Es war ein Anblick, der vielen Menschen im Westerwald damals zu schaffen machte: Tausende abgestorbene Fichten und riesige Kahlflächen, wo einst dichter Wald stand. Die Dürrejahre ab 2018 und Millionen von Borkenkäfern hatten ganze Arbeit geleistet.
Doch fünf Jahre später zeigt sich: Die Natur hat eine erstaunliche Kraft zur Selbstheilung - wenn man sie lässt. Der Leiter des Forstamts Neuhäusel und die Leiterin des Forstamts Hachenburg zeigen, was in den letzten Jahren in den Wäldern passiert ist.
Tausende Hektar Wald vom Fichtensterben betroffen
Allein im Bereich des Forstamts Neuhäusel waren rund 3.000 Hektar Waldfläche vom Fichtensterben betroffen. Im Forstamt Hachenburg waren es sogar rund 3.600 Hektar. "Die Menschen in der Region waren damals entsetzt und in Trauerstimmung", erinnert sich Friedbert Ritter, der Leiter des Forstamts Neuhäusel. Auch ihm und seinen Kollegen habe das sehr wehgetan.
Fünf Jahre später ist die Situation aber schon eine ganz andere. Ritter ist sehr zufrieden, wenn er sich die meisten der ehemaligen Kahlflächen heute anschaut. Das sieht auch Monika Runkel so, die Leiterin des Forstamts Hachenburg: "Ich bin sehr zufrieden, die Flächen haben sich besser entwickelt, als wir erwartet hatten."
Großteil der Kahlflächen der Natur überlassen
Zwei Drittel der ehemaligen Kahlflächen haben beide Forstämter sich selbst überlassen. Friedbert Ritter zeigt das beispielhaft an einer Fläche bei Kadenbach. Wo vorher fast nur Fichten standen, wachsen jetzt zahlreiche verschiedene Bäume und Büsche, wie Roteichen, Birken, Hainbuchen oder Douglasien. "Was sich hier von Natur aus entwickelt, hätten wir uns besser nicht wünschen können", so Ritter. Es entstehe ein vielfältiger und hoffentlich klimastabilerer Mischwald.
Vereinzelt wurden auf solchen Flächen auch Bäume dazu gepflanzt, zeigt Monika Runkel auf einer Fläche bei Müschenbach. "Wir haben hier einzelne Eichen gepflanzt, um noch mehr Vielfalt reinzubringen", erklärt Runkel. Etwa zehn verschiedene Baumarten wachsen dort, die teils schon einige Meter hoch sind. Dass hier vor fünf Jahren noch alles kahl war, daran erinnern nur noch wenige Baumstümpfe.
Bei dieser Art der natürlichen Wiederbewaldung sei vor allem die richtige Kommunikation wichtig gewesen, so Runkel. Denn Jahrzehnte lang hätten sowohl die Förster als auch die Menschen in der Region ein anderes Bild von Wiederbewaldung im Kopf gehabt. "Wir haben viele Exkursionen gemacht, um etwa den Bürgermeisterinnen und Bürgermeistern zu erklären, dass man nicht zwangsläufig viele Bäume pflanzen muss, damit wieder Wald entsteht."
Hochwertiges Saatgut für einen stabileren Zukunftswald
Früher wurden oft viele Bäume Reihe für Reihe auf einer Kahlfläche gepflanzt, erinnert sich Friedbert Ritter. Heute gehen die Förster anders vor, sie pflanzen nur noch punktuell kleine Gruppen von Bäumen auf den Kahlflächen.
Oft sind das Baumarten, die nicht von Natur aus dort wachsen. Das mache den Wald im Klimawandel resilienter. Denn mehr Baumarten bedeuteten weniger Risiko gegenüber Klimaveränderungen, Pilzen oder Insekten. Wenn eine Baumart krank werde und absterbe, blieben andere Baumarten übrig und der Wald als Ganzes bliebe erhalten.
"Wir haben außerdem darauf geachtet, dass unser Saatgut besonders hochwertig ist", erklärt Ritter. Die Eichensamen kämen aus dem Pfälzerwald, die Kastaniensamen aus Bernkastel-Kues und die Douglasiensamen aus Kaiserslautern. Wichtig sei eine möglichst hohe genetische Vielfalt.
Manche Waldflächen sind immer noch ziemlich kahl
Nicht auf allen Waldflächen im Westerwald stehen aber schon wieder meterhohe Bäume und Büsche. Manche der Flächen sehen auch fünf Jahre nach dem Fichtensterben noch ziemlich kahl aus. Zum Beispiel eine Fläche bei Alpenrod, wo der Boden eher schlecht und steinig ist. "Hier sind die Bedingungen einfach schlechter, es wird deshalb länger dauern, bis hier wieder Wald wächst", erklärt Monika Runkel.
Auch im Bereich des Forstamts Neuhäusel gibt es solche Flächen, etwa auf der Montabaurer Höhe. Dort sind die Böden zwar gut, dafür gibt es dort ein anderes Problem bei der Wiederbewaldung. "Wir haben hier viel Rotwild, die Tiere fressen viele junge Triebe von Bäumen ab", erklärt Ritter.
Wild gehöre zum Wald dazu und fresse nun mal auch junge Bäume, das sei ganz normal. Das Gleichgewicht müsse aber stimmen. Die Jäger würden daher eine wichtige Rolle bei der Wiederbewaldung spielen. Denn Ritter stellt fest: wo mehr gejagt wird, wächst der Wald besser.