Jeden ersten Dienstag im Monat trifft sich bei der Arbeiterwohlfahrt (AWO) in Traben-Trarbach eine Gruppe von Frauen aus der Ukraine. An dem langen Tisch im großen Saal trinken sie Kaffee, sprechen über Bücher, Musik und den Krieg zu Hause.
Für Olgaya Kymenko aus Kiew ist die AWO in den vergangenen Monaten zu einer Art zweite Heimat geworden, sagt sie: "Das Symbol der AWO ist ein Herz. Und die Leute, die hier arbeiten, sind auch sehr, sehr herzlich. Nirgendwo habe ich mich so willkommen und so zu Hause gefühlt wie hier."
Viele Gäste und Ehrenamtliche sind im Rentenalter
Es sind vor allem ältere Menschen, die sich bei der Arbeiterwohlfahrt treffen - zum Kaffeeklatsch, zum Spielenachmittag, zum Yoga oder zum Frauenfrühstück. Beim Modetreff am Freitag, einer Kleiderbörse für gebrauchte Klamotten, sei viel Betrieb.
Doch nicht nur die Gäste sind meist im Rentenalter, sondern auch die Männer und Frauen, die all diese Angebote stemmen. Der Ortsverein der AWO hat kürzlich seinen 80. Geburtstag gefeiert. Der Vorsitzende Karl-Heinz Weisgerber wird auch bald 80 und seine Mitstreiter im Vorstand sind nicht viel jünger. Ein Problem, sagt er: "Ich kann vielleicht noch ein Jahr weitermachen. Wir brauchen aber dringend Mitglieder, die übernehmen können."
Ohne Nachwuchs muss Ortsverein aufgeben
Doch bislang steht der Nachwuchs nicht gerade Schlange. Wenn das so bleibt, steht der Verein vor dem Aus. "Dann machen wir die Tür zu", sagt Weisgerber: "Das würde uns auch sehr weh tun und es wäre für Traben-Trarbach und das Umland ein Verlust. Auch wenn das viele erst merken werden, wenn es zu spät ist."
Auch Marcus Heintel von der SPD liegt das Haus am Herzen. Der Bürgermeister der Verbandsgemeinde hat hier seinen Zivildienst absolviert und engagiert sich seitdem ehrenamtlich bei der Arbeiterwohlfahrt: "Ich bin ein Kind der AWO, insofern wäre das für mich schon schade, wenn es hier nicht weitergeht. Wir brauchen eher mehr als weniger solche Orte, weil die Gesellschaft immer weiter auseinanderdriftet. Hier wird Gemeinschaft gelebt."
Immer mehr AWO-Gruppen lösen sich auf
Nur wie kann es gelingen, junge Menschen für das Ehrenamt zu begeistern oder gar für einen Vorstandsposten? Das Problem kennen viele Vereine auf dem Land. Die AWO-Ortsgruppen tun sich aber besonders schwer, eine neue Generation heranzuziehen, sagt Jeannette Hess vom Bezirksverband der Arbeiterwohlfahrt Rheinland: "Gerade die Vereine, die sich vor allem um Senioren kümmern, haben selbst ein hohes Durchschnittsalter."
Vor zehn Jahren habe es noch 162 Ortsvereine der Arbeiterwohlfahrt im nördlichen Rheinland-Pfalz gegeben. Heute seien es schon 22 weniger. Im Sommer 2024 traf es schon einmal eine Gruppe in der Nähe von Traben-Trarbach. Damals löste sich der Verein im Alftal auf, die verbliebenen Mitglieder sind nach Traben-Trarbach gewechselt. Der Grund war auch dort die Überalterung.
Neues Angebot des SWR Studios Trier Nachrichten aus der Region Trier jetzt auf WhatsApp lesen
Das SWR Studio Trier ist jetzt auch auf dem Messenger-Dienst WhatsApp aktiv. Dort finden Sie regionale Nachrichten von Mosel und Saar, aus der Eifel, Hunsrück und Hochwald.
Bürokratie schreckt junge Menschen ab
Gerade junge Menschen binden sich ungern an Vereine, meint Jeannette Hess vom Bezirksverband der AWO. Freiwillige für Aktionen fänden sich immer. Nur den Papierkram wolle keiner machen: "Wenn Sie fragen, wer der Schriftführer sein will, meldet sich keiner." Die Bürokratie schrecke also viele Jüngere ab, sich einzubringen.
Sie glaubt trotzdem, dass der Ortsverein in Traben-Trarbach noch eine Chance hat, "wenn die Menschen vor Ort Gespräche führen und es schaffen, sich interessant zu machen." Die Ehrenamtlichen müssten es den jungen Leuten klar machen, dass die AWO wichtig sei: "Es ist eine Anlaufstation, schafft Gemeinschaft im Ort und begegnet damit auch der Einsamkeit der alten Menschen. Das ist schon eine ganz wichtige Sache und wenn das wegfällt, dann fehlt es."
Auch Olgaya Kymenko würde der Treffpunkt fehlen, sagt sie. Bei der AWO hat sie Anschluss gefunden - an die ukrainische Community an der Mosel, aber auch an die Ehrenamtlichen: "Für mich ist das hier ein Ort der Menschlichkeit und der Hoffnung."