Drei Forstwirte sind mit einer Rückemaschine im Meulenwald unterwegs. Heute ist ein Prüfer von Landesforsten Rheinland-Pfalz dabei. Die Arbeiter im Wald fällen Nadelbäume im Forstrevier Kordel-Zemmer. Nach einem Sturm und einem Gewitter sind einige Bäume geschädigt und nicht mehr stabil. Einige Stämme haben sie schon gefällt.
Nachhaltig - auch wenn Bäume gefällt werden
Prüfer Michael Kirchner guckt, ob der Arbeitsschutz stimmt. Gerade für das FSC-Zertifikat müssen Forstämter viel dokumentieren und festhalten. Von der Bedienungsanleitung für jede Motorsäge bis zum Erste-Hilfe-Nachweis für die Mitarbeiter. Zwar geht es beim FSC-Siegel um ein weltweites Nachhaltigkeitszertifikat. Dazu begutachtet der Prüfer auch die Geräte und wie die gefällten Stämme am Weg gelagert werden.
Einmal im Jahr werden die Kriterien für das FSC-Zertifikat überprüft. Dann geht es nicht nur um Umweltschutz, sondern auch um die Sicherheit der Waldarbeiter im Forstamt Trier.
Schutz beim Baumfällen
Der Prüfer zeigt auf drei Nadelbäume, die rund hundert Meter weiter weg stehen. In der Krone einer Kiefer hängt ein abgestorbener Ast. Dieser könnte beim Fällen des Baums den Arbeitern auf den Kopf fallen. Es hat schon tödliche Unfälle durch herabstürzende Äste bei Waldarbeitern gegeben, wie Prüfer Michael Kirchner berichtet:
"Gerade wenn Bäume gefällt werden, brechen Äste ab, bleiben an Nachbarbäumen noch irgendwo hängen und können denjenigen, der sich da darunter aufhält, gefährden."
Vor drei Jahren gab es gleich zwei solcher Unfälle mit Ästen. Zwei Kollegen kamen zu Tode. Wenn Äste aus großer Höhe herabfielen, schütze auch der Helm nicht mehr.
Umgang mit schwierigen Situationen im Forst
Wie sollen die Waldarbeiter die Situation jetzt im Meulenwald lösen? Prüfer Michael Kirchner stellt zur Diskussion, welche Möglichkeiten es gibt. Vielleicht den Baum herausziehen?
Forstamtsleiter Gundolf Bartmann findet es gut, dass die Forstwirte über verschiedene Möglichkeiten diskutieren. Es gehe nicht darum, Fehler zu suchen, sondern unterschiedliche Lösungen abzuwägen.
Biotop-Bäume dürfen wachsen und auch später zerfallen
Im Nachbarrevier Fell zeigt der Revierleiter einen Bereich mit Bäumen, die sich selbst überlassen werden. Diese Biotop-Bäume sind mit weißen Wellen markiert. Er hat alles genau in seinem Laptop kartografiert und festgehalten. Auch diese Vorgehensweise gehöre zum Standard für Nachhaltigkeit. Damit sich dort geschützte Arten ansiedeln wie Fledermäuse und andere Tiere und Pflanzen.
Forstamtsleiter Bartmann sagt, das bringe auch Aufwand mit sich. Man müsse da vermehrt auf die Gefahren des Waldes hinweisen. "Wenn ich Zersetzungsprozesse im Wald haben will, habe ich gleichzeitig natürlich auch mehr herunterfallende Äste, herabstürzende Kronen, zusammenbrechende Bäume. Das gehört dann zur Natur dazu und mit der muss ich als Mensch auch umgehen."
Viele Vorschriften im Wald
Forstamtsleiter Gundolf Bartmann weiß um die aufwändige Dokumentation für den Wald - hält das aber für sinnvoll.
"Natürlich braucht das Zeit, ist aufwändig und in der Zeit wäre ich vielleicht lieber im Wald, aber mein eigener Anspruch ist ja als Förster oder Forstwirt den Wald ökologisch und sinnvoll zu bewirtschaften und zu betreuen. Und das kann ich nur, wenn ich die Regeln für diese Betreuung auch kenne und anwende."
Insofern dienten solche Überprüfungen auch dazu, dass man sich als Forstwirt oder Förster immer wieder reflektiere, ob man auf dem richtigen Weg sei.
Forstamtsleiter fordert Fingerspitzengefühl bei neuen Verordnungen
Sorge bereiten dem Forstamtsleiter aber mögliche neue EU-Vorschriften und Gesetzgebungen für die Waldwirtschaft. Gerade hat die EU erneut eine Verordnung verschoben. Die Entwaldungsverordnung sollte eigentlich am 30. Dezember in Kraft treten. Schon viele Verbände und Unternehmen haben gefordert, sie nicht nur zu verschieben, sondern auch zu überarbeiten - wegen überbordender Bürokratie.
56.000 Arbeitsplätze hängen im Land an der Forstwirtschaft
Forstamtsleiter Bartmann sagt, er würde es gutheißen, wenn neue EU-Verordnungen sich in die jetzigen Regeln integrieren ließen. Man müsse nämlich auch daran denken, dass es Waldbesitzer gibt, die vom Wald leben. Und an rund 56.000 Arbeitsplätze in Rheinland-Pfalz in der Forst- und Holzwirtschaft.
Denn Bartmann geht davon aus, dass Förster und Forstwirte in Deutschland und gerade in Rheinland-Pfalz schon jetzt sehr gut aufgestellt sind im naturnahem Waldbau und schonendem Umgang mit der Umwelt.