Ein bisschen Talkrunde, ein bisschen Reden und ein bisschen Gameshow. Langweilig soll es nicht werden, durch das Programm führen zwei Moderatorinnen, zeitweise im Paillettenkleid. Mit diesem Konzept startet die Linke in Baden-Württemberg am Donnerstagabend in Karlsruhe in ihren Wahlkampf.
Der dieses Mal auch tatsächlich zum Erfolg führen könnte. Denn anders als im Osten von Deutschland hat die Linke in Baden-Württemberg in den vergangenen Jahren eigentlich keine Rolle gespielt. 2021 scheiterte der Einzug in den Landtag mit 3,6 Prozent im Wahlergebnis, fünf Jahre zuvor erreichte die Partei sogar nur 2,9 Prozent. Die Prognosen für die nächste Landtagswahl am 8. März 2026 sehen da besser aus: Im aktuellen BW-Trend liegt die Partei bei 7 Prozent und könnte damit zum ersten Mal in der Geschichte in den baden-württembergischen Landtag einziehen.
Themen der Linken: Feminismus, Klassenkampf und Abrüstung
Amelie Vollmer, 22 Jahre alt und eine der drei Spitzenkandidatinnen, mit denen die Partei in den Landtagswahlkampf geht, steht auf der Bühne. Und setzt den Ton für die nächsten dreieinhalb Monate bis zur Wahl: "Baden-Württemberg ist reich, aber nicht für uns. Reich an Überstunden, an Stress, an Burnout. Reich an Mieten, die uns auffressen und reich an Politikerinnen, die die Milliardäre schützen und uns den Preis für ihre Krisen zahlen lassen." Die Linken wollen punkten mit Wohnraum, Gerechtigkeit und Klimaschutz.
Wir haben die Situation, dass jedes fünfte Kind inzwischen in Baden-Württemberg in Armut oder von Armut bedroht aufwächst, während die Reichen immer reicher werden.
Und Vorreiter in der Rüstungsindustrie werden? Das dürfe Baden-Württemberg auf keinen Fall. "Sie versuchen uns Rüstungsindustrie als Lösung für diese Krise zu verkaufen. Wir sagen: Baden-Württemberg braucht nicht mehr Rüstungsproduktion."
Prominente Unterstützung aus Berlin
Prominente Unterstützung gibt es an diesem Abend aus Berlin. Angereist ist Ines Schwerdtner, eine von zwei Bundesvorsitzenden der Partei. Schwerdtner ist zwar bei weitem nicht so bekannt, wie Linken-Postergirl Heidi Reichinnek, die durch wütende Reden im Bundestag und pointierte Videos in den Sozialen Medien linke Wählerinnen und Wähler mobilisiert, aber bei der Bundestagswahl war sie doch mitbeteiligt am überraschenden Wahlerfolg der Bundes-Linken.
Für Schwerdtner ist an diesem Abend klar: Das politische System in Baden-Württemberg muss "aufgewirbelt" werden. Die Rolle der Linken im Land? Stark in der Opposition. "Ich freue mich auch schon sehr darauf, wie Cem Özdemir darauf reagieren wird. Ich freue mich schon sehr darauf. Wie heißt der von der CDU? Ich kenne ihn nicht mal. Ich weiß nicht mal, wer er ist."
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Viele haben Entscheidung schon gefällt
Bei der Wahlkampfveranstaltung sind an diesem Abend viele Menschen, die sowieso schon Mitglied der Linkspartei sind oder für die zumindest feststeht, dass sie die Linken wählen werden. Wirklich noch am Abwägen scheinen die wenigsten zu sein. Einer von ihnen ist Student Marc. Bei ihm sei offen, was er im März wählen wird. Die Linken kämen aber in Frage, denn im Land müsse sich etwas ändern. Aber nicht bei allen Themen ist Marc überzeugt, dass die Partei die richtigen Antworten hat. Bei der Außenpolitik zum Beispiel, oder bei der Wehrpflicht: "Da bin ich auf jeden Fall sehr skeptisch, wie die Linke das angeht, weil ich die Gefahr sehe, dass Deutschland sich verteidigen muss, zum Verteidigungsfall, und ich Deutschland momentan nicht so einschätze, dass es verteidigungsfähig ist."
Unterhaltung als Wahlkampf-Konzept
Und dann beginnt sie, die große Game-Show. Fünf Landtagskandidatinnen und -Kandidaten aus Karlsruhe und der Region nehmen auf der Bühne Platz, komplettiert wird die Runde von Ines Schwerdtner. BW-Spitzenkandidatin Amelie Vollmer selbst ist nur noch Zuschauerin. Die Kandidatinnen und Kandidaten beantworten Fragen aus verschiedenen Kategorien - Wirtschaft und Rüstung, Bildung, Arbeit, Klima und Mobilität, Feminismus, Wohnen. "Wie stark ist der Wert einer Rheinmetall-Aktie seit Beginn des Kriegs gestiegen?", "Was ist das größte Unternehmen der Region ohne Betriebsrat und wie viele Beschäftigte hat es?", "Wann ist der feministische Kampftag?" Das Gelächter im Saal ist groß als auf diese Frage noch der Hinweis kommt, dass am selben Tag die Landtagswahl stattfindet.
Zwar besteht die Gameshow insgesamt nur aus 18 Fragen. Aber als die nach gut eineinhalb Stunden alle beantwortet sind, da haben viele der 400 Zuschauerinnen und Zuschauer schon den Heimweg angetreten.