In den Bussen der Stuttgarter Straßenbahnen AG (SSB) ist es ab Donnerstag nicht mehr möglich, Tickets mit Bargeld zu zahlen. Ab dann kann man sein Ticket laut SSB nur noch mit gängigen Kredit-, EC- und Debitkarten sowie mit digitalen Bezahlmöglichkeiten bezahlen. An Automaten ist das Zahlen mit Geldscheinen und Münzen aber weiter möglich, so die SSB weiter. Bargeldlos statt Bargeld: Auch in anderen Lebensbereichen lassen sich Dinge immer häufiger nur noch bargeldlos bezahlen.
"Digitalzwang" im öffentlichen Nahverkehr? SSB will Barzahlung in Stuttgarter Bussen abschaffen - Verbände sorgen sich um Teilhabe
Das für Juli geplante Ende der Barzahlung in Stuttgarter Bussen führt zu Diskussionen. Die SSB sieht einen besseren Ablauf, Kritiker fürchten um soziale Teilhabe.
SSB: Bargeldloses Zahlen macht Busfahrt einfacher, schneller und bequemer
Es ist kurz vor knapp und der Bus fährt gleich ab. Ein kurzer Sprint, schnell in die Tür gesprungen, verschwitzt den Geldbeutel gezückt und direkt beim Fahrer oder der Fahrerin ein Ticket kaufen - das ist ab Ende Juli nicht mehr möglich. Zumindest nicht mit Bargeld. Denn dann ist in den Bussen der SSB nur noch kontakt- und bargeldloses Bezahlen möglich. Laut der SSB sorgt das dafür, dass Fahrgäste schneller in den Bus einsteigen können. Außerdem würden die Busse dadurch pünktlicher abfahren, weil nicht mehr nach Bar- und Wechselgeld gekramt werden müsse.
Wer trotzdem mit Bargeld bezahlen will, der muss laut SSB ein Ticket am Automaten ziehen. Was dann durchaus auch bedeuten kann, bis zur nächsten Bushaltestelle zu laufen, an der es einen Automaten gibt.
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Das Gefühl kennen viele: Ein leichtes Unbehagen beim Zahlen mit Bargeld. Eine Studie mit der Uniklinik Tübingen zeigt jetzt: Barzahlen tut emotional weh, bargeldloses Zahlen nicht.
Verein Digitalcourage: Bargeld ist gelebte Freiheit
Nicht alle finden diese Entwicklung richtig. Auf SWR-Anfrage kritisiert der Verein "Digitalcourage", dass gerade der öffentliche Nahverkehr niemanden ausschließen darf, der nicht digital oder per Karte zahlen kann. Ältere, Kinder oder Menschen mit wenig digitaler Erfahrung dürften dadurch nicht abgehängt werden. Nach eigenen Angaben setzt sich der Verein mit Sitz in Bielefeld für eine "lebenswerte Welt im digitalen Zeitalter" ein. 2024 rief Digitalcourage eine Petition gegen vermeintlichen "Digitalzwang" ins Leben, mit der ein Recht auf ein Leben - und Bezahlen - ohne digitale Geräte oder Bankkarten erhalten bleiben soll.
Für diese Gruppen ist Bargeld wichtig, so der Verein. Denn Bargeld schließe niemanden aus und funktioniere unabhängig von Smartphone, Akkustand, Internetzugang oder auch Systemstörungen und Cyberangriffen. Außerdem erlaube es den Bürgerinnen und Bürgern Privatsphäre. Denn anders als beim Bezahlen mit Bargeld entstehen mit jeder Transaktion via Karte oder digitalen Bezahlmöglichkeiten Daten und ein dauerhaftes Zahlungsprofil, durch das Informationen über Personen gespeichert werden, so der Verein weiter. Darum ist Bargeld für "Digitalcourage" "gelebte Freiheit". Gleichzeitig fordert der Verein eine digitale Form von Bargeld.
Bargeldlos zahlen immer beliebter
Nicht nur im Nahverkehr, auch in anderen Lebensbereichen verbreitet sich das bargeldlose Zahlen immer weiter. So hat die Deutsche Post im Frühjahr 2026 alle Briefmarken-Automaten abgeschaltet, an denen man noch mit Bargeld die Frankierungen kaufen konnte. In Parkhäusern, auf Parkplätzen und in Tiefgaragen wie in Biberach oder Konstanz werden klassische Ticketautomaten abgebaut. Anbieter argumentieren, dass so Kosten gespart und Prozesse beschleunigt werden.
Dass sich bargeldloses Bezahlen im Alltag immer weiter verbreitet, zeigt auch eine Studie der Bundesbank aus 2025. Demnach haben vergangenes Jahr zum ersten Mal mehr Menschen ihre Einkäufe bargeldlos gezahlt als mit physischem Geld. Vorangetrieben werden diese Ergebnisse vor allem durch jüngere Menschen, die vermehrt bargeldlos zahlen. Insbesondere Ältere, Personen mit gesundheitlichen Einschränkungen und niedrigem Einkommen nutzen aber weiterhin überwiegend Bargeld. Bargeldlos zahlen wird trotzdem immer beliebter: Laut Bundesbank-Studie konnte 2021 in 61 Prozent der Fällen bargeldlos bezahlt werden. 2025 ging es schon in 86 Prozent der Fälle.
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Wirtschaftsprofessor Uni Hohenheim: Physisches Bargeld wird nicht verschwinden
Wird Bargeld langfristig also verschwinden? Nein, sagt Michael Evers, Professor an der Universität Hohenheim und Experte für Geld und Währungen. Für ihn gibt es mehrere Gründe die dafür sprechen, dass Bargeld weiter wichtig bleibt. Einer davon: Physisches Bargeld sei das einzige Zahlungsmittel, das ohne Strom, Internet oder verbindende Zwischenakteure wie Banken auskomme. Dadurch ist es laut dem Experten auch für den Blackout-Fall geeignet. In Schweden, einem Land, in dem fast alles bargeldlos bezahlt werde, erließ die Regierung Anfang Juli 2026 beispielsweise ein Gesetz, das Lebensmittelgeschäfte und Apotheken mit bemannter Kasse wieder zur Bargeldannahme verpflichtet. Hintergrund waren laut Evers mehrere Störungen digitaler Bankdienste in Schweden sowie gezielte Angriffe auf die Netz-Infrastruktur.
Darüber hinaus sei der Wunsch nach barem Geld nach wie vor hoch in Deutschland. Michael Evers verweist hierzu auf die erwähnte Bundesbank-Studie, laut der rund 80 Prozent der Befragten es wichtig finden, weiterhin bar bezahlen zu können. Vielmehr glaubt der Experte an eine Form digitalen Bargelds. Daran werde aktuell bereits gearbeitet: 2027 soll ein zwölfmonatiger Pilotbetrieb des "digitalen Euros" starten - vorausgesetzt die entsprechende Verordnung werde erlassen, so Evers. Dieser digitale Euro soll die Eigenschaften von Bargeld in den digitalen Raum bringen. Bedeutet: direkt übertragbar, ohne Abhängigkeit von einer Zwischenstation, so der Experte. Langfristig glaubt der Experte, dass künftig weiterhin Bargeld und bargeldloses Zahlen nebeneinander für das Bezahlen zur Verfügung stehen.