Ein Drittel weniger Zucker

Historisch schlechte Zuckerrübenernte droht: Klima-Sorgen bei Südzucker

Die Zuckerrübenernte in Süddeutschland fällt voraussichtlich so schlecht aus wie lange nicht. Das trifft die Mannheimer Südzucker AG mit möglichen Folgen für den Schichtbetrieb.

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Von Autor/in Giuseppa Spatola

In Süddeutschland wird nach Angaben des Verbands Süddeutscher Zuckerrübenanbauer e.V. (VSZ) in diesem Jahr etwa ein Drittel weniger Zucker aus Zuckerrüben erzeugt als im Vorjahr. Davon betroffen sind auch die Anbauregionen Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz, die wichtige Lieferanten für die Südzucker-Werke rund um Mannheim sind. Verkürzte Verarbeitungskampagnen und ein reduzierter Schichtbetrieb in den Fabriken könnten Folgen für das Unternehmen sein.

Verband warnt vor niedrigster Ernte seit der Wiedervereinigung

Der VSZ geht nach aktuellen Proberodungen davon aus, dass die Zuckerrübenernte in diesem Jahr die niedrigste seit der deutschen Wiedervereinigung wird. Als Proberodungen werden frühe Testernten von Zuckerrüben bezeichnet. Dabei hat der Verband festgestellt, dass Hitze, anhaltende Trockenheit und früh auftretende Pflanzenkrankheiten den Beständen stark zusetzen. Besonders betroffen sind die Regionen Franken, Baden-Württemberg und Hessen-Pfalz. Insgesamt werde in Süddeutschland voraussichtlich rund ein Drittel weniger Zucker erzeugt als im Vorjahr, teilte der VSZ mit.

Eine kleine, kranke Zuckerrübe im Acker
Eine kleine, kranke Zuckerrübe im Acker Verband Süddeutscher Zuckerrübenanbauer e.V.

Südzucker sieht klare Klimaeffekte

Die Südzucker AG mit Sitz in Mannheim sieht die Entwicklung nach eigenen Angaben mit Sorge. Ein Sprecher des Unternehmens sagte gegenüber dem SWR, man habe wetterbedingte Schwankungen in den vergangenen 20 Jahren immer wieder überstanden. Mittlerweile seien aber zunehmend längere und trockene Perioden als klare Klimaeffekte wahrnehmbar. Die aktuelle Lage sei vor allem wegen des Zusammenspiels aus Wassermangel und Pflanzenkrankheiten kritisch. Das Unternehmen vergleicht die Situation mit einer doppelten Infektion beim Menschen.

Wenn eine zweite Infektion hinzukommt, macht sie sich stärker bemerkbar.

Glasflügelzikade verbreitet Stolbur und SBR

Eine zentrale Rolle spielt dabei die Glasflügelzikade. Das Insekt überträgt die Krankheiten "Syndrome Basses Richesses" (SBR), welche den Zuckergehalt und Ertrag massiv senkt, und Stolbur, eine Erkrankung, die umgangssprachlich als "Gummirübe" bezeichnet wird. Nach Angaben von Südzucker trat der Befall in diesem Jahr ungewohnt früh und großflächig auf. Die Glasflügelzikade breite sich durch die klimatischen Veränderungen in Regionen aus, in denen sie früher nicht vorkam.

Nahaufnahme einer Schilf-Glasflügelzikade
Die Schilf-Glasflügelzikade breitet sich im Südwesten Deutschland immer mehr aus.

Kürzere Zuckerrübenkampagnen möglich

Für die Werke in der Rhein-Neckar-Region rechnet Südzucker mit kürzeren Kampagnen. Das würde einen reduzierten Schichtbetrieb in den Fabriken bedeuten. Auf die Arbeitsplätze hat diese historisch schlechte Ernte laut Unternehmenssprecher bislang keine direkte Auswirkung.

Hohe Lagerbestände als Puffer, Preisfolgen offen

Wirtschaftlich sei es insgesamt noch zu früh für belastbare Aussagen, betont man bei Südzucker. Wie stark die Ernteausfälle die Bilanz treffen, hänge maßgeblich davon ab, wie sich das Wetter im weiteren Sommer entwickle. Im November werde man beim Blick auf Ernte, Verarbeitung und Markt deutlich schlauer sein. Über mögliche Auswirkungen auf den Zuckerpreis äußert sich Südzucker aus kartellrechtlichen Gründen nicht.

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Giuseppa Spatola
Giuseppa Maria Spatola

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