Auf den ersten Blick wirkt es ein bisschen wie fluffige Zuckerwatte, die sich kunstvoll um die Äste im Wald gelegt hat – tatsächlich handelt es sich jedoch um ein ungewöhnliches Naturphänomen: sogenanntes Haareis, auch Eiswolle genannt.
In den Wintermonaten kann man die feinen weißen Fäden auch in den Wäldern der Region Trier entdecken. Aktuelle Aufnahmen stammen aus dem Geweber Wald bei Plütscheid im Eifelkreis Bitburg-Prüm.
Wie die Natur die Eiswolle spinnt
Forstrevierleiter Jürgen Wagner erklärte im SWR-Gespräch, dass Haareis nur unter ganz bestimmten Bedingungen entsteht. Entscheidend seien niedrige Temperaturen sowie abgestorbenes Laubholz, in dessen Innerem bereits ein Zersetzungsprozess stattfindet.
Dabei werde Wasser aus dem Holz nach außen gedrückt und gefriere dort – allerdings nur in einem sehr engen Temperaturbereich knapp unter dem Gefrierpunkt.
Wer achtsam durch den Wald gehe, könne das Phänomen jeden Winter entdecken, sagt Wagner. Totholz liege schließlich vielerorts auf dem Waldboden – man müsse nur genau hinschauen.
Warum Eis wie Haare wächst
Haareis bildet sich bevorzugt an rindenfreien Stellen von morschen Ästen oder Baumstümpfen. Anders als Raureif oder Eiszapfen wächst es nicht von oben nach unten, sondern wird von der Holzoberfläche nach außen geschoben.
Das Wasser im Inneren des Holzes gefriert dabei schrittweise und wird durch nachdrückende Feuchtigkeit immer weiter nach außen gepresst. So entstehen extrem feine Eisfäden, die mehrere Zentimeter lang werden können, aber kaum dicker als ein Haar sind.
Begünstigt wird dieser Prozess durch hohe Luftfeuchtigkeit und Windstille, wie sie häufig in klaren Winternächten herrschen. Tagsüber schmilzt das filigrane Eis meist schnell wieder, weshalb es nur für kurze Zeit sichtbar ist.
Forschende aus der Schweiz und Deutschland konnten zeigen, dass der winteraktive Pilz "Exidiopsis effusa" eine entscheidende Rolle bei der Entstehung von Haareis spielt. Durch den Abbau des sogenannten Lignins verhindert der Pilz die Bildung großer Eiskristalle. Dadurch können sich stattdessen die typischen feinen Eisfäden bilden.
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Geduld wird belohnt
Besonders gute Chancen haben Spaziergängerinnen und Spaziergänger in Laub- und Mischwäldern, etwa in der Eifel oder im Trierer Umland. Wer früh morgens unterwegs ist und Totholz am Wegesrand genauer betrachtet, kann mit etwas Glück Zeuge dieses ungewöhnlichen Naturschauspiels werden.