Demo auf dem Fluss

Badeverbot im Neckar: Wie schmutzig ist der Fluss wirklich?

Am Sonntag demonstrierte der Verein Neckarinsel in Stuttgart auf dem Fluss gegen das Badeverbot. Ein zentrales Thema: die Wasserqualität des Neckars.

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Von Autor/in Anna Knake

Ein Bild, das auf dem Neckar selten zu sehen ist: Stand-Up-Paddles, Schlauchboote und etwa 100 Menschen auf dem Wasser, die hier paddeln, aber eigentlich baden wollen. Bei der "Critical Nass"-Aktion setzten sich die Teilnehmenden am Sonntag für ein Ende des Badeverbots im Neckar ein. Aufgerufen zum gemeinsamen Paddeln hat der Verein Neckarinsel e.V.. Eine zentrale Frage: Wie schmutzig ist der Fluss wirklich?

Stadt Stuttgart: Zu viele Bakterien im Neckar

Fäkalbakterien, parasitäre Erreger und chemische Verunreinigungen - die Stadt Stuttgart beschreibt die Wasserqualität auf Anfrage des SWR als besorgniserregend schlecht. Ergebnisse von Wasserproben, die in der Vergangenheit vom Landesgesundheitsamt entnommen wurden, zeigen demnach eine hohe Fäkalbelastung. Grund dafür seien die Kläranlagen neckaraufwärts. "Ebenso können Ratten in der Kanalisation und Wildtiere an den Ufern potentiell Krankheitserreger eintragen", so die Stadt. Außerdem sei von chemischen Verunreinigungen durch Industrie und Landwirtschaft auszugehen. Das Fazit der Stadt: Der Neckar ist nicht zum Baden geeignet.

Verein Neckarinsel: Der Fluss ist sauberer als gedacht

Das sieht der Verein Neckarinsel anders. Seit 2024 lässt der Verein Wasserproben aus Bad Cannstatt von einem Labor untersuchen, zweimal wöchentlich, zwischen Mai und Oktober. "Die Probe wird auf Darmbakterien wie E. coli und Enterokokken analysiert, die als wichtige Indikatoren für fäkale Verunreinigungen gelten", so der Verein. Ihr Ergebnis: Die vergangenen 60 Messungen würden zeigen, dass der Neckar sauberer ist als gedacht. An mehr als zwei Drittel der untersuchten Tage seien die festgelegten Grenzwerte nicht überschritten worden.

Neckar: Bade-Ampel für die Wasserqualität

Ein Problem: Die Untersuchungen in den Laboren dauern rund 48 Stunden, die Ergebnisse sind also nicht tagesaktuell. Deshalb baut der Verein auf sein Vorhersagesystem, das nun auch Online verfügbar ist. Es analysiert Einflussfaktoren auf die Wasserqualität, zum Beispiel Niederschlag oder Sonneneinstrahlung. "Mithilfe der gesammelten Messdaten hat das System gelernt, welche Bedingungen typischerweise mit guter oder schlechter Wasserqualität zusammenhängen", erklärt der Verein. Auf dieser Basis könne die aktuelle Wasserqualität eingeschätzt werden.

Das Gesundheitsamt begleitet das Projekt laut Stadt Stuttgart konstruktiv. Am Badeverbot hält sie jedoch fest, auch "weil der Neckar aufgrund stark schwankender Belastungen die Grundvoraussetzungen für eine öffentliche Badestelle im Sinne der EU-Rechtsprechung nicht erfüllt", so die Stadt.

Wissenschaftler: Badequalität in Echtzeit prüfen

Der Wasserwissenschaftler David Werner der Universität Stuttgart begrüßt die Überwachung der Wasserqualität des Vereins Neckarinsel. Allgemein solle das aber von den zuständigen Behörden erfolgen. "Dabei ist insbesondere zu berücksichtigen, dass gesundheitsrelevante Krankheitserreger wie Noroviren derzeit nicht in Echtzeit nachgewiesen werden können", erklärt der Experte. Vorhersagemodelle könnten die Wasserqualität daher nicht zuverlässig beurteilen. Aber er halte es für möglich durch Maßnahmen, wie sie beispielsweise in Paris für die Seine umgesetzt werden, langfristig auch im Neckar eine gute Badequalität zu erreichen.

Badeverbot im Neckar auch wegen anderer Gefahren

Seit 1978 ist das Baden im Neckar tabu, nicht nur wegen der Wasserqualität. "Der Neckar ist eine vielbefahrene Bundeswasserstraße. Die großen Schiffe erzeugen enorme Sog- und Wellenwirkungen, die selbst geübte Schwimmer unter Wasser ziehen können," erklärt die Stadt Stuttgart. Auch Schleusen, Wehre und Treibgut seien eine Gefahr, genauso wie starke Unterströmungen und Strudel.

Der Verein Neckarinsel möchte eine gemeinschaftliche Nutzung des Flusses, die mit der Schifffahrt verträglich ist. Öffentliche Badestellen würden die Stadt demnach lebenswerter machen - sobald feststeht, wie sauber die Erfrischung denn wäre.

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Anna Knake
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Reporter/in
Lina Schmidt

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