Für die 280 Mitarbeitenden in Koblenz, die bisher bei ZF im Bereich Fahrerassistenzsysteme tätig sind, gibt es Entwarnung: Der Standort bleibt erhalten - allerdings unter der Führung von Harman International. Nach Angaben eines ZF-Sprechers werden alle Beschäftigten übernommen. Beide Unternehmen prüften demnach gerade, wie sich das bisherige ZF-Gelände vom zukünftigen Harman-Standort abtrennen lässt.
Verkauf an Samsung-Tochter ZF Friedrichshafen verkauft Geschäftsbereich für 1,5 Milliarden Euro
Der Autozulieferer ZF Friedrichshafen verkauft sein Geschäft mit Fahrassistenzsystemen. Das Unternehmen Harman International übernimmt die Sparte für 1,5 Milliarden Euro.
Harman International ist ein Spezialist für Innenraumtechnologien und eine Tochter des Elektronikkonzerns Samsung. Das US-Unternehmen sieht in der Übernahme nach eigenen Angaben eine Chance, Fahrerassistenzsysteme und Unterhaltungstechnologien enger miteinander zu verknüpfen. Den Deal lässt sich Harman International 1,5 Milliarden Euro kosten. Weltweit sollen rund 3.750 Mitarbeitende von ZF zu Harman wechseln.
IG Metall fordert Absicherung für Beschäftigte
Auch in Koblenz ist ein Übergang geplant, den die Gewerkschaft IG Metall Koblenz kritisch, aber konstruktiv begleitet. Ali Yener, Erster Bevollmächtigter der IG Metall Koblenz, betonte gegenüber dem SWR, dass man die strategische Entscheidung von ZF nachvollziehen könne, aber auch klare Forderungen habe.
Demnach möchte die IG Metall bis Februar 2026 einen Überleitungstarifvertrag und eine Überleitungsvereinbarung aushandeln. Und so sicherstellen, dass die bisherigen ZF-Beschäftigten in Koblenz in Zukunft finanziell nicht schlechter dastehen. Erste Gespräche mit ZF seien bereits konstruktiv verlaufen, so Yener.
ZF: Strategische Neuausrichtung und Schuldenabbau
Für ZF Friedrichshafen ist der Verkauf der Fahrassistenzsysteme Teil einer umfassenden Neuausrichtung. Vorstandschef Mathias Miedreich erklärte, dass sich der Konzern künftig auf Kerntechnologien wie Fahrwerk, Antrieb, Nutzfahrzeuge und industrielle Anwendungen konzentrieren wolle.
Der Erlös aus dem Verkauf soll zudem dazu beitragen, die hohen Schulden des Unternehmens abzubauen. Diese beliefen sich Ende September 2023 auf rund 10,6 Milliarden Euro – eine Folge kostspieliger Übernahmen wie des Bremsenspezialisten Wabco und des Zulieferers TRW.
Die finanzielle Entlastung ist dringend nötig: ZF kämpft mit den Folgen einer schleppenden Fahrzeugproduktion und dem Wandel zur Elektromobilität. In den vergangenen Jahren musste der Konzern bereits Tausende Stellen abbauen, und bis 2028 sollen in Deutschland weitere 14.000 Arbeitsplätze wegfallen, und dass auch in Koblenz.
Übergänge werden zusätzlich zum Stellenabbau-Plan gerechnet
Im September hatte ZF angekündigt, in Koblenz bis 2030 perspektivisch rund 450 Arbeitsplätze abbauen zu wollen. Die 280 Übergänge zu Harman International seien dabei nicht eingerechnet, erklärte ein ZF-Sprecher auf SWR-Anfrage. Bisher beschäftigt ZF am Standort Koblenz rund 2.100 Mitarbeitende.
Laut Gewerkschaft IG Metall arbeiten davon rund 74 Prozent in der Abteilung für Bremssysteme und rund 16 Prozent in der Abteilung für Fahrerassistenzsysteme, die nun ausgegliedert wird. Die übrigen Beschäftigten sind demnach in der Verwaltung und im Bereich Nutzfahrzeugtechnik tätig. Hält ZF an seinen Plänen fest, würde der Standort Koblenz bis 2030 personell um rund ein Drittel schrumpfen.