist sie nach Deutschland gereist und gibt Einblicke in das Leben des Fotografen. „Rodney wollte Exzellenz, in jeder Hinsicht“, erzählt die Amerikanerin Smolan. Er sei wie ein Hochleistungssportler gewesen, erinnert sie sich, der so lange übe, bis er eins werde mit seinem Wettkampf.
Die fast durchgängig schwarz-weißen Fotografien von Rodney Smith wirken dabei so klassisch und perfekt inszeniert, dass sie geradezu altmodisch erscheinen oder wie es Smolan ausdrückt: „Diese Bilder sind zeitlos“. Man könne nicht sagen, ob sie 1940 aufgenommen sind oder im Jahr 2000.
Menschen, die aus der Realität kippen
Smith fotografiert Landschaften und Architekturen. Darin tauchen Menschen auf, die posieren, balancieren oder springen. Die Bilder wirken wie Standbilder aus absurden oder skurrilen Theaterstücken und sind gezielt inszeniert. Und doch wirken sie nie künstlich. Smith arbeitet mit natürlichem Licht, alltäglichen Gegenständen und vertrauten Orten: auf Straßen, Feldern oder an Flussufern.
Seine fotografische Laufbahn begann Smith als Schüler des großen Dokumentar-Fotografen Walker Evans. Zunächst arbeitete er als Bildjournalist. Später entwickelte der Künstler seinen eigenen, sehr besonderen Blick auf die Wirklichkeit. „Rodney hat einen Sinn für das Seltsame. Er fängt Schwebezustände ein, und dann sieht der Rest der Realität plötzlich falsch aus“, drückt es Smolan aus.
Rodney Smith kommt aus einer Modefamilie
Smith wuchs in einer erfolgreichen Modefamilie auf, sein Vater war ein einflussreicher Modeunternehmer. Dessen ausgeprägtes Stilbewusstsein prägte ihn, zugleich stand Smith allerdings der Oberflächlichkeit der Branche kritisch gegenüber.
Zunächst studierte er Theologie und Literaturwissenschaft, später wandte er sich der Fotografie zu. Als Modefotograf entwickelte er schließlich eine ganz eigene Bildsprache.
Es geht nicht um Supermodels
„Es geht nicht um Supermodels, Berühmtheit und Status. Seine Modelle, das könnte jedermann sein. Die Allerschönsten versteckt er“, erzählt Leslie Smolan über die Arbeit des Künstlers und deutet auf das Bild einer Frau, die fast vollständig mit Laub bedeckt ist. Das Bild trägt den Titel „Erin in Green“.
Für Anne Morin, Fotospezialistin aus Madrid und Ko-Kuratorin der Heilbronner Ausstellung, liegt genau darin die besondere Qualität von Rodney Smiths Fotografien: Sie geben ihre Geheimnisse nicht preis. „Am Ende beschreiben diese Bilder etwas Unerreichbares, ohne Auflösung, ohne Antwort. Rodney Smiths Poesie trägt uns dorthin – zu einem Rätsel über ein Rätsel.“
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