Traubenernte an der Mosel

Wein und Wetterextreme: Wie junge Winzer eine alte Tradition bewahren wollen

40 Grad, kaum Regen und trotzdem könnte es ein Spitzenjahrgang an der Mosel werden. Der Klimawandel macht Ernten unberechenbar. Wie zwei junge Winzer damit umgehen.

Teilen

Stand

Von Autor/in Christian Altmayer

Niklas Kees ist Winzer in der zwölften Generation. Seine Familie baut schon seit 1648 Wein in Graach bei Bernkastel-Kues an der Mosel an. Doch noch nie in der langen Geschichte des Weingutes Kees-Kieren wurden die Trauben so früh gelesen wie nach diesem heißen und trockenen Sommer.

Dass sie schon im September reif waren, lag an dem extremen Wetter. Wochenlang herrschten 40 Grad und es fiel kein Tropfen Regen. "Meine Großeltern und Eltern hatten früher andere Sorgen", sagt Niklas Kees: "Mit den Folgen der Klimaerwärmung hatten die noch nicht zu kämpfen." Im Gegenteil: In 1970er- und 1980er-Jahren war es für den Riesling eher noch zu kalt im Moseltal.

Das Familienweingut von Niklas Kees bewirtschaftet rund acht Hektar Weinberge. Die meisten liegen oberhalb von Graach.
Das Familienweingut von Niklas Kees bewirtschaftet rund acht Hektar Weinberge. Die meisten liegen oberhalb von Graach. Christian Altmayer

Immer öfter Dürren, Pilzbefall und Frost

Ist der Job heute schwieriger als früher? "Zumindest anders", sagt Kees, der 2021 in den Familienbetrieb eingestiegen ist. In diesen fünf Jahren habe er an Wetterextremen schon "so ziemlich alles erlebt, sagt er: 2024 gab es Frost und Reben sind erfroren. 2025 hat es so viel geregnet, dass die Trauben von Pilzen befallen wurden und verfaulten.

Wegen der Trockenheit haben sich die Blätter an den Rebstöcken früher braun gefärbt als in anderen Jahren.
Wegen der Trockenheit haben sich die Blätter an den Rebstöcken früher braun gefärbt als in anderen Jahren. Christian Altmayer

2026 gab es dann die Dürre, die vor allem jungen Rebstöcken zugesetzt hat, die nicht so tief wurzeln wie die alten Anlagen. Dafür hatte Kees immerhin vorgesorgt. Vor einigen Jahren hat die Familie eine Tröpfchen-Bewässerungsanlage angeschafft, um die Reben durch die trockenen Sommer zu bringen.

Kleinere Trauben wegen Trockenheit

Der Jungwinzer Max Ambrosius aus Sosberg (Kreis Cochem-Zell) hat noch keine. Für den 26-Jährigen, der sich 2021 mit seinem eigenen Weingut selbstständig gemacht hat, wäre ein Bewässerungssystem eine große Investition. Doch nach der großen Dürre denkt auch er darüber nach. Denn einige seiner Rebstöcke sind vertrocknet.

Max Ambrosius hat in seine Weinbergen viel kleinere Trauben geerntet als sonst.
Max Ambrosius hat in seinen Weinbergen viel kleinere Trauben geerntet als sonst. Max Ambrosius

Viele Trauben, die er dieses Jahr geerntet hat, sind kaum größer als eine Brombeere. In anderen Jahren waren sie deutlich praller. Doch ihnen fehlte das Wasser, das sich sonst in den Beeren einlagert.

Weniger Ernte als im Vorjahr an der Mosel

Die Folge: eine unterdurchschnittliche Ernte. Nach neuesten Zahlen des Statistischen Bundesamtes dürften an Mosel, Saar und Ruwer rund 16 Prozent weniger Wein zusammenkommen als im Vorjahr. Die Schwankungen seien aber je nach Lage enorm, heißt es beim Dienstleistungszentrum Ländlicher Raum Mosel.

Der Winzer Max Ambrosius hat dieses Jahr weniger Trauben geerntet als in den Vorjahren.
Der Winzer Max Ambrosius hat dieses Jahr weniger Trauben geerntet als in den Vorjahren. Max Ambrosius

Manche Winzer hätten nur halb so viel geerntet wie sonst - so auch Max Ambrosius. Der Winzer rechnet für seinen Betrieb vor: Normalerweise ernte er in guten Jahren etwas weniger als 10.000 Liter Wein pro Hektar. Dieses Jahr seien es vielleicht 5.000 bis 6.000 gewesen.

Winzer rechnen mit guter Qualität

Dafür stimme aber die Qualität der Lese, sagen die Winzer. Norbert Müller, der Leiter des Dienstleistungszentrums Ländlicher Raum Mosel, glaubt sogar, dass der Jahrgang 2026 einer der besten Rieslinge überhaupt werden könnte. Die Trauben seien bei der Ernte perfekt gereift gewesen und wiesen trotzdem keine Fäulnis auf: "Der Jahrgang hat die Voraussetzung, ein außergewöhnlich guter zu werden. Die Konsumenten können sich freuen."

