"Ein Teil der Gesellschaft ist bereits sensibel für die Lebensrealität von Mädchen. Gleichzeitig fehlt es vielerorts noch an einem tieferen Verständnis für ihre spezifischen Herausforderungen", sagt Annika Baldamus, Geschäftsführerin im MädchenHaus. Deswegen bleiben Angebote wie das MädchenHaus in Mainz auch in Deutschland weiterhin relevant.
Das zeigt auch ein Blick in die Polizeiliche Kriminalstatistik aus dem Jahr 2025: In diesem Jahr wurden 2.558 Mädchen im Alter von 14 bis 18 Jahren Opfer einer Straftat. Unter den Opfern von Straftaten gegen die sexuelle Selbstbestimmung waren im Jahr 2025 498 Mädchen und lediglich 32 Jungen. Das geschlechtsspezifische Gefälle ist enorm. Auf Ungleichheiten in der Behandlung soll auch der internationale Weltmädchentag am 11.10. aufmerksam machen.
"Mein größter Wunsch wäre, dass Mädchen unabhängig von ihrem Wohnort, ihrer Herkunft, ihrer Lebenssituation sicher, selbstbestimmt und mit gleichen Chancen aufwachsen können." Dafür brauche es mehr Aufmerksamkeit auf das Thema. Der Weltmädchentag allein reiche dafür nicht aus. Jedes Mädchen sollte jederzeit wissen, wo sie Hilfe bekomme. Und vor allem darauf vertrauen können, dass ihr geglaubt wird.
Warum spezifische Angebote für Mädchen weiterhin nötig sind
Das MädchenHaus in Mainz ist einer dieser schützenden Orte. Hier unterstützen Frauen Mädchen und junge Frauen zwischen 13 und 27 Jahren dabei, sich zu schützen und selbstbestimmt zu leben. Wieso es diesen Ort braucht? Annika Baldamus hat darauf gleich mehrere Antworten: "Geschlechtsspezifische und sexualisierte Gewalt, Belästigung, Kontrolle, die Konfrontation mit Schönheitsidealen und auch traditionelle Rollenbilder beeinflussen den Alltag von Mädchen und jungen Frauen und ihre Entwicklung sehr." Diese spezifischen Herausforderungen machen Orte wie das MädchenHaus unverzichtbar.
UNICEF, das Kinderhilfswerk der Vereinten Nationen, schreibt: "Alle Kinder haben die gleichen Rechte - aber Mädchen noch nicht die gleichen Chancen." Auf dieses Ungleichgewicht möchte der Weltmädchentag aufmerksam machen. Und dieser Aufgabe hat sich auch das MädchenHaus verschrieben. Dabei gehe es aber nie darum, Mädchen und Jungen gegeneinander zu stellen, erklärt Baldamus. "Es geht darum zu sehen, dass es unterschiedliche Lebensrealitäten gibt und Mädchen die Unterstützung zu geben, die sie brauchen."
Im MädchenHaus: Mädchen stärken und schützen
In den geschützten Räumen des MädchenHauses können die Mädchen genau das erfahren. "Geschützt" sind die Räume gleich zweifach: Zum einen dienen sie als "Safe space" zum anderen dienen sie teilweise auch als Zuflucht zum Beispiel vor Tätern. Sie finden hier Hilfe und Unterstützung: Sie können über eigene Erfahrungen sprechen, ohne sich rechtfertigen zu müssen. Sie erhalten die Möglichkeit, eigene Stärken zu entdecken und zu lernen, Grenzen zu erkennen und zu setzen.
Die Herausforderungen, mit denen Mädchen ins MädchenHaus kommen, sind vielfältig: Sicherheit, familiäre Konflikte, psychische Belastungen, Ausgrenzungen, digitale und sexualisierte Gewalt, Leistungsdruck und Erwartungen, die an Mädchen gestellt werden. Wichtig ist Annika Baldamus vor allem eines: Den Mädchen egal in welcher Lebenssituation zu helfen.