Als Constanze Santarossa Ende Juni vor ihrer Haustür in der Mainzer Neustadt einen kleinen Vogel entdeckte, ahnte sie noch nicht, dass er sie noch Wochen begleiten würde: "Ich wusste nicht so ganz, was das war und hab es auch erstmal dort gelassen, weil ich gedacht habe, die Mama würde noch vorbeikommen."
Vor der Hitze aus dem Nest gesprungen
Es war einer der extrem heißen Tage und der kleine Vogel hatte sich in den Schatten geflüchtet. Wie viele Jungvögel war er vermutlich wegen der Hitze aus seinem Nest gesprungen. Constanze stellte ihm zunächst etwas Wasser hin und wartete ab. Später nahm sie den kleinen Mauersegler, den sie inzwischen "Maui" nennt, mit zum Tierarzt - aus Angst, dass er sterben könnte.
Hitzewelle: Tierheime am Limit
Weil es in der Praxis aber keinen Arzt gab, der sich mit Vögeln auskennt, versuchte sie es bei Tierheimen. Doch wegen der Hitze gibt es in vielen Tierheimen und Auffangstationen momentan einen Aufnahmestopp. Sie bitten deshalb Menschen wie Constanze um Mithilfe. Wer sich bei Fachleuten gut informiere, könne einen Jungvogel selbst aufziehen, so die Botschaft.
Pflegestationen am Limit Sprung in den Tod: Wie die Hitze junge Vögel in den Abgrund treibt
Während der letzten extremen Hitzewelle sind reihenweise Jungvögel aus ihren Nestern gefallen. Viele sind gestorben, andere haben verletzt überlebt. Die Tierheime sind am Limit.
"Maui" wird zum Nachbarschaftsprojekt in Mainz
Also begann Constanze Saragossa zu recherchieren, was "Maui" helfen könnte. Auch ihre Familie und die Nachbarn holte sie mit ins Boot: "Wir haben jeden Abend zusammengesessen und haben unsere Informationen, die wir über den Tag gesammelt haben, zusammengetragen." So entstand rund um den kleinen Vogel ein kleines Nachbarschaftsprojekt.
Übung für den künftigen Beruf: Luisa will Tierärztin werden
Besonderes Glück hatten sie mit ihrer jugendlichem Nachbarin Luisa: Die 13-jährige will Tierärztin werden und hatte sich schon mal um einen Mauersegler gekümmert. "Die hat den Vogel gleich gepackt und hat versucht ihn zu füttern und das war Gold wert", erzählt Constanze.
Einen kleinen Mauersegler aufzuziehen ist aber gar nicht so einfach - vor allem das Füttern mit kleinen Insekten ist herausfordernd. "Maui" pickt nicht einfach selbst, sondern muss aktiv gefüttert werden: Luisa muss den Schnabel erst öffnen und die Insekten direkt hineinsetzen. Inzwischen macht sie das ziemlich routiniert.
Sommerferien: Schwerer Abschied steht bevor
Mittlerweile geht es "Maui" besser - nur fliegen möchte der kleine Mauersegler noch nicht. Jeden Abend startet die Familie mit ihm einen Flugversuch und hofft, dass er bald losfliegt. Denn Ende der Woche fährt die Familie und auch Nachbarin Luisa in den Urlaub.
Damit der kleine Mauersegler dann nicht allein gelassen wird, hat die Familie aber vorgesorgt. Das Tierheim in Mainz könnte ihn jetzt aufnehmen. Leicht wird der Abschied nach drei Wochen aber so oder so nicht. "Maui" ist der ganzen Familie ans Herz gewachsen.