Aufwändige Sanierung oder Neubau?

Streit über Stuttgarter Oper: Ex-EU-Kommissar Oettinger soll vermitteln

Im Streit um die Zukunft der Stuttgarter Staatsoper wird Ex-Ministerpräsident Günther Oettinger eine Expertenrunde leiten. Die Personalie dürfte ein Schachzug sein.

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Im Streit darüber, ob die Stuttgarter Oper aufwändig saniert oder neugebaut wird, soll der frühere baden-württembergische Ministerpräsident Günther Oettinger (CDU) vermitteln. Das haben Regierungschef Cem Özdemir (Grüne) und Stuttgarts Oberbürgermeister Frank Nopper (CDU) am Dienstag bestätigt. Der 72-jährige Oettinger hat demnach zugesagt, den Posten zu übernehmen. Der ehemalige CDU-Spitzenpolitiker wird somit Chef der Expertenrunde, die Empfehlungen zur Zukunft des weltgrößten Dreispartenhauses machen soll.

Berufung Oettingers als Schachzug

Özdemir und Nopper zeigten sich am Dienstag erfreut über die Zusage Oettingers. Özdemir sagte, Oettinger sei als Kenner des Themas prädestiniert dafür, die unterschiedlichen Interessen zusammenzubringen.

Oettinger war von 2005 bis 2010 Ministerpräsident in Baden-Württemberg, danach wirkte er fast zehn Jahre lang als EU-Kommissar in Brüssel. Er gilt als liberaler CDU-Mann, der gute Kontakte zu den Grünen unterhält. Die Personalie dürfte ein Schachzug von Özdemir und Nopper sein, um die CDU-Landtagsfraktion wieder stärker einzubinden. CDU-Fraktionschef Tobias Vogt hatte zuletzt erklärt, man lehne das bisherige Konzept zur Sanierung der Oper aufgrund der verschlechterten Wirtschaftslage ab - und neige zu einem Neubau, weil die Kosten kalkulierbarer seien.

Ergebnis der Expertenrunde soll Grundlage sein

Wer außer Oettinger in der Expertenkommission sitzen soll, verriet Özdemir am Dienstag noch nicht. Er sagte nur: "Wir holen uns auch externe Experten, die in Köln, in Frankfurt, in Hamburg und so weiter Erfahrung gesammelt haben". Die Runde solle dann in etwa zwei, drei Sitzungen beraten und zeitnah zu einem Ergebnis kommen.

Das Ergebnis der Expertenkommission müsse die Grundlage für eine bindende Entscheidung sein - darauf werde er als Ministerpräsident achten, so Özdemir. Diese Entscheidung treffen am Ende der Landtag und der Stuttgarter Gemeinderat. OB Nopper teilte mit, dass er auf eine gemeinsame Linie von Landtag und Gemeinderat bis zum Jahresende hoffe.

Özdemir hatte "ergebnisoffene Neubewertung" in Aussicht gestellt

Angesichts möglicher Kosten von bis zu zwei Milliarden Euro und den Bedenken der CDU hatte auch Özdemir die seit Jahrzehnten geplante Sanierung der historischen Oper zuletzt infrage gestellt - und ebenfalls einen Neubau ins Gespräch gebracht. Gemeinsam mit OB Nopper schlug er vor gut einer Woche eine "ergebnisoffene Neubewertung" des Projekts durch eine Expertenkommission vor. Das "Jahrhundertprojekt" brauche eine breite Akzeptanz, erklärte Özdemir. Kunstministerin Petra Olschowski (Grüne) gilt als klare Verfechterin der Sanierung des Littmann-Baus von 1912 in Stuttgarts Mitte.

Landtags-CDU ist teure Ausweichspielstätte ein Dorn im Auge

Die CDU-Landtagsfraktion stößt sich vor allem an den geplanten Kosten für eine Ausweichspielstätte von 289 Millionen Euro. Das geplante Übergangsgebäude sollte etwa zehn Jahre lang als Ausweichquartier für Ballett und Oper dienen, während die eigentliche Oper saniert wird. Aber auch die CDU unterstützt den Plan für eine Expertenanhörung, wenn sie ergebnisoffen ist. Die Fachleute sollen die Frage beantworten, ob ein Neubau die bessere und kostengünstigere Variante wäre.

Sollte Oettinger beispielsweise am Ende der Experten-Beratungen erklären, dass ein Neubau womöglich noch teurer als eine Sanierung wäre, könnte die CDU-Landtagsfraktion kaum darüber hinweggehen. Dem Vernehmen nach war Nopper irritiert darüber, dass die CDU-Landtagsfraktion die geplante Sanierung plötzlich so kritisch sieht.

Einigung zu Sanierung ist über zehn Jahre alt

Vor über zehn Jahren hatten sich Land und Stadt geeinigt, dass man die Sanierung des historischen Operngebäudes angehen will. Die Finanzierung des Hauses mit etwa 1.400 Mitarbeitenden teilen sich Land und Landeshauptstadt. Die eigentlich geplante Sanierung bestünde aus drei Teilprojekten: die Modernisierung der Oper, den Bau einer Ausweichspielstätte und der Erweiterung des Kulissenlagers an der Zuckerfabrik.

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Erstmals publiziert am
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Autor/in
Henning Otte
SWR-Reporter und -Redakteur Henning Otte, SWR Landespolitik
Katja Trautwein
Katja Trautwein