Weniger Pilze im Wald

Mit leeren Körben durch die Eifel: Pilzsammler spüren den trockenen Sommer

Frust bei den Pilzsammlern: Nach dem trockenen Sommer ist die Ausbeute deutlich geringer als sonst. Am Schwarzen Mann in der Eifel reicht es oft nur für ein paar mickrige Funde.

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Von Autor/in Silja Friedrich

Mit Wanderschuhen und Körben stehen rund ein Dutzend Pilzsammler am Waldrand bei Brandscheid im Eifelkreis Bitburg-Prüm. Sie nehmen an einer Exkursion mit Thomas Regnery teil. Der Pilzsachverständige stammt aus Gerolstein, lebt inzwischen in Spanien - kommt aber jedes Jahr zur Pilzsaison zurück in die Eifel. Gemeinsam geht es in den Wald - auf der Suche nach Pilzen für das Abendbrot.

Auch beim Transport ist Vorsicht geboten: In Plastiktüten oder Eimern beschleunigt sich der Verwesungsprozess.
Pilze gehören in Körbe: In Plastiktüten oder Eimern verderben sie viel schneller.

Ohne Feuchtigkeit gibt es keine Pilze

Schon nach wenigen Metern verlassen die Pilzsucher den Trampelpfad und verteilen sich im Wald. Nur: Statt leise über federndes Moos zu laufen, knackt und raschelt es bei jedem Schritt. Der Boden ist staubtrocken.

Steinpilze, Maronen, Pfifferlinge? Am Schwarzen Mann Fehlanzeige. Die enorme Hitze und Trockenheit in diesem Sommer habe dafür gesorgt, dass viele Pilze gar keine Fruchtkörper ausgebildet haben, erklärt Regnery.

Thomas Regnery riecht an den Pilzen. Grüner Anis-Trichterling riecht stark nach Anis, andere nach muffigem Keller. Das hilft bei der Bestimmung. Man sollte aber zweimal hintereinander riechen, da am Anfang der typische Pilzgeruch oft dominiere.
Thomas Regnery riecht an den Pilzen: Er erkennt den Grünen Anis-Trichterling am Anisduft, andere Pilze erinnern eher an einen muffigen Keller. Bild in Detailansicht öffnen
Die typische Natterung am Stiel ist bei essbaren Riesenschirmlingen ein wichtiges Erkennungsmerkmal.
Die typische Natterung am Stiel ist bei essbaren Riesenschirmlingen ein wichtiges Erkennungsmerkmal. Bild in Detailansicht öffnen
Der Flaschen-Stäubling ist ein essbarer Pilz. Der rechte Pilz ist nicht mehr genießbar. Dies zeigt das kleine Loch im Pilz an.
Der Flaschen-Stäubling ist essbar. Der rechte Pilz ist nicht mehr genießbar - das zeigt das kleine Loch an der Spitze. Bild in Detailansicht öffnen
Lässt sich der Stiel wie ein Spargel auseinanderziehen und ist faserig-fleischig, dazu mit weißen Lamellen und einem fest angewachsenen Röckchen versehen, heißt es für Anfänger: Finger weg.
Lässt sich der Stiel wie ein Spargel auseinanderziehen, ist faserig-fleischig, hat weiße Lamellen und ein fest angewachsenes Röckchen, gilt für Anfänger: Finger weg! Bild in Detailansicht öffnen
Eine essbare Pilzgruppe erkennt man an den hellen, weißen bis gelblichen Lamellen. Zuerst wird geprüft, ob der Pilz Milch absondert. Tut er das nicht und lässt sich der Stiel ähnlich wie ein Apfelstück brechen, kann man vorsichtig ein kleines Stück probieren. Schmeckt es scharf, ist der Pilz nicht genießbar. Dies gilt nur bei sprödfleischigen Pilzen.
Eine essbare Pilzgruppe erkennt man an den hellen, weißen bis gelblichen Lamellen. Zuerst wird geprüft, ob der Pilz Milch absondert. Tut er das nicht und lässt sich der Stiel ähnlich wie ein Apfelstück brechen, kann man vorsichtig ein kleines Stück probieren. Schmeckt es scharf, ist der Pilz nicht genießbar. Dies gilt nur bei sprödfleischigen Pilzen. Bild in Detailansicht öffnen
Sind die Lamellen - wie hier - bereits wellig eingedrückt, ist der Pilz nicht mehr genießbar.
Sind die Lamellen - wie hier - bereits wellig eingedrückt, ist der Pilz nicht mehr genießbar. Bild in Detailansicht öffnen
Bevor man alle Pilze erntet, sollte man erst einmal prüfen, ob diese essbar sind. Ansonsten soll man sie stehen lassen.
Bevor man alle Pilze erntet, sollte man zuerst prüfen, ob sie essbar sind - sonst lässt man sie besser stehen. Bild in Detailansicht öffnen

Die Wälder sind nicht pilzleer, aber es ist bis jetzt kein gutes Pilzjahr.

"Die Wälder sind nicht pilzleer, aber es ist bis jetzt kein gutes Pilzjahr", betont der Sachverständige. Morgens, bei einer Exkursion in Gerolstein, sind ein paar essbare Pilze im Korb gelandet. Wo der Boden durch Mooreinfluss noch feucht ist, könne man durchaus fündig werden, sagt er.

Wenig Pilze und kleine Exemplare

Am Schwarzen Mann dagegen müssen alle hart suchen. Unter Ästen, im Laub, zwischen Wurzeln. Viele Pilze sind winzig - drei, vier Zentimeter groß - und landen direkt vor der Nase des Experten. Regnery schaut sich jeden Fund genau an, riecht daran, bei manchen beißt er sogar vorsichtig ein kleines Stück ab.

Nach rund zwei Stunden liegen etwa 50 Pilze auf dem Tisch. Für Steinpilz und Marone ist es ohnehin schon spät im Jahr. In Gerolstein hatte Regnery am Morgen an einigen Stellen noch mehrere essbare Pilze entdeckt, hier ist die Ausbeute deutlich magerer. Bei der anschließenden Kontrolle sortiert er noch einmal aus.

Es reiche nicht zu wissen, ob ein Pilz giftig sei oder nicht, erklärt er. Auch der Zustand spiele eine wichtige Rolle. Einige der gefundenen Pilze sind bereits so weit verdorben, dass sie nicht mehr für den Verzehr geeignet sind und eine Lebensmittelvergiftung verursachen könnten.

Viele der wenigen gefundenen Pilze sind bereits vertrocknet.
Viele der wenigen gefundenen Pilze sind bereits vertrocknet.

Südländische Bäume bringen neue Pilzarten

Regnery beobachtet seit rund zwei Jahrzehnten, dass sich die Pilzsaison nach vorne verschiebt. September war früher der typische Pilzmonat, der August galt noch als normal. Inzwischen findet er teilweise schon im Juli oder sogar im Juni die ersten Steinpilze.

Wenn südländische Bäume hier heimisch werden, werden auch neue Pilzarten mit einziehen.

Gerade der Fichten-Steinpilz zeigt, wie eng Pilze und Bäume zusammenhängen. Er lebt in Symbiose mit der Fichte. Verschwinden die Fichten, verschwinden auch viele traditionelle Steinpilz-Stellen.

Trotzdem macht der Experte Hoffnung: "Wenn südländische Bäume hier heimisch werden, werden auch neue Pilzarten mit einziehen!"

Kaiserslautern/Neustadt a. d. W.

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Erstmals publiziert am
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Autor/in
Silja Friedrich

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