Viele Güter, auf die insbesondere die Industrie angewiesen ist, werden über den Rhein transportiert: Chemieprodukte, Mineralöl oder auch Baustoffe. Kommen die Lieferketten durch Niedrigwasser ins Stocken - zeitlich und in Bezug auf die lieferbaren Mengen - hat das Auswirkungen.
Manövrieren auf dem Rhein erfordert hohe Konzentration
Im Schneckentempo und mit viel Fingerspitzengefühl fährt Schiffsführer Petr Gottwald durch Mannheim. Nur noch rund 20 Zentimeter Wasser unter dem Schiff: Eine Stelle in Mannheim ist besonders heikel, meint Denny Kalfier, Schiffinspektor der Unternehmensgruppe Krieger.
Niedrigwasser wird nach Ansicht von SWR-Umweltredakteur Dominik Bartoschek in Zukunft häufiger ein Problem in Baden-Württemberg sein. Ein Grund: Der Nachschub an Gletscherwasser aus den Alpen könnte künftig deutlich geringer ausfallen.
Wir müssen als allererstes darauf achten, dass wir die Schiffe nicht zu tief abladen und dass man über diese schlechten Stellen, die wir haben, sehr, sehr langsam drüberfährt.
Normalerweise könne das Schiff bis zu 1.950 Tonnen laden, aktuell werde nur ein Drittel davon genutzt: bis zu 600 Tonnen.
Weniger Ladung bedeutet höhere Transportkosten
Die Transport-Menge sinkt, gleichzeitig bleiben die Personal- und Spritkosten nahezu gleich. Ein Ausweichen auf Lkw oder Züge ist jedoch teurer und teils auch kaum möglich: Denn für die normalerweise rund 2.000 Tonnen Ladung des Schiffes bräuchte es mehr als 70 Lkw-Fahrten.
Das ist auch deswegen unrealistisch, weil nicht genügend Lkw und Fahrpersonal zur Verfügung stehen.
Engpässe und steigende Kosten belasten die Wirtschaft
Wie groß die Auswirkungen sein werden, kann Simon Gerards Iglesias, Ökonom beim Institut der deutschen Wirtschaft (IW), nach eigenen Angaben nur grob schätzen. Im Jahr 2018, dem bisherigen Negativ-Rekordjahr für Niedrigwasser, habe der Ausfall an Transportkapazitäten 0,4 Prozentpunkte des Wirtschaftswachstums gekostet - es sei um mehrere Milliarden Euro gegangen.
Laut Gerards Iglesias ist für das laufende Jahr mindestens ein Effekt in gleicher Größenordnung zu erwarten. Geht man davon aus, dass die deutsche Wirtschaft 2026 zwischen 0,4 und 0,5 Prozent wachsen wird, würde das Niedrigwasser wie eine Art "Wachstumskiller" wirken.
Probleme vor allem auf dem Rhein
Auf dem Rhein werden viele Rohstoffe für die Bauwirtschaft transportiert - für die chemische Industrie aber auch Produkte für Autohersteller wie Mercedes-Benz in Stuttgart. IW-Ökonom Gerards Iglesias erklärt, der Rhein sei im Süden etwas enger als im Norden. Industrien, die geografisch weiter südlich liegen, seien daher proportional stärker betroffen als Gewerbe beispielsweise am Niederrhein.
Der zweitwichtigste Fluss in Baden-Württemberg, der Neckar, ist weiter uneingeschränkt befahrbar. Allerdings: Die meisten Produkte werden nicht ausschließlich über den Neckar transportiert - sondern es braucht eine Zufahrt über den Rhein.
Binnenschiffer: "Historische Situation"
Der Pegel-Unterschied zwischen Neckar und Rhein wird an der letzten Schleuse in Mannheim deutlich: Hier muss auch das Schiff der Unternehmensgruppe Krieger durch. Es lädt am Rheinufer Sand für die Bauindustrie und bringt es dann den Neckar flussaufwärts. In Mannheim stand der Rheinpegel am Nachmittag des 4. August 2026 auf einem neuen Tiefpunkt von 82 Zentimetern. Der bisher tiefste gemessene Wert waren 85 Zentimeter im Jahr 2018 gewesen.
Die Situation, die wir jetzt haben, hatte ich in meiner Karriere - ich komme auch vom Schiff - noch nicht. Wir hatten schon niedrige Wasserstände, aber so extrem wie jetzt, kenne ich es noch nicht.