Lotte nutzt Handys wie viele andere auch: lange Sprachnachrichten, fotografieren und Musik hören. Orientieren mit Karten-Apps, Internet-Recherchen und auch Instagram. Doch jetzt im Sommer lässt sie ihr Smartphone zu Hause in Stuttgart. Die 22-Jährige, die derzeit eine Ausbildung zur Schreinerin macht, freut sich auf ein bisschen "Digital Detox" und darauf "mal wieder runterzukommen".
Lotte freut sich auf mehr Zeit und "Old School"-Reisen
Lottes Erfahrung: "Smartphones sind Zeitfresser". Hätte sie ihr Handy dabei, würde sie abends Fotos verschicken, auf Chat-Nachrichten reagieren und im Netz surfen. Darauf hat sie keine Lust. "Ich will die Tage richtig verarbeiten, echte Begegnungen haben, intensiver leben." Weil sie ohne Smartphone keine Musik hören kann, müsse sie "selbst Musik machen", meint Lotte und zeigt auf eine Mundharmonika, die schon mit den anderen Gepäckstücken bereit liegt. Außerdem mit dabei: ein Buch und ein Gedichtband. Braucht sie mehr Lesestoff, will sie in öffentlichen Bücherschränken nach Nachschub schauen.
Ohne Handy: Anders planen und umdenken
Auch mit im Gepäck: eine Adressliste von Freundinnen und Freunden, die sie extra auf Papier geschrieben hat und - ganz wichtig - Radkarten. Statt sich von einer Karten-App die beste Route berechnen zu lassen - inklusive Alternativ-Routenvorschlägen mit zum Beispiel weniger Höhenmetern - will Lotte sich "richtig old school" mit Hilfe von Karten aus Papier orientieren.
Dass das funktionieren kann, weiß sie von einer Wanderung mit Freundinnen. "Das hat gut geklappt", berichtet sie, selbst wenn sie sich auch mal verlaufen hätten. Eine etwas größere Herausforderung sei die Rückreise per Bahn. Von Greifswald möchte sie über Berlin nach Stuttgart fahren. Doch sowohl ihre BahnCard wie auch das Deutschlandticket hat Lotte auf dem Smartphone. Also musste sie erst einmal zum Bahnschalter gehen, hat sich dort beides ausdrucken lassen. "Es gibt so viele ältere Menschen, die nach wie vor kein Smartphone haben", sagt Lotte. Sich in diese hineinzuversetzen, gehört auch zu ihrem Abenteuer der analogen Reise.
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Ist Social Media Zeitverschwendung?
Zurück zur Handy-Nutzung im Alltag. "Ich glaube, das Handy spielt bei allen eine sehr zentrale Rolle und eine deutlich zentralere Rolle, als es spielen sollte." Sie persönlich habe auf jeden Fall Phasen, sagt Lotte, wo sie mehr Zeit am Handy verbringe, als sie möchte oder als ihr gut tue. "Eigentlich würde ich sagen, dass jede Stunde auf Social Media eine verschwendete Stunde ist." Deswegen lösche sie auch im Alltag immer wieder ihre Instagram-App. Doch dann lade sie diese irgendwann wieder runter, um Kontakt zu halten mit Leuten, die an anderen Orten leben, und um zu wissen, wann wo welche Events und Veranstaltungen sind.
Lotte ist überzeugt: "Man schließt sich krass aus, wenn man kein Handy hat. Den Schritt würde ich nicht gehen." Da sei sie nicht dogmatisch, sehe durchaus die vielen Vorteile und auch das Praktische von Handys. Die 22-Jährige ist überzeugt: "Smartphones gehören einfach dazu. Es ist halt der Lauf der Dinge."
Lottes Vater hat gar kein Smartphone
Anders als Lotte hat ihr Vater noch nie ein Smartphone besessen, berichtet sie. Er sei 61 Jahre alt, komme im Alltag gut "ohne" klar, meint sie, und findet sein Verhalten "konsequent". Nur in den Urlaub nehme der Vater ein altes Tastenhandy mit. Und so will Lotte es auch machen. Sie hat sich extra ein altes Gerät organisiert, das die meiste Zeit ausgeschaltet sei. Mit diesem könne sie sich aber ab und zu vor allem auch bei ihren Eltern melden, um zu sagen, dass es ihr gut geht.
Auf was sich Lotte am meisten freut? "Fahrradfahren, stumpf in die Pedale treten. Freunde besuchen, Leute kennenlernen, aber auch allein sein." Und auch der Kaffee irgendwo im Wald am Morgen darf nicht fehlen.