ZF Friedrichshafen verkauft sein Geschäft mit Fahrerassistenzsystemen an die Samsung-Tochter Harman International. Das betrifft auch Hunderte Beschäftigte in Koblenz, die künftig aber wohl keine Abstriche machen müssen. Das haben IG Metall und ZF-Betriebsrat verkündet.
Nach Angaben der Gewerkschaft sind von der Ausgliederung weltweit mehr als 3.600 Mitarbeitende betroffen, in Deutschland mehr als 700. Die Gewerkschaft begleitet deren Übergang in das neue Unternehmen kritisch, aber konstruktiv. Sie hat hierzu Verhandlungen für alle deutschen Standorte zentral aus Koblenz geführt.
ZF-Standort Koblenz verfügt über hohe Kompetenz
Denn allein hier war nach Gewerkschaftsangaben im Dezember 2025 rund die Hälfte aller deutschen ZF-Mitarbeitenden in der Sparte Fahrerassistenzsysteme beschäftigt. Seinen hohen Stellenwert soll der Standort Koblenz auch unter neuer Führung behalten. Das bestätigte Ali Yener, Erster Bevollmächtigter der IG Metall Koblenz. Harman International zieht demnach in einer Werkhalle gegenüber des bisherigen ZF-Standorts ein.
"Koblenz wird künftig der Hauptsitz für dieses Geschäftsfeld sein", so Yener am 16. März im Rahmen einer Pressekonferenz. Die Gewerkschaft und der Koblenzer ZF-Betriebsrat waren mit drei klaren Zielen in die Verhandlungen gegangen. "Die hauptsächlichen Themen waren Standortsicherung, Arbeitsplatzsicherung und Entgeldabsicherung", erläutert Erdal Tahta, Betriebsratsvorsitzender von ZF in Koblenz.
Mehrere Verträge regeln den Übergang der Beschäftigten
Laut Gewerkschaft konnten alle Forderungen umgesetzt werden. So sei einerseits ein Überleitungstarifvertrag ausgehandelt worden. Der solle garantieren, dass alle Arbeiter auch in den kommenden drei Jahren weiter nach Tarif bezahlt werden - ohne Abzüge. Weiterhin soll eine Überleitungsvereinbarung durchsetzen, dass bisherige Betriebsvereinbarungen auf Standort- oder Konzernebene auch weiterhin gelten.
Meine Empfehlung lautet deutlich, diesem Vertrag zuzustimmen. Wir konnten mit Koblenzer Stärke ein gutes Verhandlungsergebnis für Koblenz und alle Standorte bundesweit erzielen.
Die Verhandlungsführer haben alle Verträge am 6. März unterschrieben. Damit sie wirksam werden, müssen die IG-Metall-Mitglieder sie in einer Sitzung am 19. März noch absegnen. "Meine Empfehlung lautet deutlich, diesem Vertrag zuzustimmen. Wir konnten mit Koblenzer Stärke ein gutes Verhandlungsergebnis für Koblenz und alle Standorte bundesweit erzielen", lautet die Einschätzung von Ali Yener.
Übergangsgesellschaft soll tarifgebunden sein
Für die Ausgliederung des Spartengeschäfts von ZF zu Harman International soll die "ZF-Capri NewCo" als Übergangsgesellschaft gegründet werden. Die IG Metall hat nach eigenen Angaben ausgehandelt, dass sie Mitglied der regionalen Arbeitgeberverbände wird. So werde in jedem Fall der Tarifvertrag eingehalten.
Mit Abschluss des Deals, voraussichtlich im zweiten Halbjahr 2026, genießen die Mitarbeitenden der neuen Gesellschaft für drei Jahre Schutz vor betriebsbedingten Kündigungen. Im Fall einer Insolvenz haben sie ebenfalls für drei Jahre die Möglichkeit, wieder zu ZF zurückzukehren.
ZF: Strategische Neuausrichtung und Schuldenabbau
Für ZF Friedrichshafen ist der Verkauf der Fahrassistenzsysteme Teil einer umfassenden Neuausrichtung. Vorstandschef Mathias Miedreich erklärte schon im Dezember, dass sich der Konzern künftig auf Kerntechnologien wie Fahrwerk, Antrieb, Nutzfahrzeuge und industrielle Anwendungen konzentrieren wolle.
Der Erlös aus dem Verkauf soll zudem dazu beitragen, die hohen Schulden des Unternehmens abzubauen. Diese beliefen sich Ende September 2023 auf rund 10,6 Milliarden Euro – eine Folge kostspieliger Übernahmen wie des Bremsenspezialisten Wabco und des Zulieferers TRW.