Der Wasserstand in den Flüssen sinkt weiter und ein Ende ist nicht absehbar: Am Rhein bei Reckingen (Kreis Waldshut) sprechen die Betreiber von einem Wasserabfluss, wie er in den Sommermonaten seit Beginn der Aufzeichnungen im Jahr 1910 noch nie gemessen wurde. Die wirtschaftlichen Auswirkungen des extremen Niedrigwassers werden immer klarer: Die Stromproduktion der Wasserkraftwerke ist deutlich gesunken.
Es tut mir im Herzen weh, wenn ich keine oder nur noch wenig Energie produzieren kann.
Dabei ist die Wasserkraft eine wichtige und klimafreundliche Form der Stromerzeugung: In Baden-Württemberg ist sie nach der Solarenergie die zweitwichtigste Quelle für erneuerbare Energie. Alleine zwischen Bodensee und Basel gibt es elf Wasserkraftwerke. Normalerweise versorgen sie 1,5 Millionen Haushalte mit erneuerbarem Strom. Aktuell müssen sie ihre Stromproduktion drosseln. Trotzdem werden an Standorten wie in Reckingen gerade hohe Summen in die Zukunft investiert.
Wasserkraftwerk Reckingen produziert nur noch ein Drittel Strom
Laufwasserkraftwerke sind abhängig davon, wie viel Wasser ein Fluss führt. Sinkt der Pegel, heißt das: Es läuft weniger Wasser durch die Turbinen und es wird weniger Strom produziert. Auch in Reckingen fließt gerade immer weniger Wasser rheinabwärts. Das Kraftwerk liegt mitten im Fluss, mitten durch das Maschinenhaus verläuft die deutsch-schweizerische Grenze.
Normalerweise fließen im Sommer 500 Kubikmeter pro Sekunde ab. Jetzt sind es nur rund 170 Kubikmeter pro Sekunde. Deshalb läuft hier im Augenblick nur noch eine von zwei Maschinen, mit der nur noch ein Drittel der üblichen Strommenge produziert wird. Bereits im Frühjahr war die Stromproduktion wegen der fehlenden Schneeschmelze gesunken.
Wasserkraftwerk könnte künftig sogar zeitweise abgeschaltet werden
Doch für das Reckinger Wasserkraftwerk ist das nicht existenzbedrohend. Dort kann man sich sogar vorstellen, im Sommer mal ganz abzuschalten. Etwa dann, wenn dank des Sonnenscheins viel Solarenergie produziert wird und dadurch zeitweise zu viel Strom im Netz ist. Dann kommt es zu sogenannten Negativpreisen - das heißt, Betreiber müssen für die Einspeisung sogar draufzahlen.
Die Zukunft des Reckinger Kraftwerks sei dadurch aber nicht gefährdet, sagt Betriebsleiter Thomas Häfeli. Denn im Winter und in der Nacht werde Strom aus Wasserkraft auch in Zukunft gebraucht.
Neben Niedrigwasser bremsen auch Umweltauflagen
Das auch die Betreiber des Wasserkraftwerks an die Zukunft dieser Energieform glauben, sieht man an ihren aktuellen Investitionen: Rund 100 Millionen Euro fließen in nächster Zeit in die Modernisierung der Anlage. Das Kraftwerk gehört zur Hälfte der Deutschen EnBW und zur anderen Hälfte Schweizer Stromgesellschaften. Sie haben von beiden Ländern gerade die Genehmigung des Weiterbetriebs bis 2080 erhalten.
Die Genehmigung ist allerdings mit Umwelt-Auflagen verbunden. So müssen etwa neue Fischtreppen gebaut, Uferbefestigung angepasst und neue Lebensräume für Fische und andere Lebenwesen im Rhein geschaffen werden.
Ausbaupotential an Wasserkraft am Hochrhein ausgeschöpft
Am Mittwoch war der Freiburger Regierungspräsident Carsten Gabbert (Grüne) gemeinsam mit anderen Politikern aus Südbaden vor Ort, um sich ein Bild zu machen. Er bezeichnete die Wasserkraft als "unverzichtbare und wichtige" Energieform.
Sie sei wichtig für Stabilität im Stromnetz und sorge aufgrund ihrer schnellen und dauerhaften Verfügbarkeit für eine Sicherheit in der Stromversorgung.
Wir sind ja froh, dass wir diese ganzen Kraftwerke haben, kümmern uns darum, dass sie weiterbestehen können.
Gabbert sagt, dass er das Potential der Wasserkraft am Hochrhein für weitgehend ausgeschöpft hält. Alleine schon wegen der großen Eingriffe in die Natur. Und er verweist auf die großen Herausforderungen, die der Energiehunger von Rechenzentren oder E-Mobilität mit sich bringen werden. In diesem Bereich könne die Wasserkraft in Zukunft vermutlich keinen weiteren Beitrag leisten, so Gabbert.
Auch EnBW hat mit Niedrigwasser zu kämpfen
Auch an einigen Wasserkraftwerken des Energieversorgers EnBW wird derzeit deutlich weniger Strom als sonst produziert. Die Wasserstände und Wasserabgaben lägen aktuell "außerhalb des Normbereichs", teilte das Unternehmen mit. Laut EnBW lag die Stromproduktion der Laufwasserkraftwerke in diesem Jahr bislang nur bei 80 Prozent des Referenzwertes (Stand: Ende Juni).