Berichte häufen sich in Tübingen

Ausschlag nach dem Baden im Neckar? Diese Parasiten könnten dahinter stecken

Ein Bad im Neckar bei Tübingen? Keine gute Idee. Mini-Parasiten, sogenannte Zerkarien, können juckenden Hautausschlag auslösen - und sind nicht das einzige Problem im Wasser.

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Von Autor/in Lea Pflüger

Bei dieser Hitzewelle im Neckar abkühlen? Keine gute Idee. In den vergangenen Tagen haben Menschen aus Tübingen von einem juckenden Ausschlag berichtet, nachdem sie im Neckar geschwommen waren. Eine Expertin vermutet: Schuld sind Zerkarien, die Larven des Saugwurms. 

Tübingen

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Ämter warnen vor Schwimmen im Neckar

In den letzten Jahren gab es immer wieder Beschwerden von Menschen, die sich im Neckar aufgehalten haben. Vor zwei Jahren klagten einige Teilnehmer des Tübingen-Triathlons über Magen-Darm-Beschwerden. 

In diesem Jahr häufen sich Berichte von roten Quaddeln und Pusteln nach dem Bad im Neckar. Eine junge Frau erzählt dem SWR: Sie hatte sich mit einem Schwimmring den Neckar heruntertreiben lassen. Mitten in der Nacht hatte ihre Haut dann angefangen, stark zu jucken. Auch eine Freundin, die dabei war, klagte über einen rasierpickelähnlichen Ausschlag.

Ich dachte erst, eine ganze Horde Mücken hätte mich gestochen. Oder ich hätte Bettwanzen.

Sowohl das Landesgesundheitsamt als auch das Landratsamt Tübingen bestätigen dem SWR, dass das Schwimmen im Neckar nicht zu empfehlen sei. Gerade bei niedrigem Wasserstand sei die Belastung mit Fäkalbakterien durch Klärwasser sehr hoch. Auch Leptospirose, eine von Ratten übertragene Infektionskrankheit, sei eine potenzielle Gefahr, so das Landesgesundheitsamt. Beim Heidelberg Triathlon sollen sich zwei Teilnehmende damit infiziert haben, nachdem sie im Neckar geschwommen sind. Auch die Hautausschläge könnten in diesem Jahr zur Gefahr für Triathleten und andere Neckarbader werden. 

Das Landesgesundheitsamt rät von Schwimmwettkämpfen im Neckar ab.

Zerkarien leben normalerweise in Stauseen

Die sogenannte Badedermatitis, die als Immunreaktion auf die Zerkarien ausgelöst wird, wird normalerweise mit stehenden Gewässern in Verbindung gebracht. Im Kirchentellinsfurter Baggersee (Kreis Tübingen) wurden sie in der Vergangenheit immer wieder festgestellt. Das bestätigte Alfons Renz, Parasitologe an der Universität Tübingen.

Eine Zerkarie, die Larve des Saugwurms. Diese Parasiten wurden nun im Neckar festgestellt
Nur einen Millimeter groß sind die parasitären Zerkarien. Alfons Renz

Biologin Sandra Bergmann, Wasserreferentin am Regierungspräsidium (RP) Tübingen, vermutet, dass die Larven auch im Neckar vorkommen. Durch die vielen Stauwehre verhalte sich der Fluss im Kreis Tübingen wie eine Aneinanderreihung von Seen. Weil er im Moment sehr warm sei und langsam fließe, könnten sich die Zerkarien also auch im Neckar ausbreiten, so Bergmann.

Erster Befall meist nur juckend - zweiter kann schmerzhaft sein

Die nur etwa einen Millimeter kleinen Larven gelangen über den Kot von Wasservögeln wie Enten und Nilgänsen ins Wasser. Dort infizieren sie Wasserschnecken, in deren Körper sich die Larven vermehren. Auf der Suche nach einem Wirt bohren sie sich bei Badenden in die Haut. Im Menschen überleben sie zwar nicht lange, können aber unangenehme rote Pusteln und Quaddeln auslösen. 

Entwicklungszyklus von Zerkarien Saugwürmern
Die Eier von Saugwürmern gelangen mit dem Kot von Wasservögeln ins Wasser, wo sie zunächst Wasserschnecken infizieren. Auf der Suche nach einem Endwirt befallen die Zerkarien manchmal irrtümlich Menschen. Pressestelle Landesamt für Gesundheit und Soziales Berlin - Lageso

Alfons Renz forscht an der Uni Tübingen schon seit Jahrzehnten zu den Saugwurmlarven. Er erklärt: Der erste Befall sei für die Betroffenen häufig noch nicht so schlimm. Die roten Pusteln würden eher jucken. Da sich daraufhin aber eine Art Allergie entwickeln könne, entstehen bei einem erneuten Befall häufig auch schmerzende Quaddeln. 

Wenn die Haut reagiert: Das hilft bei Befall

Nach jedem Kontakt mit dem Wasser solle man sich unverzüglich abtrocknen, die Badesachen wechseln, und heiß abduschen, empfiehlt Sandra Bergmann vom RP. Vor allem ein längerer Aufenthalt erhöhe das Risiko einer Badedermatitis. Auch nach dem Stocherkahn oder Tretbootfahren solle man sich schnell die Hände waschen, so Bergmann. Sollte es doch zum Kontakt mit Zerkarien kommen, könne man den Ausschlag aber relativ unkompliziert mit Antihistaminika und antiallergischen Hautgelen behandeln. Nach ein bis zwei Wochen sollte die Schwellung wieder zurückgehen - auch ohne Arzt. 

Anders als der Neckar werden viele Seen regelmäßig überprüft. Auf dieser Karte zeigt das Gesundheitsamt, wo bedenkenlos geschwommen werden kann. Wer im See auf Nummer sicher gehen will, sollte nicht morgens schwimmen und den warmen, flachen Uferbereich zügig verlassen, rät Sandra Bergmann. Denn dort halten sich die Larven besonders gerne auf.

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Lea Pflüger