Norbert Müller leitet das Dienstleistungszentrum Ländlicher Raum Mosel in Bernkastel-Kues.
Norbert Müller leitet das Dienstleistungszentrum Ländlicher Raum Mosel in Bernkastel-Kues. Die Behörde berät Weinbauern in der ganzen Region. Christian Altmayer

Fans von leichten, trockenen Rieslingen könnten dieses Jahr allerdings etwas enttäuscht werden. Denn die besonders süßen Trauben enthalten viel Zucker, der bei der Gärung im Weinkeller zu Alkohol umgewandelt wird. Der Winzer Max Ambrosius ist sich sicher, dass vor allem seine trockenen Weine einen höheren Alkoholgehalt haben werden als sonst.

Klimawandel bringt Wetterextreme mit sich

Die Winzer Ambrosius und Kees sind sich aber einig: Ihr Wein wird gut. Und noch vor wenigen Monaten hätten sie darauf nicht gewettet. Wenn im August nicht noch so viel Regen gefallen wäre, wären wohl deutlich mehr Reben vertrocknet. "Das hat uns gerettet", sagt Niklas Kees.

Wer einen Betrieb stabil durch den Klimawandel steuern will, muss aber auch Ausfälle einkalkulieren. Denn auf ein Extremjahr kann schon das nächste folgen. Und das ist nur eine von vielen Herausforderungen im modernen Weinbau. Hinzukommen der Trend zu weniger Alkohol, die schwierige Lage auf dem Weltmarkt und die hohen Kosten für die Bewirtschaftung der Steillagen.

Osann-Monzel

Immer mehr Brachen Flächenbörse soll Weinberge an der Mosel retten

Die Mosel ist berühmt für ihre Weinberge. Doch immer mehr davon verwildern. Die Gemeinde Osann-Monzel setzt auf eine neue Flächenbörse, um zumindest die besten Lagen zu erhalten.

SWR Aktuell am Morgen SWR Aktuell

Viele Winzer geben ihre Weinberge auf

Viele Winzer geben deshalb auf oder finden keine Nachfolger. Selbst in den einst teuersten Steillagen an der Mosel liegen immer mehr Weinberge brach. Niklas Kees und Max Ambrosius sind in dieser Hinsicht also eine Ausnahme. Trotz der Krise haben sie sich vor fünf Jahren für den Weinbau entschieden.

Eifel/Mosel/Hunsrück

Neues Angebot des SWR Studios Trier Nachrichten aus der Region Trier jetzt auf WhatsApp lesen

Das SWR Studio Trier ist jetzt auch auf dem Messenger-Dienst WhatsApp aktiv. Dort finden Sie regionale Nachrichten von Mosel und Saar, aus der Eifel, Hunsrück und Hochwald.

Wie blicken sie in die Zukunft? Beide glauben, dass an der Mosel noch mehr Weinberge verschwinden werden, aber auch, dass sich die wirklich guten Winzer halten können. Sie setzen auf Klasse statt Masse, auf Direktvermarktung in der Flasche statt auf Fasswein.

Jungwinzer glauben an die Zukunft

Max Ambrosius sagt: "Du musst dich, deinen Wein und deine Geschichte selbst vermarkten. Reich wird man damit natürlich nicht. Aber es ist ein cooles Gefühl, wenn man alles von der Traube bis zur Flasche selbst macht."

Für Niklas Kees geht es auch um eine Verantwortung gegenüber der Familientradition. Er hofft, dass er den Betrieb irgendwann an seine Kinder übergeben kann: "Ich glaube auch, dass das klappt, weil wir hier an der Mosel einzigartigen Wein machen." Die Hoffnung ist groß, dass es auch in der 13. Generation mit dem Weingut weitergeht.

Ockfen

Technik entlastet Erntehelfer Premiere an der Saar: Drohne hilft bei der Weinlese

An Mosel und Saar hat die Weinlese begonnen und damit eine anstrengende Zeit für Erntehelfer. Doch in Ockfen übernimmt jetzt ein fliegender Helfer die schwerste Last.

SWR4 am Morgen SWR4

Maring-Noviand

Tausende Liter Wasser gegen Trockenstress Winzer an der Mosel bewässern leidende Reben

Wegen der anhaltenden Hitze und Trockenheit müssen einige Weinberge im Weinanbaugebiet Mosel bewässert werden. Das war zuletzt 2022 notwendig und ist viel Aufwand für die Winzer.

SWR4 am Morgen SWR4

Piesport

Waldbrand im Hohen Venn Rauch aus Belgien über der Mosel: Was das für den Wein bedeutet

Tagelang ist eine Rauchwolke durch das Moseltal gezogen. Experten halten es für möglich, dass die Weinreben einen unangenehmen Geschmack entwickeln. Die Winzer bleiben gelassen.

Traben-Trarbach/Reil

Weinbau in abgelegenen Lagen Neue Hoffnung für alte Weinberge: Der Kampf in den Seitentälern der Mosel

Jahrzehntelang sind die Weinberge in den engen Seitentälern der Mosel verwildert. Jetzt wagen sich junge Winzer zurück. Der Klimawandel spielt ihnen in die Karten.

Erstmals publiziert am
Stand
Autor/in
Christian Altmayer
Foto von Christian Altmayer, Redakteur bei SWR Aktuell im Studio Trier

Unsere Quellen

Transparenz ist uns wichtig! Hier sagen wir Ihnen, woher wir unsere Infos haben!