Die Diskussion um eine Rheinvertiefung wird seit Jahrzehnten geführt und ist durch das aktuelle Niedrigwasser wieder verstärkt aufgekommen: Denn im laufenden Jahr ist der Pegelstand so früh im Jahr bereits so niedrig wie noch nie. Im bisher schlimmsten Niedrigwasser-Jahr 2018 waren die Pegelstände erst Ende Oktober ähnlich niedrig gewesen wie in diesem Juli.
- Bedeutung des Rheins als Transportweg
- Umgang mit Niedrigwasser versus Klimawandelfolgen
- Ökologische Folgen einer Rheinvertiefung
- Verkehrsverlagung vom Wasser auf Straße und Schiene
Bedeutung des Rheins als Transportweg
Der Rhein ist eine der verkehrsreichsten Wasserstraßen der Welt und der mit Abstand wichtigste Wassertransportweg Deutschlands. Mehr als drei Viertel der Binnenschifffahrt in Deutschland werden über den Rhein abgewickelt - aber es gibt Stellen, die bei extremem Niedrigwasser zum Nadelöhr werden und den Schiffverkehr auf der Nord-Süd-Achse behindern.
Allerdings: Nur weil ein Fluss tiefer ist, führt er nicht automatisch mehr Wasser. Wenn es nicht regnet, nützt die am besten ausgebaute Fahrrinne nichts.
Umgang mit Niedrigwasser versus Klimawandel-Folgen
Das extreme Niedrigwasser 2018 hat einen volkswirtschaftlichen Schaden von 2,4 Milliarden Euro angerichtet. Auch für dieses Jahr werden immense Kosten erwartet.
Zur Wahrheit gehört aber auch, dass bei Niedrigwasser auch mit ausgebaggerter Fahrrinne nur ein Bruchteil der Güter transportiert werden kann und dass wir solche Niedrigwasserereignisse und Dürresommer durch den Klimawandel in den nächsten Jahrzehnten häufiger sehen werden.
Ökologische Folgen einer Rheinvertiefung
Das Problem mit Niedrigwasser mag nur temporär bestehen, ein Artensterben durch Eingriffe in Flüsse wäre dagegen dauerhaft. Denn würden reihenweise Flüsse vertieft, wäre das fatal: Bei jedem Eingriff werden Ökosysteme zerstört und es geht Lebensraum von Fischen und Pflanzen verloren.
Andererseits könnte man sich auf den Rhein beschränken. Die Engstelle Kaub ist hier nicht ohne Grund besonders im Fokus: Mit Neckar und Main sind zwei der für Deutschland wichtigsten Nebenflüsse des Rheins für die Schifffahrt von und zur Nordsee faktisch abgeschnitten - zu Zeiten, in denen der Rhein bei Kaub nicht befahrbar ist.
Verkehrsverlagerung vom Wasser auf Straße und Schiene
Wenn Frachtschiffe nur noch mit sehr wenig Ladung fahren können, wird ein Teil der Güter wieder mit Lkw über die Straße transportiert. Das ist schlecht für die CO2-Bilanz. Den Gütertransport komplett der Straße zu überlassen, würde die Autobahnen komplett überlasten und den Treibhausgasausstoß massiv in die Höhe treiben. Der Rhein ist zwar ein Biotop, er ist aber auch "die Schiffsautobahn" unseres Landes - und diese sollte so gut wie möglich befahrbar sein.
Bei vielen Gütern ist ein Transport über den Rhein sinnvoll, allerdings lassen sich viele Waren auch über die Schiene transportieren. Zwar zerschneiden neue Trassen ebenfalls Landschaften. Aber der Transporte wäre nicht nur schneller als auf Flüssen und Straßen, sondern bestenfalls auch klimaneutral.