Vier Jahre nach Beginn des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine leben mehrere tausend Menschen mit ukrainischer Staatsangehörigkeit in Trier und der Region. Alleine in Trier sind es rund 2.800. Viele arbeiten, lernen Deutsch, ihre Kinder besuchen Schulen und Kitas. Trier ist für sie ein neuer Lebensmittelpunkt geworden. Doch Ankommen ist nicht für alle gleichbedeutend mit Sicherheit.
Denn noch immer gibt es Hürden: Bezahlbarer Wohnraum ist in Trier seit Jahren knapp. Für Menschen, die neu in der Stadt sind und dringend eine Unterkunft brauchen, ist die Lage besonders schwierig. Beratungsstellen berichten immer wieder von Mietverhältnissen, die aus einer Notsituation heraus geschlossen werden – und sich später als problematisch erweisen.
Traum von neuem Zuhause vorerst geplatzt
Eine ukrainische Familie mit zwei Kindern hat sich mit einem Hilferuf an den SWR gewandt. Sie schildert massive Konflikte mit ihrem Vermieter nach dem Einzug in eine Wohnung in Trier.
Nach Angaben der Familie seien an ihrem Stromzähler Geräte angeschlossen gewesen, die nicht zu ihrer Wohnung gehörten. Als sie um eine transparente Abrechnung gebeten habe, sei ihr zeitweise die Heizung abgeschaltet worden. Stattdessen habe man ihnen elektrische Heizgeräte zur Verfügung gestellt.
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Vermieter drohte ukrainischen Mietern
Die Familie betont, sie habe sich nie geweigert zu zahlen. "Ich habe mehrfach schriftlich erklärt, dass ich mich nicht weigere zu zahlen, sondern lediglich um eine nachvollziehbare und transparente Abrechnung bitte", so der Vater.
Hinzu kamen Drohungen, Beleidigungen und massiver psychischer Druck. Alle geforderten Beträge seien inzwischen beglichen worden. Der SWR hat den vom Vermieter inzwischen gekündigten Mietvertrag, Abrechnungen sowie Schriftverkehr beider Seiten eingesehen. Der Vermieter wollte sich auf Anfrage nicht äußern.
Solche Fälle sind kein Massenphänomen, aber auch kein Ausnahmezustand.
Um den Fall einzuordnen, hat der SWR mit dem Netzwerkhafen Ukraine e.V. gesprochen. Der Trierer Verein begleitet ukrainische Geflüchtete seit Beginn des Krieges bei Alltags- und Integrationsfragen. Auch ihm ist der Fall der Familie bekannt.
"Solche Fälle sind kein Massenphänomen, aber auch kein Ausnahmezustand", sagt der Vereinsvorsitzende Yuriy Grinberg. Es entsteht dort, wo mehrere Faktoren zusammenkommen: ein enger Wohnungsmarkt, Zeitdruck, Sprachbarrieren, rechtliche Komplexität und das Gefühl, im Streitfall allein zu sein.
Grinberg beschreibt, wie sich die Anfragen in den vergangenen Jahren verändert haben: "Am Anfang waren es ganz alltägliche Dinge – Unterlagen ausfüllen, übersetzen, Termine organisieren. Mittlerweile sind es eher kompliziertere Fälle. Viele betreffen Wohnungsangelegenheiten." Dabei gehe es häufig um Nebenkostenabrechnungen, Mängel oder Missverständnisse in Mietverhältnissen.
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Ein zentrales Problem sei die Notsituation: "In dieser Situation denkt man nicht über Details nach. Die Betroffenen sind quasi erst einmal blind, weil diese Not gelöst werden muss." Viele Menschen stellten erst später fest, dass es Probleme gebe: "Die Heizung funktioniert nicht richtig. Es gibt keinen Überblick über Stromkosten. Oder es gibt Schimmel."
Grinberg betont zugleich: "Die Willkommenskultur in Trier ist ziemlich gut. Es gibt diese problematischen Fälle, aber die Regel ist es nicht."