Mit Wanderschuhen und Körben stehen rund ein Dutzend Pilzsammler am Waldrand bei Brandscheid im Eifelkreis Bitburg-Prüm. Sie nehmen an einer Exkursion mit Thomas Regnery teil. Der Pilzsachverständige stammt aus Gerolstein, lebt inzwischen in Spanien - kommt aber jedes Jahr zur Pilzsaison zurück in die Eifel. Gemeinsam geht es in den Wald - auf der Suche nach Pilzen für das Abendbrot.
Ohne Feuchtigkeit gibt es keine Pilze
Schon nach wenigen Metern verlassen die Pilzsucher den Trampelpfad und verteilen sich im Wald. Nur: Statt leise über federndes Moos zu laufen, knackt und raschelt es bei jedem Schritt. Der Boden ist staubtrocken.
Steinpilze, Maronen, Pfifferlinge? Am Schwarzen Mann Fehlanzeige. Die enorme Hitze und Trockenheit in diesem Sommer habe dafür gesorgt, dass viele Pilze gar keine Fruchtkörper ausgebildet haben, erklärt Regnery.
Die Wälder sind nicht pilzleer, aber es ist bis jetzt kein gutes Pilzjahr.
"Die Wälder sind nicht pilzleer, aber es ist bis jetzt kein gutes Pilzjahr", betont der Sachverständige. Morgens, bei einer Exkursion in Gerolstein, sind ein paar essbare Pilze im Korb gelandet. Wo der Boden durch Mooreinfluss noch feucht ist, könne man durchaus fündig werden, sagt er.
Wenig Pilze und kleine Exemplare
Am Schwarzen Mann dagegen müssen alle hart suchen. Unter Ästen, im Laub, zwischen Wurzeln. Viele Pilze sind winzig - drei, vier Zentimeter groß - und landen direkt vor der Nase des Experten. Regnery schaut sich jeden Fund genau an, riecht daran, bei manchen beißt er sogar vorsichtig ein kleines Stück ab.
Nach rund zwei Stunden liegen etwa 50 Pilze auf dem Tisch. Für Steinpilz und Marone ist es ohnehin schon spät im Jahr. In Gerolstein hatte Regnery am Morgen an einigen Stellen noch mehrere essbare Pilze entdeckt, hier ist die Ausbeute deutlich magerer. Bei der anschließenden Kontrolle sortiert er noch einmal aus.
Es reiche nicht zu wissen, ob ein Pilz giftig sei oder nicht, erklärt er. Auch der Zustand spiele eine wichtige Rolle. Einige der gefundenen Pilze sind bereits so weit verdorben, dass sie nicht mehr für den Verzehr geeignet sind und eine Lebensmittelvergiftung verursachen könnten.
Südländische Bäume bringen neue Pilzarten
Regnery beobachtet seit rund zwei Jahrzehnten, dass sich die Pilzsaison nach vorne verschiebt. September war früher der typische Pilzmonat, der August galt noch als normal. Inzwischen findet er teilweise schon im Juli oder sogar im Juni die ersten Steinpilze.
Wenn südländische Bäume hier heimisch werden, werden auch neue Pilzarten mit einziehen.
Gerade der Fichten-Steinpilz zeigt, wie eng Pilze und Bäume zusammenhängen. Er lebt in Symbiose mit der Fichte. Verschwinden die Fichten, verschwinden auch viele traditionelle Steinpilz-Stellen.
Trotzdem macht der Experte Hoffnung: "Wenn südländische Bäume hier heimisch werden, werden auch neue Pilzarten mit einziehen!"