Niklas Kees ist Winzer in der zwölften Generation. Seine Familie baut schon seit 1648 Wein in Graach bei Bernkastel-Kues an der Mosel an. Doch noch nie in der langen Geschichte des Weingutes Kees-Kieren wurden die Trauben so früh gelesen wie nach diesem heißen und trockenen Sommer.
Dass sie schon im September reif waren, lag an dem extremen Wetter. Wochenlang herrschten 40 Grad und es fiel kein Tropfen Regen. "Meine Großeltern und Eltern hatten früher andere Sorgen", sagt Niklas Kees: "Mit den Folgen der Klimaerwärmung hatten die noch nicht zu kämpfen." Im Gegenteil: In 1970er- und 1980er-Jahren war es für den Riesling eher noch zu kalt im Moseltal.
Immer öfter Dürren, Pilzbefall und Frost
Ist der Job heute schwieriger als früher? "Zumindest anders", sagt Kees, der 2021 in den Familienbetrieb eingestiegen ist. In diesen fünf Jahren habe er an Wetterextremen schon "so ziemlich alles erlebt, sagt er: 2024 gab es Frost und Reben sind erfroren. 2025 hat es so viel geregnet, dass die Trauben von Pilzen befallen wurden und verfaulten.
2026 gab es dann die Dürre, die vor allem jungen Rebstöcken zugesetzt hat, die nicht so tief wurzeln wie die alten Anlagen. Dafür hatte Kees immerhin vorgesorgt. Vor einigen Jahren hat die Familie eine Tröpfchen-Bewässerungsanlage angeschafft, um die Reben durch die trockenen Sommer zu bringen.
Kleinere Trauben wegen Trockenheit
Der Jungwinzer Max Ambrosius aus Sosberg (Kreis Cochem-Zell) hat noch keine. Für den 26-Jährigen, der sich 2021 mit seinem eigenen Weingut selbstständig gemacht hat, wäre ein Bewässerungssystem eine große Investition. Doch nach der großen Dürre denkt auch er darüber nach. Denn einige seiner Rebstöcke sind vertrocknet.
Viele Trauben, die er dieses Jahr geerntet hat, sind kaum größer als eine Brombeere. In anderen Jahren waren sie deutlich praller. Doch ihnen fehlte das Wasser, das sich sonst in den Beeren einlagert.
Weniger Ernte als im Vorjahr an der Mosel
Die Folge: eine unterdurchschnittliche Ernte. Nach neuesten Zahlen des Statistischen Bundesamtes dürften an Mosel, Saar und Ruwer rund 16 Prozent weniger Wein zusammenkommen als im Vorjahr. Die Schwankungen seien aber je nach Lage enorm, heißt es beim Dienstleistungszentrum Ländlicher Raum Mosel.
Manche Winzer hätten nur halb so viel geerntet wie sonst - so auch Max Ambrosius. Der Winzer rechnet für seinen Betrieb vor: Normalerweise ernte er in guten Jahren etwas weniger als 10.000 Liter Wein pro Hektar. Dieses Jahr seien es vielleicht 5.000 bis 6.000 gewesen.
Winzer rechnen mit guter Qualität
Dafür stimme aber die Qualität der Lese, sagen die Winzer. Norbert Müller, der Leiter des Dienstleistungszentrums Ländlicher Raum Mosel, glaubt sogar, dass der Jahrgang 2026 einer der besten Rieslinge überhaupt werden könnte. Die Trauben seien bei der Ernte perfekt gereift gewesen und wiesen trotzdem keine Fäulnis auf: "Der Jahrgang hat die Voraussetzung, ein außergewöhnlich guter zu werden. Die Konsumenten können sich freuen."
Fans von leichten, trockenen Rieslingen könnten dieses Jahr allerdings etwas enttäuscht werden. Denn die besonders süßen Trauben enthalten viel Zucker, der bei der Gärung im Weinkeller zu Alkohol umgewandelt wird. Der Winzer Max Ambrosius ist sich sicher, dass vor allem seine trockenen Weine einen höheren Alkoholgehalt haben werden als sonst.
Klimawandel bringt Wetterextreme mit sich
Die Winzer Ambrosius und Kees sind sich aber einig: Ihr Wein wird gut. Und noch vor wenigen Monaten hätten sie darauf nicht gewettet. Wenn im August nicht noch so viel Regen gefallen wäre, wären wohl deutlich mehr Reben vertrocknet. "Das hat uns gerettet", sagt Niklas Kees.
Wer einen Betrieb stabil durch den Klimawandel steuern will, muss aber auch Ausfälle einkalkulieren. Denn auf ein Extremjahr kann schon das nächste folgen. Und das ist nur eine von vielen Herausforderungen im modernen Weinbau. Hinzukommen der Trend zu weniger Alkohol, die schwierige Lage auf dem Weltmarkt und die hohen Kosten für die Bewirtschaftung der Steillagen.
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Viele Winzer geben ihre Weinberge auf
Viele Winzer geben deshalb auf oder finden keine Nachfolger. Selbst in den einst teuersten Steillagen an der Mosel liegen immer mehr Weinberge brach. Niklas Kees und Max Ambrosius sind in dieser Hinsicht also eine Ausnahme. Trotz der Krise haben sie sich vor fünf Jahren für den Weinbau entschieden.
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Wie blicken sie in die Zukunft? Beide glauben, dass an der Mosel noch mehr Weinberge verschwinden werden, aber auch, dass sich die wirklich guten Winzer halten können. Sie setzen auf Klasse statt Masse, auf Direktvermarktung in der Flasche statt auf Fasswein.
Jungwinzer glauben an die Zukunft
Max Ambrosius sagt: "Du musst dich, deinen Wein und deine Geschichte selbst vermarkten. Reich wird man damit natürlich nicht. Aber es ist ein cooles Gefühl, wenn man alles von der Traube bis zur Flasche selbst macht."
Für Niklas Kees geht es auch um eine Verantwortung gegenüber der Familientradition. Er hofft, dass er den Betrieb irgendwann an seine Kinder übergeben kann: "Ich glaube auch, dass das klappt, weil wir hier an der Mosel einzigartigen Wein machen." Die Hoffnung ist groß, dass es auch in der 13. Generation mit dem Weingut weitergeht.