Erbsenzähler, Haarspalter, Prinzipienreiter, Korinthenkacker. Es gibt viele Worte für Pedanten. Und schon daran sehen wir: Pedanten fallen auf und nicht unbedingt angenehm. Aber die Pedanterie hat ja vielleicht auch etwas Gutes. Denn wo bleiben denn Ordnung, Wissen und Wahrheit, wenn nicht jemand ganz genau draufschaut und auf Ungenauigkeiten hinweist?
Der Rechtswissenschaftler Markus Krajewski von der Uni Basel hat den pingeligen Zeitgenossen ein ganzes Buch gewidmet: „Pedanten: Die ungeliebten Meister der Akribie“. Was einen Pedanten für ihn auszeichnet, ist „ein passioniertes Verhältnis zu Genauigkeit“. Diese Leidenschaft kann produktiv sein, solange sie sich „in einem Rahmen bewegt, den man als angemessen beschreiben kann“.
Problematisch wird sie, wenn sie kippt: Denn Pedanterie könne „ins Pathologische umschlagen“, wenn sie zu „lachhaften“ oder gar zum Teil auch „schmerzhaften Formen“ hinleite. Als Beispiel führt er den österreichischen Schriftsteller und Maler Adalbert Stifter an, dessen minutiöse Ordnungsliebe schließlich kontraproduktiv wurde.
Pedanterie als männliche Domäne?
Krajewski beschreibt außerdem die historische Ausdifferenzierung von männlicher und weiblicher Pedanterie. „Pedant sein ist in der frühen Phase etwas, was sich vor allem auf Gelehrte oder auf Lehrer beschränkt.“ Erst später weite sich das Phänomen aus, ab dem 18. Jahrhundert treffe es auf viele Bereiche zu. Die Pedantin sei dann beispielsweise „eine Person, die sich eben mit besonderer Sorgfalt zurechtmacht“ und „die Grenze zum Übertriebenen längst überschritten hat.“
Für die Gegenwart erinnert Krajewski an den Nutzen pedantischer Genauigkeit, etwa im Luftverkehr: „Der Luftverkehr gilt ja als eine Bewegungsform mit extrem hohen Sicherheitsstandards und die funktionieren nur, wenn mit einer entsprechenden differenzierten Sichtweise mit einem akribischen Blick auf die Sachen geschaut wird.“ Das sei „eine vielleicht auch allzu schnell vergessene Form der gegenwärtigen Pedanterie.“
Progressiver Pedantismus für die Gegenwart
Krajewski formuliert schließlich eine Idee von „progressivem Pedantismus“, der für die Gegenwart nützlich sein kann. Aus seiner Erfahrung im Wissenschaftsbetrieb sieht er die Gefahr, dass wir „allzu schnell dem in digitaler Form bereitgestellten Wissen glauben“. Dagegen empfiehlt er eine Haltung, wie sie für Pedanten typisch ist: „Nämlich besonders kritisch auf die Dinge zu schauen, durch einen besonders sorgfältigen Blick, durch einen Vergleich.“
Dieses Vergleichen zwischen „digitalem Wissen“ und „analogem Wissen“ verdichtet er zu einem Appell: „Das ist eine Art von Plädoyer für ein zweites Hinschauen, ja, ein noch mal drüber nachdenken, ob das, was man hier vorgesetzt bekommt, stimmig ist, ob das glaubwürdig ist und ob man dem vertrauen kann.“